Di, 25. September 2018

Kommentar

20.09.2017 20:39

6719 Tage für seine Stadt

Wenn ich alleine bin
träume ich zum Horizont
und es fehlen die Worte,
ja ich weiß,
dass es kein Licht gibt
in einem Zimmer
wenn die Sonne fehlt.

Die deutsche Übersetzung der ersten Strophe des Welthits des blinden Sängers Andrea Bocelli.

"Time to say goodbye" sagte Heinz Schaden nach 6.719 Tagen im Amt und er verließ den Gemeinderat erhobenen Hauptes.

Ein leerer rötlicher Polstersessel und die berühmte goldene Glocke blieben zurück. Wie mit einer Peitsche hatte der Bürgermeister damit in all den Jahren die oft unterqualifizierten Mandatare angetrieben: Sie sollten weniger streiten, intrigieren und Worthülsen produzieren, sondern wesentliche Kernthemen der Stadt in Bewegung bringen. Heinz Schaden war politisch brutal, aber es war auch notwendig.

Nur ein Beispiel: Er komplimentierte seinen Stellvertreter aus der Polit-Arena hinaus, auch weil dieser - seiner Meinung nach - die Sanierung und den Neubau der Seniorenheime mit zu wenig Dynamik betrieben hatte. Heute sind die Objekte Vorzeige-Häuser. Und 2018 schon ist alles fertig.

Das scheint mir das eigentliche Schicksal von Heinz Schaden zu sein, nicht die fehlenden paar Versicherungsmonate für die Pension: Er brachte die ins Wachkoma diskutierten Projekte endlich auf die Reihe und jetzt erlebt er die Verwirklichung als Bürgermeister nicht.

Wenn ich von der Terrasse unseres Pressehauses über die Stadt blicke, so drehen sich in jeder Himmelsrichtung die Baukräne. Ein urbaner Zentralraum entwickelt sich, er muss leben.

Um die Verdienste Heinz Schadens für die Altstadt zu würdigen, müssen wir ein paar gute Jahrzehnte zurück gehen, als es in Salzburg noch keine regionale "Krone" mit kritischen und unbestechlichen Journalisten gab.

Eine Kamarilla von Politik, Beamten und Bauwirtschaft riss sich die Stadt unter den Nagel. Häuser im historischen Zentrum wurden ausgehöhlt, nur Fassaden blieben stehen, entlang der Hellbrunner Allee sollte eine Trabantensiedlung mit tausenden Wohnungen entstehen.

Deshalb bildete sich unter Herbert Fux und Richard Hörl die wachsame Bürgerliste, die nun zu einem Ableger der linksgrünen Bewegung degeneriert ist, nimmt man Johann Padutsch, den kongenialen Partner Heinz Schadens, als Ausnahme.

Heinz Schaden war höchst ungeduldig. Er versuchte, alle Termine in einen Abend zu packen, da ging sich oft nur der erste Akt einer Theater-Aufführung aus.

Der Bürgermeister musste vor Gericht, weil er nicht mit Steuergeld spekuliert hatte. Eine Ironie der Geschichte.

Heinz Schaden hätte - als er davon erfuhr - diesen ganzen Swap-Dreck sofort bei Gericht anzeigen müssen. Da siegte dann doch die Parteiräson, denn die Salzburger SPÖ wäre implodiert.

Thomas Bernhard ätzte, seine Heimatstadt sei in Wirklichkeit eine Todeskrankheit, in die ihre Bewohner hineingeboren oder hineingezogen wurden.

In 6.719 Tagen hat sich Heinz Schaden redlich bemüht, dies positiv zu verändern.

Dafür gebührt ihm Dank.

Hans Peter Hasenöhrl, Kronen Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
In Minute 87
1:1 - Bayern verschenken Sieg gegen Augsburg
Fußball International
5:6 n.V in Innsbruck
Meister Red Bull Salzburg bleibt sieglos
Eishockey
Gegen Ingolstadt
Louis Schaub bereitet Kölns 2:1-Siegtor vor
Fußball International
Historischer Treffer
Harnik-Ferserltor bei Bremens 3:1 gegen Hertha
Fußball International
Altach siegt 2:1
WAC mit lockerem 4:0 ins Cup-Achtelfinale
Fußball National
4 Aktivisten im Finale
Russen stoppten 170 Flitzer während der WM
Fußball International

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.