Herr Landeshauptmann-Stellvertreter, sind Sie eine Alternative zu Franz Voves?
"Das werden die Wähler entscheiden. Aber ich sag Ihnen: Meine Batterien sind voll, ich bin gut drauf und auf dem Weg zur Nummer eins, das spür ich - und ich will noch sehr viel tun fürs Land."
Parteifreunde streuen Zwietracht, heizen die Obmanndiskussion mit Namen (Grillitsch, Bartenstein) an. Sind Sie unumstritten?
"Ja. Und ich bin überzeugt, dass es keinen Widerstand gibt, denn das hätte ich gemerkt. Ich hab 14 Bürgermeisterkonferenzen hinter mir, und die Leute haben das Ohr am Volk. Da bekommt man einiges mit. Die Stimmung ist gut."
Obwohl die Umfragen positiv ausschauen: Die ÖVP wirkt, als hätte sie das Trauma der Wahl 2005 noch immer im Kopf.
"Da muss ich energisch widersprechen. Wir haben unsere Lektion gelernt. Wir sind nicht schwächer, sondern innerlich stärker geworden! Wir wissen, was es heißt, den Krieg im eigenen Haus zu haben. Den Bruderzwist hat jetzt die SPÖ - also Flecker gegen Voves. Der geht im Moment für Flecker aus, und sowas gefährdet große Projekte, siehe Ö-Ring."
Früher gab es Paierl, Hirschmann, Sie - eine starke Truppe, die Landesmutter Klasnic politisch freigespielt hat. Stehen Sie jetzt nicht oft allein auf weiter Flur?
"Noch ein energisches Nein. Mit Kristina Edlinger haben wir eine exzellente Verkehrslandesrätin, mit Hans Seitinger einen Top-Agrarier, mit Christian Buchmann einen Mann jungen Zuschnitts. Wir haben die alte Steiermark hinter uns, bauen eine neue Steiermark. Die SPÖ zeigt uns ja täglich, was die alte Steiermark ist."
Es ist nicht gerade ein herzliches Verhältnis, das Sie zu Franz Voves pflegen - was hat Sie zur Aussage getrieben, er sei wortbrüchig?
"Ich bin weit davon entfernt, persönliche Befindlichkeiten auszuspielen. Aber die Voves-SPÖ hat den Streit zum Prinzip erhoben. Der Landeshauptmann hat nicht nur mir gegenüber, sondern den Wählern gegenüber Wortbruch betrieben; man denke nur an Strompreis und Managergehälter. Das zeigt, dass an der obersten Spitze die Handschlagqualität verloren gegangen ist. Sowas kommentiere ich nicht mit Schadenfreude, das ist furchtbar für ein Land!"
Der Landeshauptmann will neu wählen lassen, falls das Budget platzt. Fürchtet sich die ÖVP davor?
Wir sind gewählt, um zu arbeiten. Das Land zuerst. Wenn Voves nicht mehr kann oder will, soll er es sagen. Ich habe keine Angst vor Neuwahlen - und ich halte es für zynisch, es nicht auszusprechen. Voves hat Wahlen dreimal gefordert, so kann man ein Land nicht führen. Er soll auf den Tisch legen, was er will. Das Budget platzen zu lassen und dann zu sagen, man hat ja nicht anders können, ist unehrlich und feig."
Werden Sie nächster Landeshauptmann?
"Das werden die Wähler entscheiden."
Wann deklarieren Sie sich?
"Ich werde am 18. Oktober sagen, wer in die Wahl geht. Ich sag' nicht, ich und sonst niemand. 2005 haben mich alle flehentlich gebeten, es zu tun. Franz Wegart, mein politischer Ziehvater, hat zu mir gesagt: Junger Mann, einem Einberufungsbefehl hat man Folge zu leisten. Als einer aus dem Volk habe ich meine Chancen nützen können, ich hab ja nicht studiert, sondern Kaufmann gelernt. Aber ich hatte das Glück einer tollen Laufbahn - ich möchte was zurückgeben."
ÖVP und Grüne koalieren in Graz - auch eine Option auf Landesebene?
"Die SPÖ in Land und Bund zeigt, dass sie mit den Grünen nicht will. Schwarz-Grün ist eine Option, ich habe da keine Berührungsängste. Ich will die Grünen nicht umarmen und auch mit der SPÖ zusammenarbeiten. Aber die ist jetzt in einer führungslosen Phase, und dann wirds schwer."
Haben Sie wie Klasnic vor der 2005er-Wahl (Ö-Ring, Herberstein, ESTAG) auch noch Leichen im Keller?
"Nein! Herberstein hat eine neue Dimension, da läuft jetzt alles gut. Spielberg ist zwar auf Reihe, doch wenn die SP so weitermacht, könnte Gefahr in Verzug sein. Im Energiebereich treten wir auf der Stelle. Mein Ziel ist, die Steiermark zur lebenswertesten und innovativsten Region zu machen. Dazu ist Klimaschutz enorm wichtig."
Sie sind das, was man einen Berufspolitiker nennt. Spüren Sie noch, wo die Menschen der Schuh drückt?
"Ich spür's, weil ich Sprechtage mache. Zuletzt 12 Stunden am Tag. Da höre ich mir die Sorgen der Menschen genau an und versuche, so es mir möglich ist, zu helfen. Daher rührt auch mein Kampf um den Mindestlohn von 1.000 Euro. 1984 habe ich 7.000 Schilling verlangt - und dafür auch von der ÖVP meine Tetschn kassiert."
Die unvermeidliche Frage: Wo sehen Sie sich 2010?
"Ich werde an der Spitze der steirischen Volkspartei stehen - und wer weiß, wo sonst noch überall. Ich kämpfe mich Millimeter um Millimeter voran, ohne dafür Bocksprünge machen zu müssen. Und ich will, dass jemand an der Spitze steht, für den Handschlag und Verlässlichkeit zählen, das haben sich die Menschen und das Land verdient!"
Hermann Schützenhofer auf einen Blick
1952, am 29. Februar geboren in Edlitz.
1967 Kaufmannslehre in Kirchbach/Raab.
1976 Obmann Junge ÖVP.
1978 Sekretär ÖAAB.
1979 Kammerrat.
1981 Landtagsabgeordneter.
1991 Geschäftsführender Landesobmann ÖAAB.
1994 Klubobmann im Landtag.
1995 Landeschef ÖAAB.
2000 Landesrat zuständig für Personal, Jugend, Schulen, Wohnen.
2003 Landesrat Personal, Tourismus, Sport.
2005 Erster Landeshauptmann-Stellvertreter, zuständig Gemeinden, Tourismus, Volkskultur.
Seit 2006 Landesparteiobmann der Steirischen Volkspartei.
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