Fr, 14. Dezember 2018

„Wollte Ruhe haben“

06.03.2018 17:43

Baby zu Tode geschüttelt: Höchststrafe für Vater

Da reißt ein Vater seinen sieben Wochen alten Sohn derart am Fuß, dass der bricht. Er wird rechtskräftig verurteilt, bekommt Kontaktverbot. Doch die Kindsmutter trifft sich heimlich weiter, wird wieder schwanger. Und überlässt ihm sogar die Betreuung des Babys. Er schüttelt die Kleine, bis sie stirbt. Der 29-Jährige wurde am Dienstag im niederösterreichischen Korneuburg zu 15 Jahren Haft verurteilt.

2015 kam es beim Wickeln zum Vorfall mit dem Sohn. Der heute 29-Jährige wurde dafür zu 15 Monaten bedingt verurteilt. Doch er und die heute 28-jährige Kindsmutter trafen sich heimlich weiter, bekamen noch eine Tochter. Von da an ist er regelmäßig im Haus, zuletzt fast täglich. Und übernimmt auch die Betreuung des Babys, bei der er „durchdreht“ und die Kleine schüttelt. Das drei Monate alte Mädchen stirbt sieben Tage später.

„Habe gedacht, ich kann es besser“
„Warum?“, fragt Richter Manfred Hohenecker. Die Antwort: „Weil ich in der Nacht überfordert war. Sie hat viel geschrien. Ich war müde.“ Der Mutter sei es nicht gut gegangen, er sei deswegen immer aufgestanden. „Sie kriegen einen Aggressionsanfall gegenüber einem Baby. Ist das normal?“, fragt Herr Rat. „Nein“, sagt der Angeklagte, „ich wollt nur Ruhe haben.“ – „Warum greifen Sie überhaupt noch einmal ein Kind an?“ – „Weil ich gedacht habe, ich kann es besser.“ Die empfohlene Aggressionstherapie hat er nicht abgeschlossen: „Ich hab gedacht, ich schaff das selbst. Hab ich im Endeffekt nicht.“ Herr Rat darauf: „Sie haben ein Menschenleben ausgelöscht mit Ihrer Selbsteinschätzung.“

Die Kindsmutter weint. Sie glaubte nicht, dass er „seinem eigenen Kind was antut“, sagt sie. „Sie wussten seit 2015, dass der Mann Gift für Kinder ist. Warum geben Sie ihm das Baby?“, will der Richter wissen. – „Weil es seine Tochter war.“ Die Frau wurde wegen Vernachlässigens eines Unmündigen zu drei Jahren Haft, davon zwei bedingt, verurteilt.

29-Jähriger zu Höchststrafe verurteilt
Für den 29-Jährigen setzte es mit 15 Jahren Haft die Höchststrafe für schwere Körperverletzung mit Dauerfolgen bzw. tödlichem Ausgang. In der Begründung verwies Hohenecker auf die einschlägige Vorstrafe. Im Wissen um die vorangegangene Körperverletzung hätte die Kindesmutter ihrem Partner, einem vorbestraften Gewalttäter, ungeachtet des behördlichen Kontaktverbots den Säugling niemals anvertrauen dürfen, meinte der Richter. Die 28-Jährige verzichtete auf Rechtsmittel, der Mann meldete Strafberufung an. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Damit sind beide Urteile nicht rechtskräftig.

Silvia Schober, Kronen Zeitung

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
In der Winterpause
Rapids Bickel kündigt neue Offensiv-Spieler an!
Fußball National
Eklat um Fans
Antisemitisches Lied bringt Chelsea in Bedrängnis
Fußball International
Nach Duell mit Rangers
Schottische Presse lästert: „Langweiliges Rapid“
Fußball International
Rührende Aktion
Freund erzählt blindem Liverpool-Fan live das Tor
Fußball International
Um 1 Monat verlängert
Bundesheer-Spion bleibt in U-Haft!
Österreich

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.