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04.12.2016 - 23:10
Foto: Peter Tomschi

"Hören jetzt alle Männer auf Ihr Kommando?"

05.04.2014, 16:30
Andrea Leitgeb ist Österreichs erste Generalin beim Bundesheer: Im Interview mit Conny Bischofberger spricht die 51-jährige Tirolerin über Pionierinnen, wechselnde Verteidigungsminister und ihre Phobie.

Heeresspital Van Swieten- Kaserne in Wien- Stammersdorf: Das Büro von Brigadier Leitgeb sieht eher wie ein Wohnzimmer aus. Eine gemütliche Sitzecke mit einer Fahne vom Golan, Zimmerpflanzen, Urlaubsposter, Souvenirs. Der Drucker steht auf einem Tischerl, das mit einem bunten Stoff aus Südafrika verhüllt ist. "Ich reise wahnsinnig gerne", sagt sie (unverheiratet, keine Kinder).

Frau General trägt Brille, einen olivgrünen Kampfanzug 03, dazu schwarze Feldstiefel. Auf ihrem Revers sitzt die goldene Äskulapnatter – die gebürtige Innsbruckerin ist Fachärztin für Allgemeinchirurgie. Das Blau ihrer Calvin- Klein- Uhr passt zum Farbton ihres Lidschattens.

Von einem "historischen Tag" sprach Verteidigungsminister Klug, als er die 51- Jährige vergangenen Montag zur Kommandantin der Sanitätsschule ernannte und sie gleichzeitig zum Brigadier beförderte (der niederste von vier Generalsrängen beim Bundesheer).

"Krone": Wie will die erste Frau im Generalsrang angesprochen werden?
Andrea Leitgeb: Gehören würde sich "Frau Brigadier". Aber natürlich werden manche auch "Frau General" zu mir sagen.

"Krone": Also, Frau Brigadier: Ist Ihrer Meinung nach feministische Begeisterung angebracht, wenn das Bundesheer erstmals eine Frau in den Generalsrang befördert?
Leitgeb: Feministische Begeisterung wäre vielleicht übertrieben, aber ich bin durchaus stolz, dass ich eine Vorreiterin sein darf. Dass ich jetzt Kommandantin der Sanitätsschule bin, sehe ich als Symbol für Frauen.

"Krone": Sollte das nicht ganz normal sein?
Leitgeb: Generell ja. Ich glaube, dass die Gesellschaft sich daran gewöhnt hat, dass Frauen in hohen Positionen sind. Meine Bestellung sehe ich als Symbol für die Offenheit des Bundesheers. Jede Frau kann hier Karriere machen. Heutzutage ist es ja nicht mehr so leicht, gerade jeden Job zu bekommen, da bietet das Bundesheer in vielen Berufssparten gute Chancen – und, wie man sieht, auch Aufstiegschancen. Fachliche Qualifikation hat aber nichts mit Mann oder Frau zu tun. Man muss gut ausgebildet sein, fleißig sein, die Arbeit lieben und auch ab und zu Opfer für seine Arbeit bringen...

"Krone": Dann müsste es aber – pardon - viel mehr Frauen in Führungspositionen geben...
Leitgeb: Es gibt erst seit 16 Jahren Frauen beim Heer, und deshalb dauert es für uns länger. Aber auch die Männer werden ja nicht von heute auf morgen Brigadier.

"Krone": Wie sind Sie so weit gekommen?
Leitgeb: Eine Studienkollegin von mir war beim Heer – sie war eine der ersten Frauen, die eingerückt ist. Wir haben uns nach langer Zeit wieder getroffen. Sie hat mir viel von ihren internationalen Einsätzen erzählt. Und ich reise für mein Leben gern. So kam es, dass ich mit 38 meine Grundausbildung gemacht habe – genau so wie jeder normale Rekrut.

"Krone": Sie sind seit Montag nicht nur Kommandantin der Sanitätsschule, sondern auch Brigadier: Müssen jetzt alle Männer auf Ihr Kommando hören?
Leitgeb: (lacht) Ich arbeite ja schon seit 2004 hier, wir sind seit Langem ein Team, hier stehen wirklich alle hinter mir... Dass ich jetzt auch Brigadier bin, ist sicher was Neues, aber ich glaube, das ist für die Soldaten kein Problem. Sie kennen mich ja als Mensch, sie wissen, was ich kann und wie ich arbeite. Da wird sich nichts ändern.

"Krone": Aber jetzt muss jeder salutieren...
Leitgeb: Ja – wenn man aneinander vorbeigeht, muss derjenige, der den niedrigeren Rang hat, salutieren, und ich salutiere zurück. Außer ich bin grad mit drei Taschen unterwegs. Dann nicke ich mit dem Kopf.

"Krone": Genießen Sie das?
Leitgeb: Das ist einfach Usus beim Heer. Es muss einfach eine Hierarchie geben. Stellen Sie sich einen Katastropheneinsatz vor, bei dem keiner den Ton angibt. Das funktioniert nicht.

"Krone": Hilft Ihnen Ihre Größe von 1.81 Metern?
Leitgeb: Vielleicht schon... Wenn eine Frau sehr groß ist, denken die meisten: Die hält alles aus, die ist stark, die hat vor nichts Angst.

"Krone": Denken sie da bei Ihnen falsch?
Leitgeb: Ja... Ich habe sehr wohl meine Ängste. Zum Beispiel vor Spinnen.

"Krone": Würden Sie sagen, dass Sie eine Emanze sind?
Leitgeb: Nein. Ich bin wirklich eine ganz normale Frau, die gute Freunde hat, die gerne kocht, die gerne ins Kino geht, die es sich zu Hause vor dem Fernseher gemütlich macht, die manchmal traurig ist und manchmal überglücklich – so wie jetzt. Aber ich bin gerne Frau, und mit den männlichen Kollegen komme ich sehr gut aus.

"Krone": Wie viele Verteidigungsminister haben Sie in Ihrer Karriere beim Heer schon erlebt?
Leitgeb: Herbert Scheibner, Günther Platter, Norbert Darabos und jetzt Gerald Klug. Ich habe ihn erst am Montag kennengelernt. Er hat gemerkt, dass ich sehr nervös bin. Da hat er mir die Hand gereicht und gemeint: "Das machen wir ganz locker." Ein sehr sympathischer Mensch.

"Krone": Im Jänner 2013 wurde in Österreich eine Volksbefragung zur Wehrpflicht durchgeführt. Wie haben Sie gestimmt?
Leitgeb: Dazu möchte ich nichts sagen... Nur so viel: Wir haben den Wehrdienst wirklich attraktiver gemacht. Hier an der Sanitätsschule zum Beispiel werden Grundwehrdiener zum Rettungssanitäter ausgebildet, wir haben vier Kurse im Jahr. Nach sechs Monaten haben die jungen Rekruten eine fertige Berufsausbildung.

"Krone": Ihre flammende Antwort lässt darauf schließen, dass Sie pro Wehrpflicht gestimmt haben...
Leitgeb: Das ist aber meine Privatsache.

"Krone": Finden Sie es gerecht, dass junge Männer Wehrdienst leisten müssen, junge Frauen aber nicht?
Leitgeb: Ungerecht würde ich es nicht nennen. Ich denke, es braucht einfach seine Zeit, bis so etwas politisch ausgearbeitet ist und bis die Entscheidung getroffen wird.

"Krone": Aber wird die Wehrpflicht für alle kommen?
Leitgeb: Kann ich nicht sagen, weil ich in solchen Gremien nicht sitze. Das ist Politik und hat mit meinem Berufsfeld nichts zu tun.

"Krone": Was wollen Sie in einem Jahr erreicht haben?
Leitgeb: Dass das Schiff wieder unter gutem Wind fährt. Wir befinden uns im Zuge der Einsparungsmaßnahmen in einer Umgestaltungsphase, wo wir uns neu organisieren müssen. Trotzdem möchte ich einen Schulterschluss mit unseren Rettungsorganisationen schaffen und unsere internationalen Beziehungen – etwa mit der EU- Battlegroup – erweitern. Ich habe viel vor.

"Krone": Wie lange wird es dauern, bis Ihnen Frauen in den Generalsrang nachfolgen?
Leitgeb: Ich glaube, der Bann ist jetzt gebrochen. Wir haben derzeit zwei Frauen im Generalstabslehrgang. Ich möchte allen Frauen, die eine Karriere bei uns anstreben, sagen: Habt keine Angst! Ich hab' mit 38 begonnen, also sollten es Jüngere erst recht locker schaffen.

Ihre Karriere

Geboren am 12.7.1962 als einzige Tochter eines Architekten und einer Diplom- Krankenschwester in Innsbruck. Ihre Karriere beim Heer startet die Medizinierin erst mit 38 – davor hatte sie u.a. als Chirurgin in San Francisco und bei der NATO in Oberammergau gearbeitet. Nach einer Spezialausbildung wird Leitgeb Oberärztin beim Heeresspital und arbeitet auch als Bataillonsärztin auf dem Golan. Vergangenen Montag wird sie Kommandantin der Sanitätsschule und "Frau Brigadier" (siehe Infobox).

Beim Österreichischen Bundesheer gibt es 330 Frauen, das ist eine Quote von 2 Prozent. Bis zur Ernennung der ersten Frau im Generalsrang hat es 16 Jahre gedauert: Die ersten Frauen rückten am 1. April 1998 zum Bundesheer ein.

05.04.2014, 16:30
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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