Sa, 18. August 2018

US-Angebot an Europa

05.07.2018 19:19

Autozölle abschaffen? Merkel ist gesprächsbereit

Der von US-Botschafter Richard Grenell am Mittwochabend unterbreitete Vorschlag an die deutsche Autoindustrie, auf gegenseitige Autozölle zu verzichten, stößt in Berlin nicht auf taube Ohren. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nach eigenen Worten dazu bereit, dass die EU über eine Senkung von Zöllen auf Autos verhandelt. Bahnt sich nun eine Entspannung im Handelsstreit zwischen der Union und den USA an?

Gleichzeitig verwies Merkel darauf, dass von einer solchen Vereinbarung alle Länder im Rahmen der Welthandelsorganisation profitieren müssten. Andernfalls würde man gegen die Regeln der WTO verstoßen. Tatsächlich betrachten Handelsexperten den Vorschlag der USA, der von einem Sprecher der US-Botschaft in Berlin tags darauf nur noch als Diskussionsgrundlage bezeichnet wurde, als „rechtswidrig“, wie es Ewald Plum, Leiter des Zoll- und Außenwirtschaftsteams bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner, gegenüber der deutschen „Wirtschaftswoche“ erklärte. „Grenells Vorschlag hebelt die Prinzipien der WTO und des Freihandels aus. Dafür aber hat sich gerade die EU immer starkgemacht und vehement für deren Einhaltung geworben“, begründete Plum seine Bedenken.

Juncker reist zu Verhandlungen nach Washington
Gemäß den WTO-Regeln dürften lediglich bilaterale Zollsenkungen vereinbart werden, wenn diese 90 Prozent aller Warengruppen betreffen. Ist dies nicht der Fall, muss eine bilaterale Vereinbarung dann auf alle anderen Staaten übertragen werden, wie auch Merkel am Donnerstag betonte. Das wäre aber durchaus eine Option. Merkel verwies darauf, dass EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Washington verhandeln werde.

Autoimporte eine Bedrohung der Sicherheit der USA?
US-Präsident Donald Trump argumentiert im Handelsstreit mit ungerechten Handelsbarrieren, die die EU errichtet habe. Derzeit fallen bei Pkw-Importen aus der EU in die USA 2,5 Prozent Zoll an. Die EU erhebt hingegen zehn Prozent Zoll für importierte US-Autos. Im Mai hatte die US-Regierung eine Untersuchung auf den Weg gebracht, ob die Autoimporte eine Bedrohung der nationalen Sicherheit darstellten. In dem Fall könnte sie Strafmaßnahmen verhängen. Die Zeit drängt, denn Ende Juli soll der Untersuchungsbericht vorliegen.

Gabor Agardi
Gabor Agardi

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.