"Geld oder Prügel"

Jugendgangs in Innsbruck - Angst lähmt Opfer

Tirol
05.10.2009 12:19
Immer mehr Jugendliche werden von ihren Altersgenossen in Innsbruck ziemlich massiv bedrängt und müssen ihr Geld und ihre Wertsachen abliefern. Aus purer Angst vor den angedrohten Repressalien wagen es die Opfer meist nicht, Anzeige zu erstatten. Die Polizei ist in diesen Fällen fast machtlos. "Wir wissen teilweise Bescheid, aber ohne Anzeige können wir nicht viel unternehmen", erzählt Chefinspektor Franz Bernsteiner.

Wie am Samstag exklusiv berichtet, kommt es immer öfter zu Ereignissen, die frappant an Mafia-Schutzgelderpressungen erinnern. Einheimische Jugendliche werden von ebenfalls jugendlichen Gangs Bargeld, Handys und Wertsachen abgenötigt. "Gib mir Geld" oder dies oder das lautet die gängige Aufforderung, die von massiven Drohungen, dass es sonst Prügel gäbe, begleitet werden.

Obwohl die solcherart Bedrängten die Angreifer aus Schule und Jugendtreffs kennen, verzichten sie auf eine Anzeige. Meist werden sogar nicht einmal die Eltern darüber informiert. "Wir haben einfach zu viel Angst, denn wir wissen, dass die Angreifer brutal zuschlagen. Das haben wir schon öfter gesehen", gibt ein 15-Jähriger offen zu. Als Haupttäter nennen die Opfer junge Tschetschenen.

Drei Verdächtige kamen ins Gefängnis
Bei der Innsbrucker Polizei sind einige Fälle bekannt. Der drastischste ereignete sich am 12. September: Da überfielen drei Burschen zwei Innsbrucker mit einer Pistole. Beute: 50 Euro und ein Handy. "Die Opfer erstatteten Anzeige und die mutmaßlichen Täter waren rasch ausgeforscht. Es handelte sich um zwei Tschetschenen im Alter von 17 und 18 Jahren sowie einen 17-Jährigen Innsbrucker. Alle drei sind inzwischen in U-Haft", so Kripo-Mann Bernsteiner.

Zivilcourage ist gefragt
Auch eine zweite Gruppe wurde kürzlich ausgeforscht: Ihr gehören drei 15-jährige Österreicher und ein 14-jähriger Tschetschene an. Bernsteiner: "Wir haben die Szene zwar im Auge und kontrollieren jetzt schon verstärkt die neuralgischen Punkte, aber wenn die Opfer keine Anzeige erstatten, sind uns ziemlich die Hände gebunden. Hier ist auch eine Portion Zivilcourage gefragt." Den Straftätern drohe nicht nur Haft sondern – im Fall von Asylanten – der Verlust ihres Status.

von Werner Kriess, Tiroler Krone
Symbolbild

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