"KulturSchock Tuareg" heißt es. In unseren Breiten gibt es wohl keinen, der profunder über jene Gegend Bescheid weiß, in der das Salzburger Paar Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner acht Monate lang in Geiselhaft war. "Steirerkrone"-Reporter Werner Kopacka hat ihn dazu befragt.
Natürlich freut sich das Land über die Freilassung der beiden. Zugleich drängt sich aber immer noch die Frage nach dem "Wie" auf. Wurde Lösegeld bezahlt?
"In irgendeiner Form ganz sicher. Es wäre naiv, anzunehmen, dass selbst ernannte Gotteskrieger Geiseln für Gottelslohn frei lassen. Es könnte sich aber auch um eine reine Geldbeschaffungsaktion von Banditen handeln, andererseit schließe ich auch nicht aus, dass der algerische Geheimdienst und vielleicht sogar die USA die Finger im Spiel haben könnten. Mit dem Ziel zu beweisen: Seht alle her, in der Sahara gibt es böse Al-Kaida-Terroristen und die Welt braucht uns als Beschützer."
Von offizieller österreichischer Seite her wird man nicht müde zu betonen, dass kein Geld geflossen ist (siehe Video in der Infobox). Wird da schamlos gelogen?
"Lügen ist wohl ein zu starkes Wort. Es handelt sich um Diplomatie, Taktik oder wie man es auch immer nennen mag. Ein Staat darf eine Lösegeldzahlung niemals öffentlich zugeben, sonst wird er erpressbar. Dann kommt gleich die nächste Terror- oder Banditengruppe und schnappt sich wieder einen Österreicher - weil die ja bereits einmal gezahlt haben und es wohl wieder tun werden."
Hat unsere Regierung wirklich alles menschenmögliche getan, um die beiden Geiseln zu befreien?
In der Sahara leben Menschen, die viel Zeit haben - bei uns hat man es immer eilig. Wer als Europäer zu rasch zu viel Druck ausübt, hat keine Chance. So gesehen war die Strategie der Österreicher richtig. Verhandeln, palavern. Damit steigert sich die Überlebenschance der Gefangenen. Auch das viel mächtigere Deutschland hat 2003 fünf Monate lang gebraucht, um eine entführte Touristengruppe auf dem Verhandlungsweg frei zu kriegen."
Sind Individualreisen in die Sahara grundsätzlich gefährlich - welche Tipps können Sie Abenteurern geben?
Die Sahara ist mit zehn Millionen Quadratkilometern so groß wie ganz Europa. Derzeit gelten der Norden des Niger und der Nordosten Malis wegen der Tuareg-Rebellionen, dazu die Westsahara, der Tschad und der Südsudan als kritische Gebiete. Marokko, Libyen und Tunesien - nördlich des militärischen Sperrgebietes - sowie weite Teile Algeriens gelten als relativ sicher. Aber mit einem teuren Geländeauto fällt man überall auf und gilt in den armen Ländern als sehr reich. Keinesfalls soll man mit Besitztum protzen und auf gar keinen Fall illegale Strecken befahren. Am besten ist es, wenn man einheimische Führer anheuert - damit kauft man auch den Schutz ihrer Netzwerke."
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