Wenn Europa über Krieg, Menschenrechte und Kultur diskutiert, darf man die moralische Waage nicht so leichtfertig in eine Richtung neigen, dass sie ins Absurde kippt. Der Eurovision Song Contest ist kein diplomatischer Krisengipfel – und doch ist er Symbol für die Werte, die wir teilen oder eben verraten. Die Teilnahme Israels in Zeiten eines blutigen Krieges wird nicht nur zur Frage der Musik, sondern zur Frage unseres Gewissens. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner spricht von „unverrückbarer Solidarität“ mit Israel. Solidarität ist wichtig – aber sie darf nicht blind sein? Wenn europäische Staaten Russland wegen seiner Aggression ausgeschlossen haben, dann wirkt es doppelmoralisch, im Falle Israels plötzlich zwischen Regierung und Volk trennen zu wollen, als ließe sich die Verantwortung so einfach ausblenden. Moral ist keine Währung, die man nach Belieben wechselt. Wer heute mit zweierlei Maß misst, untergräbt morgen die Glaubwürdigkeit Europas. Das erinnert an den alten Vergleich mit dem Familienfest: Man lädt nicht den Onkel ein, der gerade das Wohnzimmer des Nachbarn verwüstet – und sagt zugleich, „aber er spielt so schön Klavier“. Kultur kann Brücken schlagen, ja. Aber sie darf nicht zum Alibi werden, um politische Verfehlungen zu übertünchen. Gerade Österreich, das in seiner Geschichte erfahren hat, wie verhängnisvoll Schweigen und Wegsehen sein können, sollte eine klare Haltung einnehmen. Diese Haltung bedeutet nicht, Israel aufzugeben – sondern im Gegenteil: dem Land zu signalisieren, dass Freundschaft auch Wahrheit aushält. Solidarität ohne Kritik ist keine Solidarität, sondern Bequemlichkeit. Es ist höchste Zeit, dass wir uns erinnern: Der Song Contest mag Unterhaltung sein – aber er ist auch Spiegel dessen, was wir als Europa sein wollen. Wenn wir Werte ernst nehmen, dann müssen wir sie auch dann vertreten, wenn es unbequem ist. Nur so bleibt unsere Stimme glaubwürdig – auf der Bühne wie in der Welt.
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