19.10.2009 07:46 |

Millionen abgecasht

Insider-Syndikat an der Wall Street aufgeflogen

Ein krasser Betrugsfall erschüttert erneut die US-Börsen: Ermittler in den USA haben den bisher wahrscheinlich größten Fall von Insiderhandel bei sogenannten Hedgefonds aufgedeckt. Mehrere Wall-Street-Manager und Mitarbeiter der Großkonzerne Intel und IBM wurden verhaftet und angeklagt. Im Zentrum des Syndikats steht der amerikanisch-sri-lankische Milliardär Raj Rajaratnam (Bildmitte), der mit den anderen Verdächtigen rund 20 Millionen Dollar an illegalen Gewinnen abgecasht haben soll.

Die mit Insiderwissen erwirtschafteten Millionen-Gewinne stehen zwar in keiner Relation zu Betrugsfällen à la Bernard Madoff, der Anfang Juni wegen eines verursachten Schadens von 50 Milliarden Dollar zu 150 Jahren Haft verurteilt wurde. Der Insider-Skandal erschüttert aber die im Aufschwung befindliche Börsenwelt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt.

Rajaratnam, Gründer des Hedgefonds Galleon, und fünf andere Manager bekamen am Wochenende Besuch von jeweils einem runden Dutzend FBI-Agenten, die die Finanzunternehmer in Handschellen abführten. Die Staatsanwaltschaft Manhattan erhob Anklage. 

Rajaratnam wurde als Kopf des Syndikats verhaftet. Zwei weitere Verdächtige, unter ihnen auch eine Frau, gehören zum Hedgefonds New Castle, einer früheren Sparte der kollabierten Investmentbank Bear Stearns, die restlichen drei Angeklagten sind ranghohe Manager des IT-Konzerns IBM, der Unternehmensberatung McKinsey und der Investmentsparte des Chipgiganten Intel.

Ermittlungsdurchbruch mit Lauschangriff
Die Staatsanwaltschaft von Manhattan beschuldigt sie, sich über mehrere Jahre hinweg illegal Gewinne von mehr als 20 Millionen Dollar verschafft zu haben. Bei den Ermittlungen waren erstmals in einem Fall von Insiderhandel an der Wall Street mit richterlicher Erlaubnis Telefone angezapft worden.

Die Managerin des New-Castle-Fonds soll dabei die meisten Beweise geliefert haben. Bei einem Telefonat, indem es um Insidertipps für Aktien von Sun Microsystems ging, sagte sie: "Wenn das an die Öffentlichkeit gerät, bin ich geliefert." Die Ermittler stützten sich auch auf Informationen eines Ex-Mitarbeiters Rajaratnams, der sich dadurch in einem anderen Fall behördliche Milde erhofft.

Insiderhandel mit Papieren von Google bis Hilton
In den beiden am Freitag bei einem New Yorker Bezirksgericht eingereichten Klagen wird allen sechs Verdächtigen Wertpapierbetrug bzw. Verschwörung zur Last gelegt. Ihnen drohen damit bis zu 20 Jahre Haft, unter Umständen auch lebenslänglich. Zudem hat die US-Börsenaufsicht SEC eine Zivilklage gegen sie angestrengt. Die Beschuldigten haben Insiderinformationen über rund zehn Unternehmen ausgetauscht. Dabei ging es unter anderem um Börsenschwergewichte wie Google, IBM, Akamai, die beiden Chip-Riesen Intel und AMD und auch die Hotelgruppe Hilton.

In der ersten Klage wird dem 52-jährigen Rajaratnam, der als reichster Mann Sri Lankas gilt und auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, vorgeworfen, sich mit Intel-Mitarbeiter Rajiv Goel und McKinsey-Direktor Anil Kumar verschworen zu haben. Die Straftaten sollen seit Jänner 2006 über einen Zeitraum von drei Jahren begangen worden sein. In der zweiten Klage werden die drei weiteren Verdächtigen des Insiderhandels beschuldigt, mit dem sie mehrere Millionen Dollar illegal erwirtschaftet haben sollen. So soll der IBM-Manager unter anderem Informationen über ein IBM-Geschäft mit AMD weitergegeben haben.

In den Skandal verwickelt ist auch ein Analyst der Ratingagentur Moody's. Der an der Bewertung der Hilton-Gruppe beteiligte Mann habe die Insiderinformationen weitergegeben, dass Hilton an den Finanzinvestor Blackstone verkauft und wann der Verkauf voraussichtlich bekannt geben werde, heißt es in der Klageschrift.

Staatsanwalt kündigt Abhöroffensive an
"Dies ist kein gewöhnlicher Fall von Insiderhandel", sagte der zuständige Staatsanwalt von Manhattan, Preet Bharara. Zugleich kündigte er an, Insiderhandel-Ringe würden nun mit den gleichen schlagkräftigen Ermittlungsmethoden ins Visier genommen, die bereits erfolgreich gegen Banden und Drogenkartelle eingesetzt worden seien. "Heute, morgen, kommende Woche und in der Woche darauf müssen sich privilegierte Wall-Street-Insider, die erwägen, gegen das Gesetz zu verstoßen, eine wichtige Frage stellen: Hören die Strafverfolgungsbehörden mit?", sagte der Staatsanwalt.

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