Mi, 18. Juli 2018

Weihe am Sonntag

17.06.2018 17:00

Innsbrucker Neo-Priester: „Fühle mich angekommen“

Im Dom zu St. Jakob wurde am Sonntag  der Innsbrucker Fritz Kerschbaumer (34) gemeinsam mit dem Salzburger Dominikus Kraschl zum Priester geweiht. Ein seltenes Ereignis. Erst in fünf Jahren steht die nächste Priesterweihe der Diözese an. Mit der „Krone“ sprach Kerschbaumer über Berufung und Priestermangel. Der ist auch in der Diözese Innsbruck groß. 382.000 Katholiken gibt es, aber weniger als 200 aktive Priester. 

„Ich fühle mich erleichtert und freue mich auf die Weihe. Es gibt eine gewisse Aufgeregtheit und Vorfreude, wenn ich an die Weihe und meine Primiz (Anm. erste Heilige Messe) denke. Es gibt aber vor allem das starke Grundgefühl der Freude, des Friedens und des Angekommenseins“, sagte Fritz Kerschbaumer vor dem großen Tag im „Krone“-Interview. Der 34-jährige Innsbrucker arbeitet seit 2016 im Seelsorgeraum Jenbach-Wiesing-Münster mit, seit November des Vorjahres als Diakon. Am 24. Juni findet die Primiz in Jenbach statt. Ab September wird Kerschbaumer Kooperator im Seelsorgeraum Reutte.

Zu Thema Berufung und Priestermangel meint er: „Die Ursachen dafür sind wohl vielfältig. Hauptgrund ist, dass in unserer Gegend das aktive Glaubensleben stark abgenommen hat. Das Suchen nach Gott und das bewusste Leben im Glauben sind Grundvoraussetzung für priesterliche Berufung.“

In der Abschaffung des Pflichtzölibats für Priester sieht Kerschbaumer kein Patentrezept gegen den Priestermangel: „Ich denke nicht, dass die Auflösung der Verbindung von Priesteramt und Zölibat zu einer wesentlichen Zunahme an Priestern führen würde. Insgesamt ist die Gruppe der möglichen Kandidaten für das Amt durch den Rückgang der Kirchlichkeit klein geworden. Einen Lösungsansatz, aber kein Patentrezept, sehe ich darin, das Thema Berufung wach zu halten, hinzuweisen, vorzuleben und anzusprechen. Die Vielfältigkeit der Berufungswege sollte gezeigt werden, damit Ängsten und Vorbehalten junger und älterer potenzieller Priester gut begegnet werden kann.“

Priestermangel in der Diözese Innsbruck
Die Priesterweihe am Sonntag im Dom zu St. Jakob in Innsbruck war ein seltenes Ereignis. Die nächste steht erst in fünf Jahren an. Der Priestermangel ist für die Kirche in Österreich eine große Herausforderung. In der Diözese Innsbruck mit seinen 382.000 Katholiken gibt es derzeit rund 220 geweihte Priester, davon sind jedoch rund 30 schon in Pension und noch einmal so viele im Vorruhestand. Das Durchschnittsalter liegt bei 63 Jahren. Wenige Priesteranwärter kommen nach: Derzeit absolvieren zwölf Seminaristen aus drei Diözesen (Innsbruck, Feldkirch und Linz) ihre Ausbildung in Tirol, davon drei für Innsbruck.

Als Reaktion auf den Priestermangel begann die Diözese vor zehn Jahren, die rund 290 Pfarren in so genannten Seelsorgeräume zu organisieren. 65 sind bereits formiert, zehn kommen noch hinzu. Für Bischof Hermann Glettler ist der Weihe-Sonntag ein Tag der Berufung. Er ist überzeugt, „dass es auch heute spezielle Berufungen gibt - wahrscheinlich mehr als man vermutet“.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
 krone.at
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