Die TA könne die Abwanderung in den Mobilfunk nicht verhindern, weil sie praktische keine Festnetz-Flatrates anbieten dürfe, sagte Karl-Heinz Neumann, Autor einer von der TA in Auftrag gegebenen Vergleichsstudie, am Dienstag vor Reportern. Die seit wenigen Jahren angebotenen "Kombi-Pakete" fallen noch nicht in diese Kategorie, weil Gesprächsgebühren verrechnet werden (müssen).
Für die am Dienstag in Wien präsentierte Vergleichsstudie der TA musste die Deutsche Telekom herhalten: Während in Deutschland ein gutes Drittel der Sprachtelefonie auf das Handy entfalle, seien es in Österreich mehr als drei Viertel, heißt es. Dementsprechend telefonierten auch in Deutschland nur 11 Prozent der Haushalte ausschließlich mit Mobiltelefonen, in Österreich hingegen 38 Prozent. Der EU-Schnitt liege bei 22 Prozent.
TA: Bandbreite droht "Flaschenhals-Effekt"
Allerdings bietet die Telekom nicht nur Festnetz an, sie ist mit ihrer Tochter Mobilkom auch Marktführer im Mobilfunk. Bei Geschäftskunden steht sie einsam an der Spitze. Die Mobilkom forciert außerdem massiv den Ausbau der mobilen Datenübertragung via UMTS, was dem Festnetzinternet zusätzlich zusetzt.
Genau da prophezeit TA-Chef Hannes Ametsreiter aber eine negative Entwicklung. UMTS werde die Festnetzanschlüsse nicht so schnell ersetzen können. Und wird das Festnetz nicht ausgebaut, komme es ab dem Jahr 2015 zu "Flaschenhals-Effekten" bei der Bandbreite. Das nötige Investitionsvolumen für eine Versorgung von 80 Prozent aller Haushalte mit Glasfasertechnologie beziffert Regulierungs-Experte Neumann mit fünf Milliarden Euro. Die Telekom selbst will bis 2013 aber nur rund eine Milliarde Euro investieren.
Daher müsse man der TA erlauben, Kunden zu halten bzw. zu gewinnen, um den Ausbau voranzutreiben. Die Forderungen: Die regulatorische Setzung von Mindestpreisen solle aufgehoben werden und die TA solle Telefonieflatrates und Produktbündel anbieten dürfen. Wenn die TA ihre niedrigen Festnetz-Kosten, etwa in Form von Flatrateangeboten für "vier bis fünf Euro" im Monat weitergeben dürfte und sie dadurch mehr Kunden halten könnte, könnte sich das auch positiv auf die Vorleistungspreise auswirken, so Studienautor Neumann. "Zudem wäre es sinnvoll, den gesamten Breitbandzugangsmarkt zu deregulieren." Ametsreiter: "Derjenige, der investiert, soll gefördert und nicht gebremst werden."
EU-Kommission bremste RTR
Erst Anfang Oktober hatte die EU-Kommission "ernsthafte Zweifel" an der geplanten Definition des Breitband-Marktes in Österreich geäußert und damit die RTR zurückgepfiffen, die in ihren Vorhaben Festnetz-Breitband und mobiles Internet als gleichwertig einstufen wollte und teilweise Wünsche der TA erfüllt hätte. Brüssel sieht am am österreichischen Privatkundenmarkt für Breitbandzugang aber nicht genug Wettbewerb. Die RTR hat nun noch ein paar Wochen Zeit, nachzuweisen, dass der Markt für eine Deregulierung reif ist.
In Österreich ist es nach der Telekom-Marktliberalisierung 2007 zu einem Boom bei Festnetzfirmen gekommen. Dutzende Firmen matchten sich mit dem Ex-Monopolisten und mittlerweile teilprivatisierten Telekom-Konzern, der den Anbietern sein Netz zur Verfügung stellen muss. Inzwischen sprechen Kritiker des Festnetzmarktes von einem Oligopol, bestehend aus der Telekom, Tele2 und UPC/Inode, wobei sich letzteres Unternehmen in den Ballungsräumen auf sein Kabelfernsehnetz stützt.









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