02.02.2007 15:46 |

UN0-Klimabericht

Es ist zu heiß - wir sind Schuld

Ein Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 59 Zentimeter und eine Aufheizung des Klimas um bis zu 6,4 Grad in den kommenden hundert Jahren: Der Weltklimarat (IPCC) hat am Freitag in Paris den bisher alarmierendsten Bericht zur Erderwärmung vorgelegt. Selbst bei einem sofortigen Stopp der Treibhausgasemissionen würde sich die Atmosphäre noch Jahrhunderte weiter aufheizen, lautet der Befund. Der Bericht, an dem mehr als 500 führende Klimaforscher mitgearbeitet haben, genieße "die Akzeptanz aller Regierungen der Welt", sagte IPCC-Präsident Pachauri.

An der Verantwortung des Menschen für die "beispiellose" Klimaveränderung gebe es keinen Zweifel mehr, sagte die US- Wissenschaftlerin Solomon, die maßgeblich an der Studie beteiligt war. "Es ist keine Frage, dass die Zunahme des Treibhausgases auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist." Die Veränderungen in der Atmosphäre und den Weltmeeren sowie der Verlust von Packeis seien ohne äußere Einwirkung nicht zu erklären, heißt es in dem UNO- Bericht.

Die Forscher prognostizieren sechs Szenarien auf Basis verschiedener Berechnungsmodelle. Im günstigsten Fall heizt sich die Atmosphäre um 1,1 bis 2,9 Grad auf, im schlimmsten um 2,4 bis 6,4 Grad. Zwei Grad gelten als Grenzwert, nach dessen Überschreitung die Klimamaschine möglicherweise nicht mehr zu stoppen wäre. Am größten ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Temperaturen 2100 zwischen 1,8 und vier Grad über den heutigen Werten liegen. Im vergangenen Jahrhundert erwärmte sich die Erde um 0,8 Grad.

Meeresspiegel steigt um 18 bis 59 Zentimeter
In der Folge des Klimawandels wird der Meeresspiegel um 18 bis 59 Zentimeter steigen, prognostizieren die Forscher. Weitere zehn bis 20 Zentimeter seien möglich, wenn das schnelle Abschmelzen des Polareises fortschreite.

Bei einem sofortigen Emissionsstopp, der wegen des Energiebedarfs der wachsenden Weltbevölkerung kaum möglich scheint, sei noch mit einem Anstieg um 0,6 Grad zu rechnen, auch dann würde der Meeresspiegel noch "mehrere Jahrhunderte steigen". Die Forscher machen den Treibhauseffekt bereits jetzt dafür verantwortlich, dass es mehr heiße Tage und weniger kalte Nächte gibt, dass sich Hitzewellen, Überflutungen und Dürren häufen und dass Wirbelstürme insbesondere über dem Atlantik immer stärker werden.

Ungewöhnlich scharfe und klare Worte
UNEP-Chef Steiner erhofft sich von dem Bericht eine historische Zäsur. "Die Frage der Urheberschaft stellt sich nicht mehr. Die Aufmerksamkeit muss sich jetzt darauf richten, den Klimawandel zu bekämpfen", sagte er in Paris. Wer jetzt nicht handle, werde als verantwortungslos in die Geschichtsbücher eingehen.

"Für ein UNO-Papier ungewöhnlich scharfe und klare Worte", meinte der österreichische Klimaforscher Formayer vom Institut für Meteorologie der Universität für Bodenkultur. Der an der Konferenz in Paris teilnehmende Leiter der Klima-Abteilung im Umweltbundesamt, Radunsky, warnte davor, "dass sich der Anstieg der CO2-Konzentration pro Jahr noch immer beschleunigt."

EU-Umweltkommissar Dimas sah dringenden Handlungsbedarf: Internationale Verhandlungen über ein neues Klimaabkommen nach Kyoto seien "dringend notwendig", sagte . Er sah alle Zweifel am Einfluss des Menschen auf das Klima beseitigt.

Freitag, 25. Juni 2021
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