Fr, 24. November 2017

„Trottel-Nachricht“

21.10.2017 15:19

Gefeuerter Chefredakteur: „Schwerer Fehler“

Reinhard Göweil, am Freitag abberufener Chefredakteur der staatlichen "Wiener Zeitung", hat am Samstag in einem Zeitungsinterview einen Fehler rund um seine überraschende Dienstfreistellung eingestanden. "Was ich gemacht habe, war falsch", sagte Göweil, der von einer "Trottel-Facebook-Nachricht" sprach. Er will dennoch rechtlich gegen seine Abberufung vorgehen.

Der Chefredakteur der "Wiener Zeitung" wurde am Freitagabend überraschend seiner Position enthoben. Man sehe sich gezwungen, Göweil "wegen eines anlassbedingten Vertrauensverlustes mit sofortiger Wirkung" von der Funktion als Chefredakteur abzuberufen und das Dienstverhältnis mit ihm zu beenden, teilte Geschäftsführer Wolfgang Riedler mit. Rasch tauchten in sozialen Netzwerken Vermutungen auf, Göweils Abgang könnte politische Gründe haben und er das Opfer einer Intrige sein.

Sexuelle Avancen für Jobangebot?
Laut Medienberichten dürfte der Grund für die Abberufung aber ein ganz anderer sein: Eine Journalistin soll Göweil der sexuellen Belästigung beschuldigt haben. Auch ein später wieder gelöschter Tweet eines Aufsichtsratsmitglieds der "Wiener Zeitung" legt dies nahe. Laut verschiedenen Medienberichten behauptet die Journalistin, schriftlich via Chat sexuelle Avancen im Gegenzug für ein mögliches Jobangebot erhalten zu haben. Die Frau habe sich danach an die Gleichbehandlungsanwaltschaft gewandt, die darin den Tatbestand der sexuellen Belästigung erkannt haben soll.

"Entlassung erfolgte aus zwingenden arbeitsrechtlichen Gründen"
Danach wandte sich die Journalistin an die Eigentümervertreter der "Wiener Zeitung", die der Republik Österreich gehört. Laut "Presse" sollen Beamte des Bundeskanzleramts Göweil vergangene Woche mit den Vorwürfen konfrontiert haben. Dieser bestritt den Vorfall zunächst und wehrte sich gegen die Darstellung, am Freitag erfolgte dann die sofortige Abberufung. "Die Entlassung erfolgte aus zwingenden arbeitsrechtlichen Gründen. Es gab dafür keinen politischen Anlass", verlautbarte die "Wiener Zeitung".

"Das bestreite ich ganz entschieden"
Göweil selbst sah dies auf Twitter anders. "Das bestreite ich ganz entschieden. Jeder möge sich einen Reim darauf machen", so der Journalist. Auf Facebook sprach Göweil von einem Vorwand: "Es wurde kein dienstlicher Vorwurf gemacht. Im kommenden Prozess wird diese Begründung wohl nachgeliefert werden müssen."

"Warum das jetzt aufpoppt, ist mir ein Rätsel"
Gegenüber der "Presse am Sonntag" erklärte Göweil nun, dass es den kolportierten Schriftverkehr mit der Journalistin auf Facebook tatsächlich gegeben habe. "Dass das ein schwerer persönlicher Fehler von mir war, das ist mir klar. Ich will da auch nichts beschönigen. Aber was da jetzt daraus gemacht wird, ist für mich schwierig zu verstehen." Dieser "kurze, blöde Chat ist im Jänner passiert, warum das jetzt aufpoppt, ist mir ein Rätsel".

"Habe eine Trottel-Facebook-Nachricht geschickt"
Ihm sei wichtig, zu betonen, dass er sich bei der Kollegin sofort in diesem Chat für seine verbale Entgleisung entschuldigt und seither nichts mehr von ihr gehört habe. Die Kollegin sei zu diesem Zeitpunkt nicht seine Mitarbeiterin gewesen, so Göweil. "Ich habe eine Trottel-Facebook-Nachricht geschickt und mich danach entschuldigt." Trotzdem werde er rechtlich gegen seine Abberufung vorgehen. Zudem betonte Göweil: "Wer immer diesen Chat-Verlauf nachlesen möchte, möge sich bei mir melden."

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