15% Kursplus:

Wer fürchtet sich vorm starken Euro?

Wirtschaft
09.09.2017 10:46

Der höhere Kurs im Vergleich zum US-Dollar verbilligt den Import von Öl und Rohstoffen, belastet aber den Export und vor allem Sparer. Der starke Euro hat viele Experten auf dem falschen Fuß erwischt: Noch vor ein paar Monaten erwarteten sie, dass sein Wert auf nur noch einen US-Dollar sinken werde. Ein 14-Jahres-Tief bei 1,03 Dollar war schon erreicht. US-Präsident Donald Trumps Ankündigungen gewaltiger Investitionen sowie die bereits steigenden Zinsen in den USA hätten den Dollar noch weiter stärken müssen, so ihre Theorie. Doch statt weicher wurde unsere Währung härter.

Seit Jänner legte der Kurs um etwa 15 Prozent zu, ab Einführung des Euro 1999 sind es nach vielen Schwankungen unterm Strich sogar 20 Prozent. Das weckt Ängste, sind die USA doch nach Deutschland Österreichs zweitgrößter Exportmarkt. Vorsichtige Entwarnung gibt dazu Wifo-Vizechef Marcus Scheiblecker: "Wir hatten historisch schon Eurokurse zwischen 0,84 und 1,60 Dollar, und das war weniger bedeutend für den Handel als die wirtschaftliche Nachfrage. Die ist in den USA noch immer gut, da nehmen sie auch einen etwas höheren Preis für einen Mercedes in Kauf." Allerdings sei die Konjunktur dort schon am Höhepunkt, während die EU erst richtig in Schwung kommt.

(Bild: stock.adobe.com, Krone-Grafik, krone.at-Grafik)

Die Zeche zahlen die Sparer
Ein klares Plus bringt uns der stärkere Euro jedenfalls beim Einkauf von Öl, Erdgas und anderen Rohstoffen, die auf dem Weltmarkt in Dollar gehandelt werden. Wir müssen also weniger Euro für ein Fass Öl hinblättern, bei Österreichs Energieimporten (im Vorjahr neun Milliarden Euro) kommt da eine spürbare Entlastung zusammen. Die Zeche zahlen allerdings die Sparer. Scheiblecker: "Die Zinsen dürften nun in der EU länger bei null bleiben, als man das aufgrund der starken Konjunkturerholung zuletzt erwartet hat."

Kehrseite der billigeren Rohstoffe ist nämlich, dass dadurch das ohnehin verfehlte Ziel der EU-Zentralbank EZB von zwei Prozent Inflation noch unerreichbarer wird. "Im August dürfte sie nur 1,5 Prozent betragen haben, daher kann EZB-Chef Mario Draghi die Geldpolitik wieder nicht straffen", analysiert der Wifo-Experte. Das heißt, die Nullzinsen für Anleger und das gewaltige Anleihen-Kaufprogramm (60 Milliarden Euro pro Monat) laufen vorerst weiter.

Wifo-Vizechef Marcus Scheiblecker: "Nachfrage ist wichtiger als Währung." (Bild: Gerhard Bartel)
Wifo-Vizechef Marcus Scheiblecker: "Nachfrage ist wichtiger als Währung."

Brexit und Hurrikans haben Einfluss auf Eurokurs
"Und je länger das Inflationsziel nicht erreicht wird, desto expansiver müsste die EZB sogar werden, weil sie immer unglaubwürdiger wird. Viele fragen sich, was tun diese hochbezahlten Leute dort", warnt Scheiblecker vor dem Problem, dass das irgendwann notwendige kontrollierte Ablassen der von der EZB erzeugten "Geldblase" noch heikler wird. Wie aber könnte es mit den Währungen nun weitergehen? Potenziell wären tiefere Streitereien um den Brexit eine Schwächung für den Euro, umgekehrt könnten die enormen Aufräumarbeiten nach den Hurrikans den USA eine Extra-Konjunktur verschaffen und so den Dollar beflügeln. Von den Zinsen erwartet Scheiblecker kaum Einfluss, zumal auch die US-Notenbank für weitere Erhöhungen eher abwarten dürfte.

Christian Ebeert, Kronen Zeitung und krone.at

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