Mo, 23. Juli 2018

Sozialbestattung

31.10.2016 13:46

Immer mehr Wiener sterben arm und alleine

Wer mittellos stirbt oder niemanden hat, der die Kosten trägt, dem zahlt die Stadt das Begräbnis. Jeden Morgen ab 8.10 Uhr werden sie auf dem Zentralfriedhof beigesetzt. Und sie werden immer mehr. Im Schnitt gibt es drei "Armenbegräbnisse" täglich. 2015 zählte Wien 955, heuer geht die Zahl auf die Tausendermarke zu.

Wahrscheinlich hat sich Valentina I. ihr Begräbnis mal anders vorgestellt. Mit Familie, Freunden oder Kindern, die sie am letzten Weg begleiten, mit einer Grabrede und einer Trauerfeier, bei der Geschichten über sie erzählt werden. Als die 60-Jährige am 17. September stirbt, kümmert sich niemand um ihr Begräbnis. Nach einem Monat wird sie letztlich bestattet. Morgennebel liegt über der Halle 3 auf dem Zentralfriedhof. Ihr Sarg liegt zwischen Kerzen im Saal E. Die Stühle davor - sie bleiben leer.

Kosten für "normales" Begräbnis ab 4000 Euro
Weitere drei Sozialbegräbnisse finden an diesem Morgen, jeweils um 8.10 Uhr und 8.20 Uhr, in den Nachbarsälen statt. Verwandte versammeln sich mit Blumensträußen. Ein Geistlicher beginnt die Verabschiedung. "Die meisten haben Angehörige. Aber die Leute haben kein Geld. So sind die Zeiten", kommentiert Ernst Luisser, der den Ablauf koordiniert. Während Sozialbegräbnisse im Schnitt 1700 Euro kosten, zahlt man für ein "normales" Begräbnis ab 4000 Euro aufwärts. "Wir haben täglich drei oder vier Sozialbeisetzungen" so Luisser, der seit 33 Jahren bei der Bestattung Wien arbeitet. Auch Familienwerte haben sich gewandelt.

Beim Sozialbegräbnis gibt es eine einfache Zeremonie, einen schlichten Sarg, einen Platz zwischen normalen Gräbern, eine Holztafel. 2015 gab die Stadt für 955 Sozialbestattungen 1,7 Millionen Euro aus. Heuer fanden bis Oktober bereits über 800 "Armenbegräbnisse" statt.

Alles geht schnell. Die Bestatter umhüllen den Sarg von Valentina I. mit einer Samtdecke auf dem schwarzen Leichenwagen. Totengräber begleiten sie, legen ihr rot-weiße Blumen aufs Holz. Plötzlich kommen drei Personen angelaufen. "Valentina?", fragen sie. Die Angehörigen haben es sich in letzter Sekunde überlegt, sie noch zu verabschieden.

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