Do, 19. Juli 2018

"Setzen, sehr gut!"

14.01.2018 18:58

Next Liberty: "Der Schüler Gerber" ist zurück

1999 feierte Felix Mitterers Bühnenadaption von Friedrich Torbergs Roman "Der Schüler Gerber" am Next Liberty Premiere. Nun kehrt das Stück um den von einem tyrannischen Lehrer zugrunde gerichteten Maturanten in einer Inszenierung Michael Schilhans zurück - und kann abermals vollauf überzeugen.

"Danke, setzen, nicht genügend!" - als "Der Schüler Gerber", Torbergs Debütroman, 1930 erschien, waren schwarze Pädagogik und autoritäre Verhältnisse an den Schulen die Norm. Auch wenn sich das heute (Gott sei Dank) großteils geändert hat, bleibt Kurt Gerber der zeitlose Archetyp eines den gesellschaftlichen Verhältnissen rückhaltlos Ausgelieferten zwischen Jugend und Erwachsenenalter.

Unter Schilhans überzeugender Regie wird Gerbers verfahrene Situation schon optisch, am Bühnenbild, sinnfällig dargestellt: Eine grotesk vergrößerte Tafel bildet Wand und Boden eines ansonsten detailverliebt im Stil der Zwischenkriegszeit ausstaffierten Klassenraums (Ausstattung: Mignon Ritter). Bei Bedarf wird dieser Hintergrund transparent, um innere Monologe oder Ortswechsel zu illustrieren, was nicht nur ansprechend aussieht, sondern auch unentbehrlich für die dramatische Wirkung ist, da die Figuren durch diese eingeschobene Reflexionsebene enorm an Tiefe gewinnen.

Insbesondere Lisa Berwald (gespielt von Yvonne Klamant), Gerbers Schwarm und "femme fatale", erreicht durch ihren Monolog zu Beginn der zweiten Hälfte eine psychologische Komplexität, die ihr die rein dramatische Aktion aus der "Außenperspektive" ansonsten vorenthält.

Der Theater-Ungustl des Jahres steht schon fest
Kernstück der Geschichte ist freilich der Konflikt zwischen Gerber und Professor Kupfer - Letzterer wird von Helge Stradner mit kurzem, knackigem Gestus, plötzlichen Wutausbrüchen und solcher Akkuratesse gespielt, dass ihm der Preis für den hassenswertesten Theater-Ungustl des Jahres schon im Jänner sicher ist. Michael Großschädl verleiht "seinem" Gerber indessen einen Tonfall eifriger Erregtheit, der in anderen Kontexten ein wenig übermotiviert wäre, hier aber als Überspielung adoleszenter Unsicherheit enorm treffend ist und der Figur auch jenseits ihrer "Opferrolle" Ausdruck verleiht.

Auch den sechs übrigen Schülern der Klasse vermag das Ensemble Individualität zu geben: So mimt etwa Christoph Steiner den unbekümmerten Rebell Lewy genauso überzeugend wie David Valentek den wie Gerber gemobbten Zasche. Danke, setzen, sehr gut!

Felix Jureček, Kronen Zeitung

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