So, 25. Februar 2018

Rassismus-Debatte

11.02.2018 10:22

Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan

Im deutschen Frankfurt wird verbittert versucht, zwei Apotheken mit dem Namen Zum Mohren umzubenennen. Die Debatte weitet sich aus und schwappt auf Österreich über - hier kennt man das Problem schon …

Das hieß schon immer so, sagen die einen - das erinnert an Rassismus und Sklaverei, protestieren die anderen. In Frankfurt tobt derzeit eine heftige Debatte um die Bezeichnung Mohr. Das Wort dürfe es wie das "N-Wort" einfach nicht mehr geben, es werte dunkelhäutige Menschen ab, erklärt die Ausländervertretung, die 26 Prozent der Bevölkerung in Frankfurt vertritt. Die lokale CDU weist die Forderung als "bizarr" zurück, die Grünen sind dafür. Mittlerweile weitet sich die Debatte auf viele deutsche Städte aus - sofern sie zwischen entnervten und entbehrlichen Wortspenden, Achselzucken und hysterischen Forderungen noch sachlich geführt werden kann.

Ein Blick nach Österreich zeigt: Apotheken in Wien und Graz führen den Namen Zum Mohren, etliche Restaurants, eine Brauerei und vereinzelt Straßennamen, etwa im zweiten Wiener Gemeindebezirk, ebenso. Alle distanzieren sich von irgendeiner Form von Rassismus oder Diskriminierung, auf das Thema angesprochen, wird schon fast nicht mehr geantwortet. Auch aus Angst, ins Visier so mancher Sprachpolizisten zu geraten.

Firma Eskimo tappte in Fettnäpfchen
Unter Dauerkritik befindet sich auch der allseits beliebte wie unschuldige Schokoladekuchen mit Schlag, national besser bekannt als Mohr im Hemd. Neben den Debatten über die Dessert- und Speisekarten dieses Landes (Stichwort: Zigeunerschnitzel) veranlasste 2009 eine Werbekampagne des Eisherstellers Eskimo für eine neue Eiskreation mit Mohr-im-Hemd-Geschmack sämtliche Gegner zum Aufschrei. "I will Mohr" hieß der Slogan, der vor dem Werberat landete. Die Kampagne lief leise aus.

"No Mohr" kontern diverse Vereinigungen, Sprachwissenschaftler weisen auf die Macht des Wortes hin und empfehlen, auf den Begriff zu verzichten, da dieser Menschen verletze. Die "Ausrede", der Begriff sei historisch so übertragen, lassen sie nicht mehr gelten.

Lokale Unterschiede
Fakt ist: Negativ belegt war der Mohr schon immer, auch wenn es die wenigsten heute so auslegen würden bzw. auch Abwandlungen existieren, sobald man sich lokale Unterschiede ansieht. Sardinien etwa führt vier Mohrenköpfe in der Flagge, gemeint sind die Mauren, die mit der Besatzung der Insel in Verbindung gebracht werden. Kein Mensch dürfte heute hier Rassismus vermuten.

"Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen" - so formulierte es Friedrich Schiller schon im 18. Jahrhundert. Jetzt scheint er wirklich gehen zu müssen …

Fakten:

  • Politische Interventionen haben zu zahlreichen Eingriffen in den allgemeinen Wortschatz geführt: Mohrenköpfe oder Negerküsse heißen heute Schaumküsse oder Schokoküsse, das Zigeunerschnitzel - jetzt Schnitzel mit scharfer Sauce - soll auf Anraten der Wirtschaftskammer von den Speisekarten verschwinden.
  • Pippi Langstrumpfs Papa heißt nach Protesten seit 2009 nicht mehr Negerkönig, sondern Südseekönig. Zwerg und Liliputaner sind diskriminierende Bezeichnungen, anstelle wird das Wort kleinwüchsig gebraucht. Rothaut für Indianer wird ebenso abgelehnt.
  • Die Bezeichnung Behinderte ist verpönt, stattdessen soll es Menschen mit einer Behinderung oder Menschen mit Assistenzbedarf heißen, statt behindertengerecht barrierefrei.

Michael Pichler, Kronen Zeitung

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