Mo, 18. Juni 2018

Blitzbesuch

25.10.2007 10:19

Nobelpreisträger Al Gore zu Gast in Wien

Der ehemalige US-Vizepräsident und baldige Friedensnobelpreisträger Al Gore ist sich sicher, dass Klimawandel im Laufe des US-Wahlkampfes in den nächsten Monaten noch stark thematisiert wird. Dies berichtete Bundeskanzler Alfred Gusenbauer am Mittwoch nach einer kurzen persönlichen Unterredung mit Gore im Wiener Hotel Imperial. Wie Gusenbauer erklärte, glaube Gore fest daran, dass in den USA ein Bewusstseinswandel eingesetzt habe, und dass nun der Umweltschutzthematik in der öffentlichen Diskussion mehr Raum gegeben wird.

Gore betonte gegenüber Gusenbauer, er glaube daran, in Sachen Klima und Umweltschutz parteiübergreifende Bündnisse eingehen zu können. So habe der Demokrat Gore mit dem Republikaner Arnold Schwarzenegger, seines Zeichens Gouverneur von Kalifornien, engen Kontakt und sehe Möglichkeiten, über Parteigrenzen hinweg weitere Partner zu finden, um des Klimawandels Herr zu werden. Ohne der Entwicklung einer gemeinsamen Perspektive könne jedenfalls nichts ausgerichtet werden, zitierte der Kanzler den ehemaligen US-Vizepräsidenten.

In den USA hätten nicht zuletzt die Großbrände in Kalifornien die Bevölkerung in Sorge versetzt, meinte Gore laut Gusenbauer. Die Klimathematik werde sicherlich in den nächsten Wochen und Monaten verstärkt in den amerikanischen Medien Widerhall finden. Bisher galt die Klimaproblematik in den USA als nebenrangig. Die US-Administration unter George W. Bush hat auch niemals das Kyoto-Protokoll ratifiziert.

Im Bezug auf den im Dezember beginnenden Klimagipfel der UNO in Bali habe sich Gore gegenüber Gusenbauer eher skeptisch gezeigt. "Der Nobelpreisträger hegt offenbar nur geringe Hoffnungen, dass die USA unter der derzeitigen Führung von George W. Bush in Bali einen konstruktiven Beitrag für eine Nachfolgeregelung des Kyoto-Protokolls leisten werden."

Rückkehr in die Politik nicht ausgeschlossen
Auch auf die Politik ging Gore ein. "Ich habe keine Pläne, für das Amt des US-Präsidenten zu kandidieren. Gleichzeitig schließe ich aber nicht aus, in der Zukunft vielleicht in die Politik zurückzukehren." Mit dieser Aussage enttäuschte der ehemalige amerikanische Vizepräsident Al Gore all jene, die gehofft hatten, dass er sich tiefer in seine Karten in Bezug auf die US-Wahl im November 2008 schauen lassen könnte.

Großes Lob spendete Gore übrigens dem aus der Steiermark gebürtigen kalifornischen republikanischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger: Er mache einen "tollen Job" und setze vor allem in klimapolitischer Hinsicht wichtige Akzente

Gore zeigte sich nicht der Presse
Während zahlreiche Journalisten beim Hintereingang warteten, wo sich Mitarbeiter aus Gores Entourage immer wieder demonstrativ zeigten, "entwischte" der Nobelpreisträger in aller Eile durch den Vordereingang. Dennoch habe Gore Gusenbauer versichert, demnächst gerne wieder nach Österreich zu kommen, nach Möglichkeit "mit etwas mehr Zeit".

Auch Vaclav klaus ein Thema
Al Gore sprach den Bundeskanzler bei dem Treffen auch auf den tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus an, der die Thesen des Ex-US-Vizepräsidenten zum Klimawandel mehrfach öffentlich zurückgewiesen hatte. Gusenbauer erklärte, er habe zu seinem Gesprächspartner Gore gesagt, dass Klaus mit seiner Sicht europaweit ziemlich isoliert dastehe. Vor kurzem hatte Klaus in einem Interview gemeint: "Einen größeren Unsinn als die 'Beweise', dass der Mensch die Erde zerstört, habe ich vermutlich noch nie gehört." Klaus hatte auch die Vergabe des Friedensnobelpreises an den US-Politiker kritisiert.

Detail am Rande: Gore wird bei seinem Aufenthalt in Wien mit einem umweltfreundlichen Hybrid-Auto chauffiert.

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