Fr, 22. Juni 2018

Schauspielhaus Graz

16.09.2016 18:50

Rosegger-Stück leidet an Regie

Die wachsende Unsicherheit und den damit verbundenen Rechtsruck thematisiert Thomas Arzt vielschichtig und humorvoll in seinem Stück "Die Neigung des Peter Rosegger". Die Uraufführung am Grazer Schauspielhaus krankt jedoch an der unkonzentrierten, mitunter bummelwitzigen Regie von Nina Gühlsdorff.

Ein Erdbeben in einer steirischen Provinzstadt bringt das Rosegger-Denkmal in eine leichte Rechtsneigung. Und legt tiefe Risse in der Gemeinschaft frei. In feinen und manchmal auch gröberen Zwischentönen erkundet Thomas Arzt in seinem Stück "Die Neigung des Peter Rosegger" die Gründe für den Rechtsruck und die zunehmende Spaltung in unserer Gesellschaft. Dazu zieht er die volkstümliche Musik beziehungsweise den Volks-Rock’n’Roll ebenso heran wie die Texte von Peter Rosegger, ohne sich über den "in der Steiermark weltberühmten" Autor lustig zu machen. Bei Arzt gibt es kein Schwarz und Weiß, sondern die unendlich vielen Grautöne dazwischen, seine Methode ist nicht das Anprangern, vielmehr ein durchaus subtiles Warnen vor Nationalismus und Radikalisierung.

Regisseurin Nina Gühlsdorff schenkt sich die Grau-Nuancen und setzt lieber mit Unterstützung ihrer Ausstatterin Marouscha Levy auf das Knallbunte, Groteske. Damit tut sie dem Text und auch der Aufführung keinen Gefallen. Sie lässt die Schauspieler und Musiker in einer Art Parodie des "Watzmann" (der an sich ja schon die Parodie auf die Heimatseligkeit ist) auflaufen. Und gerade zu Beginn tötet der Klamauk jeden Zwischenton. Nach der Pause wird’s besser, die Eskalation bringt auch etwas Schärfe mit sich.

Einmal mehr eine Freude sind die Schauspieler, allen voran Florian Köhler als Bauunternehmer Wiesinger mit Nazi-Familienvergangenheit und Henriette Blumenau als Archivarin, Frau Magister Trost. Aber auch Evamaria Salcher als Bürgermeisterin und Niko Link als Arbeiter überzeugen. Susanne Konstanze Weber lässt dunkle Seiten sehen und Franz Xaver Zach versucht sich als Seismologe in Ursachenforschung.

Mit etwas weniger Oberflächenbearbeitung und mehr Mut zum Tiefgang hätte es ein wirklich schöner Abend werden können.

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