Das freie Wort

Unsere soziale Welt

Die Enteignung der Mittelschicht und damit jener Bevölkerungsgruppe, die das Rad am Drehen hält, schreitet unaufhaltsam voran und wird auch ganz bewusst von unseren Eliten, unter reger Anteilnahme der Politik, gesteuert. Die Superreichen scheinen im Geld zu ersticken, und sie können sich der Vermehrung ihres Reichtums kaum erwehren, während es völlig konträr für die Mittelschicht bzw. jene Menschen läuft, die sich ihr Geld noch mit ehrlicher und zunehmend schlecht bezahlter Arbeit verdienen müssen. Sie sind die großen Verlierer unserer Zeit. Ihre Ersparnisse schmelzen dahin, weil es dafür keine Zinsen mehr gibt und die Inflation dafür sorgt, dass das ohnehin mühsam ersparte Geld Jahr für Jahr weniger wird. Und nirgendwo in der Welt sieht sich die Politik bemüßigt, diesem unverschämten gierigen Treiben der Eliten ein Ende zu bereiten. Die Macht des Geldes hat sich längst als die stärkere Kraft herausgestellt. Auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos gab es wieder viele Lippenbekenntnisse und neue Vorsätze, die aber alle am Ende wieder nur jenen helfen werden, die ohnehin keine Hilfe benötigen. Mit der Abreise aus Davos gerät alles wieder rasch in Vergessenheit und geht seinen gewohnten Gang. Die Vermögen der Milliardäre haben eine Eigendynamik entwickelt, welche die Spirale des Reichtums unaufhaltsam nach oben fortsetzt, während den arbeitenden Menschen das Wasser abgegraben wird, sodass diese sich von ihrem Einkommen oftmals kaum noch über Wasser halten können und zwei oder gar drei Jobs annehmen müssen, um einen bescheidenen Lebensunterhalt bestreiten zu können. An Ersparnisse ist für einen ständig wachsenden Anteil der Erdbevölkerung nicht zu denken. Oxfam, ein international tätiger Verbund verschiedener Hilfs- bzw. Entwicklungsorganisationen, vermeldet in seinem Bericht 2019, dass sich die Vermögen der Milliardäre im vergangenen Jahr um 12% (ca. 2,5 Mrd. USD täglich) erhöht haben, während der ärmere Teil der Weltbevölkerung im selben Zeitraum Einbußen von 11% hinnehmen musste. In den ärmsten Teilen unserer Welt dominieren Hunger und Obdachlosigkeit, medizinische Versorgung oder gar soziale Sicherheiten fehlen gänzlich. Während bei den Reichsten unserer Welt Jahr für Jahr horrende Vermögenszuwächse festgestellt werden, gelingt es auf der anderen Seite immer weniger Menschen, sich aus bitterster Armut zu befreien. Konzerne und Steinreiche werden mit Steuergeschenken überhäuft, während man zusieht, wie es mit dem Mittelstand rapide bergab geht und für die Ärmsten dieser Welt nicht einmal genügend übrig ist, um ihren Hunger zu stillen. Dass immer noch Menschen, in einer Welt des Überflusses, den Hungertod erleiden müssen, ist die größte Schande unserer Welt. Es ist auch nicht anzunehmen, dass sich diesbezüglich allzu schnell etwas zum Besseren verändern wird. Solange die Politik und die Mächtigen dieser Welt den Konzernen, Banken und Finanzhaien in die Hände arbeiten, weil sie von deren Gnaden und millionenschweren Spenden abhängig geworden ist, dürfen wir kaum mit wirksamen Gegenmaßnahmen rechnen. Die Eliten dieser Welt, und dazu zählt leider auch ein beachtlicher Teil jener Politiker, deren Handlungen große Bedeutung für die Entwicklungen auf unserer Erde haben, sie leben bereits seit Langem nicht mehr in derselben Welt wie der Großteil der Menschen. Sie leben in einer geschützten, wohlhabenden, finanziell sorgenfreien und völlig abgehobenen Welt, in der man den Blick für die Not und das Elend dieser Welt gänzlich verliert. Vielmehr sind sie damit beschäftigt, ihre Positionen, ihre Macht und ihr Geld, welches ihnen zu dieser Macht verhilft, abzusichern und weiter zu vermehren. Und das mit allen Mitteln.

Franz Zwickl, Muthmannsdorf

Erschienen am Di, 28.1.2020

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