Erstes Interview

Achtlingsmutter: "Ich hatte keine Kindheit"

Ausland
07.02.2009 16:39
Nadya Suleman, die mittlerweile weltbekannte Achtlingsmutter aus Südkalifornien, hat ihr Schweigen gebrochen und ihr erstes Fernseh-Interview gegeben. "Ich hatte keine Kindheit", erzählt Suleman (li.), warum sie sich immer nach einer großen Familie sehnte. Sie habe versucht, die Erfahrungen als Einzelkind mit der Nähe wettzumachen, die ihre eigenen Kinder ihr bringen könnten, erklärte die 33-Jährige, die bereits aus dem Spital entlassen wurde, in dem Gespräch mit dem TV-Sender NBC.

Die 33-Jährige, die bereits sechs weitere Kinder im Alter von zwei bis sieben Jahren hat, sagte, alle Schwangerschaften seien durch künstliche Befruchtung entstanden. Samenspender sei "ein Freund" gewesen. Vor ihrem ersten Baby, dessen Geburt Nadya Suleman als "das schönste Erlebnis meines Lebens" beschreibt, hatte die 33-Jährige bereits dreimal versucht, schwanger zu werden. Sie erlitt dabei zwei Fehlgeburten.

Der Fall Suleman wurde in den letzten Tagen von der Öffentlichkeit zunehmend kritischer beurteilt. So brach etwa eine heftige Bioethik-Diskussion in der Ärztewelt aus. "Welcher Arzt ermöglicht einer sechsfachen Mutter eine Hormontherapie und künstliche Befruchtung?", fragten sich US-Mediziner. Dass Suleman im März 2008 Privatinsolvenz mit fast einer Million Dollar Schulden angemeldet hatte, führte bizarrerweise dazu, dass bisher keine Spenden aus der Bevölkerung oder von Unternehmen die 14-fache Mutter erreichten. In den USA stürzen sich etwa Erzeuger von Babynahrung und Windeln meist als Erste zu PR-Zwecken auf Mehrlingseltern. Doch die scheinbare Unverantwortlichkeit der 33-jährigen Singlemutter, machte die Amerikaner skeptisch.

Zeitgleich mit dem Interview publik gemachte Krankenakten der 33-Jährigen zeichnen jetzt ein differenzierteres Bild der Frau - und ein fast schon tragisches Schicksal. Suleman war vier Jahre glücklich verheiratet, bis sie 1999 in ihrem Job als Pflegerin in einer Anstalt für Geisteskranke bei einer Gefängnismeute schwer verletzt wurde. Ein tobender Insasse, den die Pfleger fixieren sollten, stieß die junge Frau zu Boden und fügte ihr einen massiven Wirbelsäulenschaden zu. Suleman erlitt ein psychisches Trauma, kündigte und wurde zwischenzeitlich mit Antidepressiva behandelt. Ihre Ehe, die bis dahin trotz aller Bemühungen kinderlos geblieben war, zerbrach im Jahr 2000. Suleman, die laut eigenen Angaben emotionalen und finanziellen Rückhalt ihrer Familie genießt, gründete ihre "happy family", nach der sie sich schon als Kind sehnte, kurzerhand alleine.

NBC strahlte am Donnerstag nur erste Ausschnitte des Interviews aus, die volle Fassung kündigte der Sender für Montag an.

"Kein Geld im Spiel"
Über eine mögliche Bezahlung für das Interview wurden keine Angaben gemacht. "Das betrifft nur sie und den Sender", sagte ihre Sprecherin der "Los Angeles Times". NBC-internen Kreisen zufolge ist "kein Geld im Spiel". Nach früheren US-Medienberichten hat die Mutter von insgesamt vierzehn Kindern aber bereits lukrative Angebote für Interviews, Buch-Deals und sogar eine eigene Talkshow erhalten. "Daran ist sie im Moment nicht einmal im entferntesten interessiert", zitiert die Associated Press Jessica Zepeda, Sulemans Sprecherin. "Ich finde es beschämend, dass in den letzten Tagen so viel Negatives über sie verbreitet wurde", kritisierte Zepeda entsprechende US-Berichte, in denen unter anderem auf angebliche charakterliche Defizite der 33-Jährigen eingegangen wurde. Das Interview gab die 14-fache Mutter offenbar vor allem, um diesen Berichten entgegenzuwirken.

Ihre Mutter, Angela Suleman, sagte: "Sie ist ein freundlicher Mensch, den man schnell ins Herz schließt. Ich finde, sie ist ganz normal - bis auf ihre Kinder-Versessenheit vielleicht." Laut Suleman war ihre Tochter auch nicht arbeitslos, wie es in ersten Berichten hieß. Sie bezog aufgrund ihrer Verletzung - in den Patientenakten ist von "annährend chronischen Schmerzen" die Rede - eine kleine Invalidenrente, die laut Suleman etwa 25.000 Dollar pro Jahr, Therapiekosten inklusive, ausmachte. Bevor sie mit den Achtlingen schwanger wurde, studierte Suleman an der California State University, wo sie nach ihrem krankheitsbedingten Ausstieg aus der Arbeitswelt einen Bachelor in Kinderpädagogik erwarb.

Kinder laut Ärzten in stabilem Zustand
Die Achtlinge waren am 26. Jänner per Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Es war erst der zweite Fall weltweit, in dem alle acht Kinder lebend geboren wurden. Die Babys wogen bei der Geburt zwischen 680 und 1.475 Gramm und sind weiterhin im Krankenhaus in Bellflower, aus dem die Mutter jetzt entlassen wurde. Den Ärzten zufolge sind die Kinder in einem stabilen Zustand, atmen ohne fremde Hilfe und trinken Muttermilch.

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