16.06.2006 12:41 |

¿Shapes¿

Wolfgang Haffners neues Album

Die Chance, dass jemand Wolfgang Haffner in Österreich kennt, ist noch relativ gering. Die, dass man ihn schon einmal gehört hat, hingegen relativ hoch. Seit Jahren gilt der 41-jährige Deutsche als einer der musikalischsten Schlagzeuger Europas. Als Sessiondrummer hat er für die Fantastischen Vier, die No Angels, Stefan Raab, Helge Schneider und etliche BigBands getrommelt und produziert. Richtig gut wird’s aber erst, wenn er auf Solopfaden wandelt, dann zaubert er mit hochkarätigen Musikern Klangwolken, die man nirgendwo sonst vorgesetzt bekommt. So auch auf seinem neuen Album „Shapes“. Ein Geheimtipp.

Dass Schlagzeuger mit sechs Jahren beginnen, ihr Instrument zu erlernen, das ist nichts Ungewöhnliches. Bei Wolfgang Haffner war jedoch von Anfang an das Klavier mit dabei, was in sich den Vorteil birgt, dass aus ihm kein purer Schlagzeuger wurde, sondern
eigentlich ein Musiker, der vom Drumset aus
seine Melodien entwickelt.

350 Studioproduktionen entstanden bisher mit seiner Beteiligung, hauptsächlich im Jazz- und Funkbereich, aber hin und wieder arbeitet er auch für Pop-Bands. Dazwischen gingen sich elf Soloproduktionen bzw. Soloalben aus. Die ersten neun entstanden zwischen 1997 und 2001 und da beschäftigte sich der gebürtige Franke noch fast ausschließlich mit Funk und brasslastigen Arrangements.

Seit dem Album „Zooming“ im Jahre 2004 hat Wolfgang Haffner aber eine Melange aus melodischem Light-Jazz und sanften, elektronischen Klangwolken kreiert, die potentiell jeden ansprechen kann. Treffend, dass ihn seine Plattenfirma in der Rubrik „Nu Jazz“ führt. Obwohl das auch noch fast zu stark eingrenzt…

Auf seiner neuen Platte „Shapes“ hat der schlagzeugernde Musiker etliche Garanten für einen hohen Chill-Faktor versammelt und mit ihnen ein vielschichtiges Album geschaffen. Allen voran Posaunist und Mitproduzent Nils Landgren, der mit seinen lässigen Fills sowieso aus der Schublade des typischen BigBand-Ziehers ausbricht und dem Wolfgang Haffners seine sphärischen Arrangements treffend auf den Leib geschrieben hat.

Die insgesamt 12 Songs, von denen nur zwei unter vier Minuten dauern, tragen klingende Titel wie „Faithless, „Cruisin“ oder „Space Calzone“. In jeden taucht man förmlich ein – wären da nicht kurze Pausen zwischen den Tracks, man würde nicht einmal merken wie man durch das ganze Album getragen wird. Instinktiv schließt man die Augen. Das funktioniert selbst dann noch, wenn man die Rushhour in der lauten U-Bahn erwischt hat und sich Wolfgang Haffner in die Ohren stöpselt, um den Pegel etwas zu dämmen. „Shapes“ ist Musik zum Atmen!

9 von 10 leisen Drummern


Christoph Andert

Donnerstag, 02. Juli 2020
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