Fr, 14. Dezember 2018

Live im Porgy & Bess

07.03.2018 09:49

Bilderbuch: Funkytime in ehrwürdigen Jazz-Gemäuern

Inmitten ihrer „5000“-Clubtour haben Bilderbuch Dienstagabend im Wiener Jazzclub Porgy & Bess einen Überraschungsgig eingestreut. Österreichs derzeit größte Popband spielte dort in ehrwürdigem Ambiente vor geladenen und gelosten Gästen und überzeugte nicht nur mit neuem Look und heißer Stimmung, sondern auch mit brandneuen Songs.

Über das permanente Säbelrasseln in den gängigen Social-Media-Plattformen sind Bilderbuch längst hinausgewachsen. Österreichs heißester Export hat sich nach einer extensiven Tour 2017 mit unvergesslichen Shows wie den drei ausverkauften Open-Airs in der Arena oder dem Gig beim Frequency Festival längst sein eigenes Denkmal gesetzt und muss in den Abkühlphasen nicht zwingend Präsenz heucheln. Die Shows verkaufen sich sowieso aus – so geschehen bei den wenigen ausgewählten Österreich-Gigs hier im März und auch bei den meisten für die angekündigte Deutschland- und Schweiz-Tour kommenden April. Wenn sich im virtuellen Netz schon mal was rührt, dann aber gewaltig.

Seltenes Vergnügen
So geschehen am Montag, als Bilderbuch gemeinsam mit ihren treuen Wegbegleitern FM4 ein Überraschungskonzert im gediegenen Wiener Jazzclub Porgy & Bess ankündigen, bei dem nur geladene und geloste Gäste in den Genuss der großen Hitpalette kamen. Ein besonderes Erlebnis, das in dieser Form wohl ein Novum für die immer noch steil in den musikalischen Orbit schießende Band und ihre treuen Anhänger bleiben wird. Bis auf die Insider wusste anfangs natürlich niemand, ob der Auftritt nun eine Art kurzer Showcase mit dem Vorstellen diverser neuer Nummern oder doch ein volles Set wie zwei Abende davor im Grazer ppc werden würde. Als Schlagzeuger Philipp Scheibl um Punkt 22 Uhr vor dem frenetisch jubelnden Publikum zum ausladenden Drum-Solo ansetzte, war schnell klar, dass keine Eile herrschte.

Bevor die Band endgültig zur „Superfunkypartytime“ lud, protzten Bilderbuch erst einmal mit neuem Look und einer opulenten, durchwegs in Purpur und Blau gehaltenen Lichtshow samt dreidimensionalen Effekten. Maurice trägt jetzt obenrum schwarz und Gitarrist Michael Krammer hat sich gar gänzlich von seiner Haarpracht getrennt – da war es nur konsequent, dass mit „Mr. Refrigerator“ ein brandneuer Song das Set eröffnete. Schon nach dem ersten, mit viel Funk und 80er-Pop-Referenzen bestückten Gitarrenriff stand fest, dass die Hitdichte im Bandcamp weiterhin hoch bleibt. Zumindest im Livekontext baut sich der Track famos in die großspurige Ästhetik ein, braucht nur wenige Sekunden Anlauf, um eifrig betanzt zu werden. Mit „Megaplex“ folgte noch eine zweite Wien-Live-Entjungferung.

Staub rausklopfen
„Bungalow“, „Magic Life“ oder „Spliff“ folgten im Stakkatotakt – unermüdlich zelebrierten Bilderbuch mit ihrer stark dezimierten Hardcore-Fanschar die Liebe und das Leben und klopften mit ihrer bewusst gewählten und gegen alle Trends laufenden Digital-Liveproduktion den Staub aus den ehrwürdigen Jazz-Gemäuern. Vor dem Groove-Ohrwurm „sneakers4free“ illustrierte der sonst eher wortkarge Maurice den Abend erstmals mit ein paar thematisch passenden Worten. „Als Kapitalist wünscht man sich Reichtum. Manchmal kriegt man auch etwas gratis, was eigentlich etwas kostet. Man kriegt etwas Cooles geschenkt. Eben sneakers4free oder Konzerttickets.“

Beiläufig erwähnte er gegen Ende des an Energie niemals abflauenden Sets noch einmal demütig, dass es eine große Ehre für die Band sei, im Porgy & Bess zu konzertieren. Das ließen sich auch bekannte Gesichter wie die jahrelang im Bilderbuch-Vorprogramm auftretende Mavi Phoenix oder Maschek-Drittel Peter Hörmanseder nicht entgehen. Wie keine zweite Band schaffen es die Oberösterreicher scheinbar mühelos, die breite Masse als auch strenge Soundästheten gleichermaßen zufriedenzustellen und sich in ihrem eigens abgesteckten musikalischen Feld stets aufs Neue innovativ auszubreiten.

Vom Porgy nach Schönbrunn
In seiner unnachahmlichen Art dankte Maurice dem Jesuskindi samt gekonntem Seitenhieb auf die katholische Kirche und fuhr im letzten Konzertdrittel noch einmal alle Regler hoch. „Baba“, „Maschin“, „Schick Schock“, „OM“ und als Zugabe noch das famose „Babylon“ und – weil es wohl so schön war – das Schließen des musikalischen Kreises mit einer weiteren Präsentation von „Mr. Refrigerator“. Gut eineinhalb schweißtreibende Stunden haben Bilderbuch ihr paralysiertes Publikum in Beschlag genommen und souverän bewiesen, dass sie im deutschsprachigen Pop-Markt eine ungefährdete Sonderstellung einnehmen. Das nächste Wiedersehen im Wien wird ein weiterer Karrierehöhepunkt sein – am 24. Mai 2019 vor dem malerischen Ambiente des Schloss Schönbrunns.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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