Seit dem Austritt aus der FPÖ in Folge der Affäre um Jugendfotos von FPÖ-Chef Strache bei militärisch anmutenden "Waldspielen" war es ungewöhnlich still um den wortgewaltigen Stadler geworden. Dass er nun wieder in Erscheinung tritt, überrascht nicht wirklich, in welcher Funktion hingegen schon. Immerhin hatte der gebürtige Vorarlberger nach der BZÖ-Abspaltung 2005 nur Spott für die Orangen übrig. Das lässt vermuten, dass seine jetzige Motivation nicht nur die "Strahlkraft" Haiders, sondern auch eine Revanche an Strache sein könnte.
Als "katholischer Mulah" gefeuert
Begonnen hatte der Bruch mit der FPÖ nach Stadlers Demontierung als Chef der Freiheitlichen Akademie. Der FPÖ-Parteiführung unter Strache war wohl Stadlers katholisch-konservatives Treiben dort nicht ganz geheuer: Man warf ihm vor, ein "katholischer Mullah" zu sein. "Ganz zufällig" tauchten wenig später Fotos aus Straches Jugendzeiten auf, die den Parteichef bei wehrsportähnlichen "Waldspielen" zeigten. Stadler will die Fotos nur bekommen und an den blauen Bürgeranwalt Hilmar Kabas weitergeleitet haben. Wie sie schlussendlich in die Medien gelangten und somit zum Problem für Strache wurden, ist ihm selbst schleierhaft, sagt er.
Stadler wurde die Bildergeschichte jedenfalls heimgezahlt. Nach Straches Fotoalbum waren plötzlich ein wenig skurrile Fotos in Medien zu sehen, die Stadler in einer Kutte des erzkonservativen Mercedarier-Ordens zeigten. Dass das Verhältnis danach nicht mehr zu kitten war, überraschte wenig. Eine Art Versöhnung unter "Parteifreunden" auf Vermittlung des EU-Abgeordneten Andreas Mölzer gab es noch. Dann war aber wirklich Schluss mit lustig. Stadler musste die Partei verlassen. Im Parlament war er geblieben. Er durfte auch im Eurofighter-Untersuchungsausschuss verweilen, wo es sich mit Vorliebe Schreiduelle mit der nunmehrigen Innenministerin Maria Fekter (V) lieferte, die so weit gingen, dass Stadler sich fragen musste, ob Fekter denn "besessen" sei.
Beginn in der Gemeindepolitik
Die Politkarriere des ehemaligen Volksanwalts begann in seiner Heimatgemeinde Mäder in Vorarlberg, wo er sich im Alter von 24 in der Gemeindepolitik zu engagieren begann. 1989 ging es weiter in den Vorarlberger Landtag, 1991 wurde er dort Klubobmann der Freiheitlichen. Nach der Nationalratswahl 1994 zog der studierte Jurist als Abgeordneter ins Parlament ein. 1996 wurde er an der Seite Haiders zum geschäftsführenden Klubchef und bekam den Spitznamen "Dobermann". Im April 1999 war es mit der Karriere des mehrfachen Familienvaters auf Bundesebene dann fürs Erste vorbei. Er wechselte in die niederösterreichische Landesregierung.
Scharfzüngiger Kritiker
Nach der schwarz-blauen Wende im Jahr 2000 gefiel sich Stadler dann als scharfzüngiger Kritiker der damaligen FPÖ-Führung um Susanne Riess-Passer. Um ihn ruhig zu stellen, verschaffte ihm die damalige Vizekanzlerin einen Job in der Volksanwaltschaft. Das war nicht unumstritten, denn Stadler, der Mitglied der akademischen Sängerschaft Skalden ist, hatte mit kontroversiellen Äußerungen zur NS-Zeit immer wieder für Aufsehen gesorgt. Am Auffälligsten in diesem Bereich war wohl seine Aussage, wonach Österreich 1945 nur "angeblich" vom Faschismus befreit worden sei. Als Volksanwalt fiel er derart nicht auf.
Sein rhetorisches Können nutzte er nicht nur bei der Volksanwalt-Fernsehsendung, sondern auch beim Delegiertentreffen von Knittelfeld, das letztlich Riess-Passer in die Knie zwang und die FPÖ in den Keller der Wählergunst. Damals war Stadler noch großer Haider-Fan, was sich etwa darin manifestierte, dass er Mit-Begründer des "Club Jörg" wurde. Dort tritt er nun wieder - "parteifrei und unabhängig" - bei.
FPÖ höhnt über Stadlers BZÖ-Kandidatur
Interessant findet es Kickl nun, zu beobachten, wie sich die Zusammenarbeit "dieser beiden nicht gerade teamfähigen Personen" entwickeln werde. Ein Kartenhaus auf einem wackligen Biertisch an einem windigen Tag sei dagegen geradezu ein stabiles Gebäude, so der Generalsekretär.
Rauter für Zusammenarbeit zwischen Haider und Strache
Für eine Zusammenarbeit zwischen Haider und Strache spricht sich unterdessen der ehemalige burgenländische FPÖ-Obmann Wolfgang Rauter aus. Beide sollten "persönliche Animositäten" hintanstellen und gemeinsam antreten - "mit Strache als Spitzenkandidat und Haider als Bundeskanzlerkandidat", schlug Rauter, Mitbegründer und Sprecher der Plattform Freier Bürgerlisten im Burgenland, in einer Aussendung vor. "Ein Bündnis mit Haider und Strache würde eine Stimmungslage erzeugen, welcher SPÖ und ÖVP nichts entgegenzusetzen hätten", argumentierte der frühere FPÖ-Politiker.
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