Mo, 11. Dezember 2017

IS-Bekenntnis

02.10.2017 19:57

Attentäter von Las Vegas war "ein einsamer Wolf"

Nach dem blutigsten Massenmord seit den Anschlägen vom 11. September 2001, bei dem am Rande eines Konzerts in Las Vegas mindestens 58 Menschen getötet und über 500 weitere verletzt wurden, suchen die Ermittler nach den Motiven des Todesschützen. Dieser wurde bereits als Stephen Paddock (64) identifiziert. Laut dem FBI gibt es keinen terroristischen Hintergrund. Paddock sei auch nicht als Krimineller bekannt gewesen. Allerdings hat die Terrormiliz Islamischer Staat den Massenmord für sich reklamiert und Paddock als einen ihrer "Soldaten" bezeichnet.

Der IS verbreitete die Lobeshymne auf einen "unserer Soldaten" über seine Nachrichtenagentur Amaq. Der Mann sei erst vor einigen Monaten zum Islam konvertiert, hieß es in der Aussendung am Montag.

Pensionierter Buchhalter führte unauffälliges Leben
Diese Informationen kann das FBI aber noch nicht bestätigen. Der pensionierte Buchhalter habe ein unauffälliges Leben in Mesquite, einer Kleinstadt 120 Kilometer nordöstlich von Las Vegas (siehe Karte unten), geführt. In dem friedlichen Städtchen wohnen hauptsächlich Pensionisten, es gibt dort mehrere Golfanlagen und Casinos. Paddoch hatte auch keinerlei Vorstrafen. Nichts deute derzeit darauf hin, dass Paddock irgendwelche Sympathien für islamistisch-extremistische Gruppierungen gehegt haben könnte.



Angaben über eine Konvertierung zum Islam konnte auch der in Florida lebende Bruder nicht machen. "Wir sind sprachlos. Wir können das nicht verstehen. Er war weder politisch noch religiös", so Eric Paddock gegenüber der Online-Ausgabe der "Daily Mail". Sein Bruder beschrieb Paddock als Normalbürger, der nach Las Vegas zum Glücksspiel gefahren sei und gern Burritos gegessen habe. "Wo zum Teufel hatte er die automatischen Waffen her?" fragte sich Eric Paddock.

FBI: Tat war gründlich vorbereitet
Offenbar hatte der 64-Jährige die Bluttat aber gründlich vorbereitet. Das Zimmer im 32. Stockwerk des Hotel-Casinos Mandalay Bay am berühmten Las Vegas Strip bezog der grauhaarige und bärtige Mann laut US-Medienberichten bereits einige Tage vor der Tat.

Aus einem Zimmer im 32. Stock des Hotels hatte der 64-Jährige wahllos auf Besucher eines Country-Musikfestivals gefeuert. Der Todesschütze konnte einem Experten der US-Bundespolizei FBI zufolge so viele Menschen töten, weil er aus einer erhöhten Position heraus schoss. Da rund 30.000 Menschen auf engem Raum zusammengestanden hätten, "musste er nur auf die Mitte zielen und den Abzug drücken", sagte James Gagliano, FBI-Agent im Ruhestand, dem Sender CNN.

Rauchmelder verriet Position des Schützen
Zudem habe die Position des Schützen Verwirrung und Panik in der Menschenmenge verursacht. Wenn ein Schütze aus einer erhöhten Position schieße, "weiß niemand, wo die Schüsse herkommen", sagte Gagliano. "Menschen sind nicht darauf trainiert, nach oben zu schauen." Als Waffe habe der Täter vermutlich ein Maschinengewehr oder eine andere militärische Waffe benutzt. Lokalisiert wurde Paddock, weil der Rauchmelder in seinem Hotelzimmer angeschlagen hatte. Offenbar gab es wegen des Dauerfeuers eine starke Rauchentwicklung.

Was wusste die Lebensgefährtin?
Spezialeinheiten der Polizei konnten Paddock nur mehr tot in seinem Zimmer auffinden. Er soll sich selbst gerichtet haben. Neben der Leiche konnten auch zahlreiche weitere Waffen sichergestellt werden. Nach dem Auffinden der Leiche des Todesschützen wurde auch nach seiner Lebensgefährtin gefahndet. Diese wurde als Marilou Danley (62) identifiziert. Die beiden lebten offenbar in einem gemeinsamen Haushalt in Mesquite, einer Kleinstadt rund 120 Kilometer nördlich von Las Vegas. Die 62-Jährige konnte mittlerweile ebenfalls aufgespürt und laut Polizei "im Ausland" in Gewahrsam genommen werden. Ob sie von der Tat ihres Lebensgefährten wusste, ist nicht bekannt. "Wir haben mit ihr gesprochen und denken nicht, dass sie beteiligt war", sagte Sheriff Joseph Lombardo.

Trump: "Akt des absolut Bösen"
US-Präsident Donald Trump hat die Todesschüsse von Las Vegas als "Akt des absolut Bösen" bezeichnet. Er rief die Amerikaner in der Stunde der Trauer zur Einigkeit und zum Zusammenhalt auf. "Im Augenblick der Tragödie kommt Amerika als Einheit zusammen", sagte der Präsident. Er dankte den Rettungskräften und Polizisten für ihren schnellen Einsatz, der weitere Todesopfer verhindert habe.

Er selbst werde am Mittwoch Las Vegas besuchen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Trump ordnete an, die Flaggen auf den öffentlichen Gebäuden des Bundes zum Zeichen der Trauer auf Halbmast zu setzen. Trump wird zuvor am Dienstag in das US-Außengebiet Puerto Rico reisen, wo ein Hurrikan Tod und Verwüstung gebracht hatte.

Waffenhersteller-Aktien gestiegen
Wie auch schon nach früheren tödlichen Schießereien sind auch am Montag Aktien von US-Waffenherstellern gestiegen. Die Titel von American Outdoor Brands und Sturm, Ruger & Co legten im vorbörslichen Handel an der Wall Street um je rund vier Prozent zu. Die Aktien von Vista Outdoor kletterten um rund ein Prozent. Hintergrund dürften Spekulationen auf eine mögliche Verschärfung der Waffengesetze sein, wie sie immer wieder nach solchen Vorfällen in den Vereinigten Staaten aufkommen. Anleger rechnen dann damit, dass der Absatz kurzfristig steigt, weil die Bürger einen Waffenkauf vorziehen.

 krone.at
Redaktion
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