ÖBB-Chaos

Immer mehr Pendler steigen aufs Auto um

Österreich
12.10.2009 18:20
Finstere Mienen, genervte Blicke auf die Uhr – die Stimmung bei den Pendlern auf dem Bahnhof Matzleinsdorfer Platz in Wien ist Montag früh frostig. Und das liegt durchaus nicht nur am Wetter, sondern an den ewigen Zugverspätungen und dem endlosen Chaos bei den ÖBB. Viele Bahnfahrer steigen daher auf das Auto um.

„Ich hole mir mittlerweile fast schon jeden Tag eine Bestätigung, dass der Zug Verspätung hatte. Sonst bekomme ich Ärger mit meinem Chef“, sagt ein Pendler, der wieder einmal später als geplant aus der S-Bahn aussteigt und schnellen Schrittes davoneilt. Auch bei den anderen Bahnkunden auf dem Wiener Matzleinsdorfer Platz herrscht Einigkeit, wenn es um die ÖBB geht: Alle sind verärgert und total genervt und sehen die täglichen Verspätungen so gar nicht mehr ein.

Spätestens im Dezember droht neuer Ärger
Wegen Bauarbeiten auf der Strecke zwischen Praterstern und Meidling müssen die Pendler nun frühzeitig umsteigen. In einer Woche sollen die Gleise wieder instandgesetzt sein. Doch schon ab Mitte Dezember wartet die nächste Geduldsprobe auf die Bahnfahrer: Für den Bau des Hauptbahnhofes wird der Südbahnhof gesperrt, für die meisten Züge ist dann in Meidling Endstation.

„Produkt Bahn wird heruntergewirtschaftet“
Peter Haibach, Sprecher von „Pro Bahn“, kritisiert das ÖBB-Management: „Derzeit wird das Produkt Bahn heruntergewirtschaftet.“ Was jetzt passiere, sei eine Werbung für die Autoindustrie. Und tatsächlich steigen bereits viele Pendler auf das eigene Fahrzeug um. „Ich bin die ständigen Verspätungen wirklich leid, mit dem Auto bin ich viel schneller“, sagt Gabriele Philippovich, die jeden Tag die Strecke Mödling – Wien zurücklegt. Und eine andere Bahnkundin ergänzt sofort: „Ich kann all jene, die jetzt wieder den Pkw starten, sehr gut verstehen. Schließlich muss man ja pünktlich zur Arbeit kommen.“

Bures fordert mehr Kundenfreundlichkeit
Auch Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) will die Probleme mit den Verspätungen nicht länger hinnehmen. Jetzt sei "das Management gefordert", das dafür sorgen müsse, dass "die Beeinträchtigungen so gering wie möglich gehalten werden" und dass "wieder die Kunden im Mittelpunkt stehen", sagte sie auf einer Pressekonferenz auf der Baustelle des Westbahnhofs in Wien. In Sachen Kundenfreundlichkeit sei bei den ÖBB "noch einiges zu tun".

Die ÖBB wollen derweil mit Info-Kampagnen und Durchsagen auf den Bahnhöfen die Kunden beschwichtigen. Und ab Dezember heißt es: Weniger Züge, aber die sollen dafür pünktlich sein (siehe Infobox). Ob das noch jemand glaubt?

von Doris Vettermann (Kronen Zeitung) und krone.at

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