19.10.2009 10:20 |

Bärendienst per Post

Schweizer Bank "verpetzt" US-Kunden mit Briefen

Die Schweizer Bank UBS dürfte ihren US-amerikanischen Kunden mit eingeschriebenen Briefen einen echten Bärendienst erwiesen haben. Die Großbank muss Anfang 2010 entgegen der eidgenössischen Geheimnistradition Kontodaten an die US-Steuerbehörde herausgeben. Um ihre Kunden zu warnen, verschickte man die Schreiben. Doch durch die wissen die US-Behörden jetzt schon Monate früher, wer ein Konto bei UBS hat...

Um ihren Ruf als sicheres und vor allem anonymes Depot nicht zu verlieren, wollte die Großbank ihre Kunden in den USA per Einschreiben vorwarnen, dass ihre Kontodaten möglicherweise an die Steuerbehörden weitergegeben werden.

Da die Umschläge aber den Absender zeigen, können die US-Behörden nun bereits vor Übergabe der Daten an die Namen möglicher Steuersünder herankommen, so die Schweizer Zeitung "Sonntag". Die US-Post ist eine staatliche Organisation. Deshalb hat die IRS laut dem Bericht die Möglichkeit, eine Liste aller Einschreiben anzufordern, die von der UBS jüngst in die USA geschickt wurden. Von UBS gab es bislang keinen Kommentar zur Causa.

Anwalt: "Briefe verletzen Bankgeheimnis"
Die Schweiz und die USA hatten sich im September darauf verständigt, dass die UBS der IRS Informationen über 4.450 Konten aushändigt. Die Amerikaner wollen damit die Fahndung nach Steuerhinterziehern vorantreiben, nachdem mehrere Fälle bekannt geworden waren, in denen US-Unternehmer Millionen von Dollars auf Konten in der Schweiz vor dem US-Fiskus versteckt hielten.

Offiziell sollten die ersten Daten Anfang 2010 an die Behörde übergeben werden. "Dass die UBS eingeschriebene Briefe in die USA sendet, auf denen die Bank als Absender ersichtlich ist, verletzt das schweizerische Bankgeheimnis", kritisierte Rechtsanwalt Andreas Rüd, der US-Kunden der Bank vertritt. Seine Mandanten fühlten sich verraten, so der Anwalt gegenüber "Sonntag".

UBS: Vor einem Jahr vom Staat gerettet
Mit einem umstrittenen Hilfspaket hat der Staat die UBS vor ziemlich genau einem Jahr vor dem Zusammenbruch bewahrt. Zum Schutz der Großbank und letztlich der ganzen Volkswirtschaft übernahm die Schweizer Nationalbank gewaltige Mengen an faulen Papieren. Immer noch stehen Milliarden auf dem Spiel. Als Bund und Nationalbank am 16. Oktober 2008 die Rettung der UBS bekannt gaben, war von bis zu 40,8 Milliarden Euro an solchen Giftpapieren die Rede, die bei der SNB gebunkert werden sollten. 

Der Schweizer Bundesrat hatte die Aktion in eigener Regie beschlossen. "Too big zu fail." Die UBS sei zu groß, um zu scheitern, hatte es damals geheißen. Den "Aktionär Schweiz" ist die UBS inzwischen wieder los: Mit der Auflösung seines Aktienpakets im August hat der Bund dann sogar 1,2 Milliarden Franken gewonnen. "Die Bank ist stabilisiert und die Schweiz hat zwei Prozent ihres Budgets verdient", sagte kürzlich UBS-Chef Oswald Grübel, der für seinen trockenen Humor bekannt ist.

Im Moment hütet die Schweizer Nationalbank noch toxische UBS-Papiere für etwa 25,5 Milliarden Dollar. Ein Teil dieser komplexen Finanzprodukte, mit deren sorglosem Umgang die globale Krise losgetreten worden war, gewinnen allmählich wieder an Wert.

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