Falsche Abrechnung

Villacher Arzt zockt Millionen ab

Österreich
01.07.2009 15:33
Eine Millionenbetrugsaffäre erschüttert die Kärntner Ärzteschaft: Ein Villacher Neurologe wurde ausgerechnet von seinen eigenen Patienten überführt, völlig falsche Abrechnungen gemacht zu haben. So soll der Mediziner angegeben haben, bis zu 60 Stunden am Tag gearbeitet zu haben. Dadurch habe er pro Jahr um 800.000 Euro mehr eingestreift als seine Kollegen. Die Gebietskrankenkasse und der Staatsanwalt ermitteln.

Ein praktischer Arzt verrechnet der Kärntner Gebietskrankenkasse pro Jahr durchschnittlich rund 160.000 Euro. Ein Facharzt will 244.000 Euro, ein Gynäkologe 180.000 Euro, ein Internist 368.000 Euro, ein Neurologe 300.000 Euro. Alles nichts gegen einen Villacher Psychiater. Dieser legte Abrechnungen von über 1,1 Millionen Euro vor! „Laut seiner Aufstellung hatte er Arbeitstage von 23, 28, ja sogar 60 Stunden“, berichtet der Direktor der Kärntner Gebietskrankenkasse, Alfred Wurzer. „Ein Ding der Unmöglichkeit.“

Patient beschwerte sich 
Wie diese Unmöglichkeit aber längere Zeit nicht entdeckt werden konnte, muss geklärt werden. Denn aufgeflogen ist der Fall durch Beschwerden von Patienten selbst, die auf den Leistungsnachweisen der GKK Unregelmäßigkeiten entdeckt hatten. So hatte ein Kärntner seine Mutter zum Arzt chauffiert – und musste dann feststellen, dass für ihn auch gleich eine Ordination abgerechnet worden war.

„Unsere Analyseprogramme werden immer exakter. Alle Verdachtsmomente zusammen haben dann zur Überprüfung der Praxis geführt“, sagt Wurzer. Der Schaden, den der Mediziner angerichtet haben soll, wird auf mehr als eine Million Euro geschätzt. „Wir ermitteln daher wegen Betrugsverdachts“, so Staatsanwalt Helmut Jamnig.

Dass die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wird, ist in Kärntens Medizinerkreisen doch eher selten, wie auch GKK-Chef Wurzer zugeben muss: „Es gibt schon mehrere Fälle, wo wir mit einigen unserer 600 Vertragsärzten über ihre Abrechnungsmodalitäten reden müssen. Aber das meiste lässt sich dann doch recht einfach aufklären.“ 

Villacher nur mehr Wahlarzt
Nicht mehr freundlich sei aber die Atmosphäre mit dem betroffenen Neurologen; auch bei einem Zahnarzt gäbe es Probleme. „Wenn die Einsicht fehlt, dann wird es schwierig.“ Der Psychiater arbeitet mittlerweile nur noch als Wahlarzt. Kommt es zum Strafverfahren und zu einer Verurteilung, dürfte seine Karriere ruiniert sein. Vorerst gilt für den Mann aber natürlich die Unschuldsvermutung.

von Kerstin Wassermann (Kärntner Krone) und kaerntnerkrone.at
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