Für die verdeckte Mission wird Ferris nach Amman geschickt. Ein junger, enthusiastischer Alpha-Wolf, der seine Identität so nonchalant zu wechseln hat wie seinen arabischen Akzent, ob er nun undercover im Einsatz ist oder als amerikanischer Banker getarnt auftritt. Dass sich Ferris in Aisha - Golshifteh Farahani -, eine faszinierende Frau mit iranischen Wurzeln, die in einem Flüchtlingslager ihren Krankenschwesterpflichten nachkommt, verliebt, ist nicht minder ungefährlich, fordern die strengen Sitten der orientalischen Kultur doch absolute Distanz zwischen unverheirateten Frauen und einem Mann, der noch dazu ein Fremder und Amerikaner ist...
„Nur Informationen sind Macht“
Mit Leonardo DiCaprio und Russell Crowe spannt Regisseur Ridley Scott ein Dream-Team vor seinen actionreichen, virtuos inszenierten Antiterror-Thriller „Body of Lies – Der Mann, der niemals lebte“. Das Drehbuch nach einem Roman von David Ignatius adaptierte William Monahan („The Departed“). Ignatius, der zehn Jahre lang beim „Wall Street Journal“ für die CIA und den Nahen Osten zuständig war, und dann zur „Washington Post“ wechselte, bringt es auf den Punkt: „Macht wird heutzutage nicht nach Waffen oder Technologien beurteilt, sondern anhand entscheidender Informationen. Sie sind der Schlüssel, um ein Land, eine Kultur und letztlich den Feind zu infiltrieren. Im Grunde läuft es im Spionagegeschäft ähnlich wie im Journalismus: Man muss Informanten aufspüren, ihr Vertrauen gewinnen und sie dann aus der Reserve locken.“
Crowe mit angefuttertem Schwimmreifen
Nach „Gladiator“, „Ein gutes Jahr“ und „American Gangster“ beweist Oscar-Preisträger Russell Crowe – ganz skrupelloses Superhirn mit Drehbuch-ident dick angefuttertem Schwimmreifen – „seinem“ Regisseur Scott einmal mehr, dass er völlig zu der Figur wird, die er spielt. Leonardo DiCaprio, ein Bewunderer des Politthrillers der 70er-Jahre wie etwa „Die drei Tage des Condors“, hat es da aufgrund seiner einprägsamen Physiognomie einen Deut schwerer. Und er ist sich bewusst, dass es der Film „Body of Lies“ an den US-Kinokassen schwer haben wird – wegen der Art, wie die amerikanische Regierung und ihre Außenpolitik hier dargestellt werden, setzt aber nach: „Solche Gedankenspiele haben mich noch nie davon abgehalten, in ein überaus interessantes Projekt einzusteigen! Zudem ist Terrorbekämpfung ein Thema, das nach dem Ende des Abspanns nicht gleich wieder vergessen ist!“ Der von Scott geforderte Realismus bedeutete auch, dass DiCaprio Arabisch lernen musste. Eine aus vielen Kehllauten bestehende linguistische Herausforderung, die der 33-Jährige mit einem Sprach-Coach brillant zu meistern wusste.
Hollywoodstar und Umweltaktivist
Leonardo DiCaprio, Hollywoodstar und Umweltaktivist. Dass es ihm todernst ist mit dem Thema Umweltschutz, bewies er mit seinem Öko-Dokumentarfilm „The 11th Hour“ (er selbst tritt nur als Erzähler in Erscheinung), den er bei den Filmfestspielen in Cannes 2007 präsentierte, und für den er den Kult-Physiker Stephen Hawkins und Ex-Kremlchef Michail Gorbatschow gewinnen konnte. Ein aufrüttelnder Beitrag, ganz im Fahrwasser von Al Gores Klimawandel-Doku „An Inconvenient Truth“, der die persönliche Verantwortung noch vor die politische stellte. Und ein Bußgang zugleich, war Leonardo DiCaprio doch während der Dreharbeiten zu „The Beach“ von thailändischen Umweltschützern heftig attackiert worden: Ein Teil des paradiesischen Palmensaumes auf dem Phi-Phi-Eiland sollte der Set-Gestaltung zum Opfer fallen. Auch sein Privatjet wurde Leo giftig vorgehalten, so wie Al Gore der beheizbare Außenpool auf seinem privaten Anwesen und dessen romantisch glimmende Lichterketten-Weihnachtsbeleuchtung zum Verhängnis wurden.
Mittlerweile wird DiCaprio, der kontroverseste Schauspieler seiner Generation, der erst die weltweite „Titanic“-Hysterie knapp 25-jährig und völlig durchnässt überstand, um dann von Scorsese („Gangs of New York“, „The Departed“, „The Aviator“) in den Filmhimmel gehoben zu werden, in seinem „grünen Bestreben“ ernst genommen. Ginge es nach ihm, könnte schon lange ein Gros der amerikanischen Haushalte mit Sonnenenergie und Windkraft beheizt werden. Leonardo DiCaprio: „Eines muss uns klar sein: Wir wählen nicht nur an der Wahlurne. Wir wählen jedes verdammte Mal, wenn wird für etwas bezahlen. So diktieren wir den Unternehmen ihr Geschäft – ob es gut ist für die Umwelt oder nicht. Nur wenn wir uns ändern, wird sich nach und nach auch die Welt ändern.“ Ein nachdenklicher Star.
Von Christina Krisch, Kronen Zeitung
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