Sa, 18. August 2018

Respekt trotz Querelen

23.05.2018 11:57

Kneissl: „5 Minuten in Lage der Türkei versetzen“

Außenministerin Karin Kneissl hat im Konflikt mit der Türkei Verständnis für die türkische Bevölkerung geäußert. „Ich will nichts beschönigen, aber bei aller Kritik sollte man sich auch einmal für fünf Minuten in die Lage der Türkei versetzen“, sagte Kneissl der deutschen „Welt“. Man dürfe nicht vergessen, „was viele terroristische Anschläge wie in der Türkei mit einer Gesellschaft machen“.

In der Türkei gebe es „ohnehin viele Frontlinien, und dazu kommt dann noch der andauernde Terror“, so die Außenministerin in dem am Mittwoch erschienenen Zeitungsinterview. „Trotz dieser Gewalt stellen sich die Menschen aber immer wieder auf die Hinterbeine und packen an. Davor habe ich großen Respekt.“

Dass die demokratischen Rechte in der Türkei immer stärker unter Druck geraten, bedauerte Kneissl. Die EU habe mit dem Einfrieren der Beitrittsgespräche bereits Konsequenzen gezogen. Die Außenministerin betonte aber auch, ein Neustart der Beziehungen zwischen EU und Türkei sei nur dann möglich, wenn die Türkei „vieles ändert“. „Klar ist auch: Die Türkei ist nach wie vor sehr wichtig für die Europäische Union, und wir wollen gut zusammenarbeiten.“

Hoffnungsschimmer: Gute Gespräche und Comeback für Ephesos-Forscher
Was die Verbesserung der Beziehungen zwischen Österreich und der Türkei betrifft, zeigte sich die Außenministerin mit Verweis auf „sehr gute Gespräche“ mit ihrem Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu sowie die Wiederaufnahme der Grabungstätigkeiten österreichischer Archäologen im türkischen Ephesos optimistisch: „Ich bin überzeugt, dass wir durch eine solche atmosphärische Verbesserung das Patt in den Beziehungen zwischen Österreich und der Türkei überwinden können.“

Video: „Pferdediplomatie“ in Wien

Gefragt, ob sie als von den Freiheitlichen nominierte parteilose Ministerin Druck von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache spüre, antwortete Kneissl: „Nein, ich verspüre Unabhängigkeit.“ Es gelinge ihr mit allen Parteien im Parlament ein respektvolles Miteinander. „Was ich vertrete, das sind die Interessen Österreichs im Ausland.“

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