30.09.2009 15:22 |

Doku im Kino

"Tortuga": Eine Meeresschildkröte auf Reisen

Sie werden bis zu 50 Jahre und mehr alt, können bis zu 1,10 Meter lang und bis zu 364 Kilogramm schwer werden und beweisen beim Schwimmen mit rund 24 Stundenkilometern einen flotten Flossenschlag unter dem mächtigen Panzer, zu dem ihre Rippen vor Millionen Jahren verwuchsen. Der atemberaubend fesselnde Dokumentarfilm „Tortuga“, ein Unterwasser-Epos von sakral-feierlicher Schönheit, das einen in fantastischen Bildern Demut vor der Natur lehrt, ist der Geniestreich eines langjährigen Regisseurs hochkarätiger BBC-Dokus, Nick Stringer.

Gemeinsam mit zwei der weltbesten Kameramänner, Rory McGuinness und Rick Rosenthal, die mit der neuesten geräuschminimierten und brillanten HD-Technik arbeiteten, nimmt er uns, die Zuschauer, dramaturgisch gekonnt auf die 25-jährige Odyssee  einer Meeresschildkröte mit, die in Florida beginnt, dem Golfstrom folgt und bis nach Afrika führt, um das kluge Reptil dann wieder an seinen Heimatstrand zurückzuführen. Eine Reise, bei der die Meeresschildkröte der Spezies Caretta caretta einem inneren Kompass folgt und den halben Planeten umrundet.

„Die Reise der Pinguine“ lässt grüßen
„Tortuga“ ist ein grandioses Naturschauspiel, das sich in die Reihe  weltweit erfolgreicher Naturdokumentationen wie „Die Reise der Pinguine“ oder „Nomaden der Lüfte“ mit stiller Glorie einfügt, ein Film, der die Ehrfurcht vor der Schöpfung und ihren uralten Geheimnissen  auf überwältigende Weise transportiert. Hannelore Elsner, die charismatisch-sensible und oftmals preisgekrönte Schauspielerin mit samtigem Timbre und der „Leidenschaft für das Unerforschte“, konnte als Erzählerin für diese unglaubliche filmische Reise gewonnen werden.

Doch zurück zu den frisch geschlüpften Winzlingen an der Atlantikküste des US-Bundesstaates Florida, deren allererste Sand-Rallye, belauert von fiesen Fressfeinden wie Krabben und Seevögeln, zum Sprint in die tosende Brandung wird, wo sie, gelenkt von ihrem Instinkt, ihrer Bestimmung entgegenpaddeln. Wenn das Wasser plötzlich kobaltblau schimmert, haben die Unechten Karettschildkröten den Golfstrom erreicht, der von der Karibik bis in den Nordatlantik fließt – eine Art maritimer Highway für viele Meeresbewohner, der viele Futterplätze bereithält. Schwimmende und sehr nahrhafte Seetangflöße werden zum „Kinderzimmer“ für die kleinen Schildkröten, bis sie groß genug sind, um für sich selbst zu sorgen.

Der Ruf des Heimatstrandes
Mit dem Golfstrom erreicht die Caretta caretta rund 4.000 Kilometer nördlich von Florida die Neufundlandbank. In den nährstoffreichen Gewässern der Azorenküste gönnt sie sich eine Verschnaufpause, um dann in karibische Gefilde aufzubrechen, wo sie 15 bis 20 Jahre verbringen wird. Bis, ja bis sie, getrieben von einem inneren Ruf, den ganzen Weg zu ihrem Heimatstrand zurückschwimmt, um dort ihre Eier abzulegen.

Ein magischer Kreislauf unter zum Teil extrem widrigen Umständen, überlebt doch nur eine von 10.000 Unechten Karettschildkröten die Reise durch den Nordatlantik. Neben natürlichen Gefahren wie Haien, Sturmfronten oder polarer Kälte bleiben auch die vom Menschen gemachten nicht außen vor: alles erstickende Ölteppiche, auf offener See entsorgter Müll, geplünderte, leer gefischte Gebiete, riesige Fangnetze und mörderische Langleinen und der Klimawandel gefährden den Lebensraum der schwimmenden Vagabunden.

In den Millionen Jahren, die sie nun schon die Ozeane durchstreifen, um über 10.000 Kilometer zurückzulegen, hat ihre Spezies alle Gefahren überlebt. Doch die nächsten Jahrzehnte könnten den Meeresschildkröten zum Verhängnis werden.

von Christina Krisch, Kronen Zeitung

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