Mi, 25. April 2018

Autobiografie

12.02.2018 07:00

Iron-Maiden-Sänger Bruce Dickinson über sein Leben

Nach mehr als drei Dekaden Weltkarriere war es auch für Iron-Maiden-Sänger Bruce Dickinson an der Zeit, sein Leben noch einmal aufzurollen. In seiner kürzlich erschienenen Autobiografie "What Does This Button Do?" erzählt der selbstsichere Brite aber eher weniger über seine Karriere bei der Heavy-Metal-Legende, sondern mehr über seine Nebenberufe und Hobbys abseits der großen Bühnen der Welt. Skandale und Schmutzwäsche werden komplett ausgeblendet.

Irgendwann einmal sind Musiker draufgekommen, dass sich ihre ohnehin schon exzessive Geschichte noch besser vermarkten lässt, wenn sie einfach noch eine zusätzliche Schippe drauflegen. So lesen sich Abhandlungen von Rockstars wie Slash oder auch Anthrax-Gitarrist Scott Ian spannend bis protzig, die meiste Zeit aber derart reißerisch, dass es einem schnell zu viel werden kann. Die bislang noch immer unübertroffene Mutter der extrovertierten Rockstar-Biografien ist Mötley Crues „The Dirt“, wo schonungslos jedes noch so ungustiös-exzentrische Detail bis zur Spitze ausexerziert wird. Dann gibt es aber auch jene Musiker, die lieber unaufgeregt und humorig aus ihrem Leben rezitieren und dabei nicht auf Skandale, sondern vielmehr auf ehrliche Authentizität aus sind.

Kein Platz für Fehden
In diese Kategorie lässt sich Iron-Maiden-Frontmann Bruce Dickinson stecken, dessen unlängst auch auf Deutsch erschienene Lebensabhandlung „What Does This Button Do?“ eine angenehm-nüchterne Bescheidenheit vorlegt, wie man sie unlängst auch bei Bruce Springsteen erlesen durfte. Ganz im Gegensatz zu den eingangs erwähnten Beispielen klammert der Brite so gut wie alle Fehden und Stolpersteine seines Lebens aus und konzentriert sich hauptsächlich auf die positiven Begebenheiten seiner facettenreichen Karriere. Wer also Details über sein Aus bei Iron Maiden, seine Kinder, Ehefrauen und Scheidungen erfahren will, muss auf ein unautorisiertes Exemplar warten, denn Schmutzwäsche waschen ist nicht die Sache des Mannes mit dem markanten Sirenengesang.

Vielleicht liegt das auch daran, dass Dickinson laut diversen Interviews selbst keine Autobiografien liest und daher unbedarft an die Sache rangehen konnte. Auf etwas mehr als 400 Seiten spannt er reine Musikfans aber immer wieder auf die Folter, denn Dickinson-Maniacs wissen, dass ihr Hero nicht nur Sänger, sondern auch Pilot, Fechter, Filmemacher, Romanschreiber und Bierbrauer ist. Ein Mann mit Hummeln im Hintern, unzähligen Interessen und einer nie verlustig gegangenen Working-Class-Attitüde, die auch einen erklecklichen Anteil des Erfolgs von Iron Maiden ausmacht. So erzählt er anekdotenreich und meist in flüssig-witzigem Schreibstil von seiner Kindheit, der Ursache seiner Abneigung gegen Tätowierungen, wie er über die Band Samson zu Iron Maiden kam und wie ein großes Selbstvertrauen eine relativ kleine Körpergröße wettmachen kann.

In Details verloren
So lesen sich die Maiden-Erzählungen über die opulenten Bühnen-Settings, der ersten Nummer eins und ausverkauften Stadien und Tourneen und die damit einhergehende persönliche Veränderung der Bandmitglieder spannend und kurzweilig, bringen dem gemeinen Fan aber nicht sonderlich viel Mehrwert. Dass Dickinson seine Freizeit weniger mit sinnlosem Saufen, sondern lieber mit dem Fechtsport und seiner Flugleidenschaft nützte, breitet er so detailliert und akribisch aus, dass einzelne Kapitel unnötig mühsam in die Länge gezogen werden und dem Lesefluss immer wieder die Stopptafel vorsetzen. Dickinson rettet sich meist sehr geschickt mit dem für ihn gewohnten Sarkasmus und einem siebenten Sinn für die korrekt eingesetzte Pointe, doch das erzählerische Level bleibt nur selten auf einer kongruenten Höhe.

Wirklich interessant und fesselnd wird es dann, wenn der Barde abseits bekannter Fakten und technischer Details erzählt. Etwa über seine mitreißenden Erlebnisse während des Bosnienkriegs im belagerten Sarajevo auf seiner Solotour 1994, seine tiefgreifenden Emotionen nach dem Besuch eines ehemaligen KZ-Geländes oder seinen schonungslos ehrlichen, extrem sarkastischen Umgang mit seiner Krebserkrankung und deren prägende Folgen. Dieses Kapitel beschließt das Buch und lässt den Leser atemlos zurück.

Nicht alles herausgeholt
Zusammengefasst bleibt eine solide Lebensbeichte aus einer oftmals sehr selbstverliebt wirkenden Perspektive, aus der der Künstler mit etwas mehr Sinn für das Wesentliche mehr hätte herausholen können. All jene, deren Wissen über den Briten nicht so profund ist, können sich mit dem Werk aber gut auf das nächste Iron-Maiden-Konzert einspielen, das Mitte Juni im Zuge des Nova Rocks im Burgenland stattfinden wird. Karten dafür gibt es noch unter www.novarock.at.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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