Di, 14. August 2018

Kurz vor Ostern:

24.03.2018 15:26

Neuseeland infiziert Kaninchen mit tödlichem Virus

Die Jagd auf Kaninchen hat in Neuseeland Tradition. Weil die Tiere eine immer größere Landplage werden, wird in dem Pazifikstaat nun ein tödliches Virus ausgesetzt - ausgerechnet vor Ostern. Der tödliche Erreger soll mindestens 40 Prozent der Population töten.

Für den Inselstaat im Pazifik mit seiner außergewöhnlichen Flora und Fauna ist das Wildkaninchen eine arge Landplage. Der offiziellen Statistik zufolge richtet das millionenfach verbreitete Hoppeltier in Neuseelands Landwirtschaft Jahr für Jahr Schäden von umgerechnet etwa 60 Millionen Euro an. Weshalb soeben das spezielle Virus ausgesetzt wurde.

Erreger löst innere Blutungen aus
Der tödliche Erreger trägt den Namen RHDV1 K5. Es ist eine Variante des Virus, das die mit inneren Blutungen einhergehende Hämorrhagische Kaninchenkrankheit (RHDV) auslöst. Das Virus wurde in Futter gemischt, das nun landesweit an 350 Orten verteilt wird. Für andere Lebewesen soll der Erreger nach den Versicherungen der zuständigen Instanzen ungefährlich sein.

Neuseeland hat Erfahrung mit dem Einsatz eines solchen Erregers: 1997 wurde erstmals ein RHDV1-Virus ausgesetzt. Es erfüllte dem Vernehmen nach auch seinen Zweck. Inzwischen sind die Kaninchen jedoch immun gegen den Erreger. Neuseelands Landwirte meinen deshalb, dass es höchste Zeit für ein neues Virus war. „Das ist eine große Erleichterung“, sagte Verbandssprecher Andrew Simpson. „Wenn noch ein Jahr vergangen wäre, hätte das auf einigen Farmen großen Schaden verursacht.“

Europäische Siedler schleppten Kaninchen ein
Um den Ruf des Kaninchens in Neuseeland war es noch nie besonders gut bestellt. Ursprünglich heimisch ist die Art ohnehin nicht: Die Tiere wurden von den ersten europäischen Siedlern ins Land gebracht - und vermehrten sich immens. Der Bestand geriet schnell außer Kontrolle. Heute wird die Zahl auf viele Millionen Exemplare geschätzt, genau weiß man das nicht.

Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain notierte schon 1895 während eines Besuchs: „Der Mann, der das Kaninchen nach Neuseeland brachte, wurde gepriesen und festlich bewirtet. Heute würde man ihn an den Strick hängen, wenn man ihn in die Hand bekäme.“

Kaninchen werden mit allen Mitteln gejagt
Seither wurde alles Mögliche versucht, um der Plage Herr zu werden: Man stellte den Kaninchen Fallen, hetzte sie mit Hunden, sprühte ihnen Gas in den Bau. In Otago auf der Südinsel wird einmal pro Jahr die „Great Easter Bunny Hunt“ ausgetragen. Was klingt wie ein Kinderfest, ist eine groß organisierte Kaninchenjagd über 24 Stunden hinweg - im Schnitt werden 10.000 Tiere getötet.

Tierärzte raten zur Impfung für Hauskaninchen
Das rabiate Vorgehen gegen die Wildkaninchen mit einem schwere Qualen verursachenden Erreger gefällt allerdings auch in Neuseeland nicht jedem. Hauskaninchen sind beliebt, geschätzt mehr als 100.000 gibt es in Neuseelands Haushalten. Und die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus vor deren Ställen Halt macht, ist eher gering. Die Vereinigung von Neuseelands Tierärzten (NZVA) mahnt deshalb: „Eine Impfung ist empfehlenswert.“

„Extrem grausame Art, die ‚Plage‘ loszuwerden“
Die Kaninchenfreunde-Vereinigung New Zealand Hopper Group fürchtet zudem, dass das Virus auf andere Arten übergreifen könnte, allen Versicherungen zum Trotz. Ihr Vorsitzender Simon Esling sagte: „Auf jeden Fall muss man sagen, dass das eine extrem grausame Art ist, eine “Plage„ loszuwerden, die ins Land gebracht wurde, damit Farmer ihren Spaß beim Jagen hatten.“ Der Tierschutzbund SPCA kritisierte, dass die Kaninchen vor dem Tod schwer zu leiden hätten. „Wir sind für humanere Methoden, wenn man die Kaninchen-Population unter Kontrolle bringen muss“, sagte die Ärztin Arnja Dale.

Ministerium beschwichtigt: Nur Kaninchen sterben
Die Regierung hält entgegen, dass die Kaninchen durch das Virus ähnlich wie von einer schweren Grippe getötet werden. Zudem verweisen die Experten im zuständigen Ministerium darauf, dass das ursprünglich aus Südkorea stammende Virus RHDV1 noch nie andere Tiere erfasst habe. „Alle Daten - aus 40 Ländern und über 30 Jahre hinweg - bestätigen, dass das Virus nur auf das Europäische Wildkaninchen beschränkt ist. Es ist unwahrscheinlich, dass sich das ändert.“

Ohnehin hat der Bio-Angriff auf die Kaninchen bereits begonnen. Damit nicht genug: In einigen neuseeländischen Supermärkten hat man auch damit angefangen, die Schoko-Osterhasen auszusortieren. Stattdessen gibt es jetzt, weil das landestypischer ist, Oster-Kiwis. Nicht die Frucht, sondern den Vogel.

 krone.at
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