Mo, 25. Juni 2018

Atomunfall

26.04.2006 18:08

20 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe

Mit Gottesdiensten und Schweigeminuten haben zehntausende Menschen in der Ukraine, Weißrussland und Russland der Atom-Katastrophe von Tschernobyl vor 20 Jahren gedacht. Am Ort der Tragödie in der Nordukraine versammeln sich frühere Mitarbeiter zu Ehren der Opfer. In Moskau werden Greenpeace-Mitglieder festgenommen, die trotz Demonstrationsverbot gegen Russlands Atomkraftnutzung protestieren.

Mit einer Schweigeminute gedachte die Ukraine Mittwoch Früh der Reaktorkatastrophe. Hunderte Menschen zogen mit brennenden Kerzen und roten Nelken durch die Straßen von Slawutysch. Der Ort wurde für die Arbeiter des Atomkraftwerks gebaut, nachdem am 26. April 1986 der Reaktor des Blocks IV explodiert war.

Im Laufe des Tages wurde Präsident Juschtschenko in der Sperrzone um Tschernobyl erwartet. Im der Ukraine benachbarten Weißrussland, das bis heute am stärksten von der bisher schlimmsten Atomkatastrophe der Geschichte betroffen ist, werden am Abend in Minsk tausende Menschen zu einem Tschernobyl-Marsch erwartet. Die Veranstaltung ist traditionell zugleich eine Protestkundgebung gegen das Regime von Staatspräsident Lukaschenko.

Noch immer Unklarheiten über die genaue Anzahl der Toten
Nach dem Unfall gelangte tagelang radioaktives Material in die Luft und wurde nach ganz Europa geweht. In weiten Teile Europas wurden damals erhöhte Strahlenwerte gemessen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO erwartet 9.000 Tote in Zusammenhang mit der Explosion, die Umweltorganisation Greenpeace geht von 93.000 Toten aus. Bis heute werden Missbildungen bei Neugeborenen als Folge der radioaktiven Belastung registriert.

Hunderttausende Menschen mussten in Folge des Störfalls ihre Häuser verlassen und wurden umgesiedelt. Dennoch gehen die Vereinten Nationen davon aus, dass immer noch sieben Millionen Menschen in Regionen mit erhöhtem Strahlenwert leben. Der zerstörte Reaktor wurde mit westlicher Hilfe in einen Beton-Sarkophag eingeschlossen, der nun erneuert werden soll.

"Die heutigen Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des Unfalls bedeuten leider nicht, dass wir uns von Tschernobyl verabschieden können", sagte Parlamentssprecher Wolodymyr Lytwyn während einer Sondersitzung des Gremiums. "Der Reaktorunfall wird die Menschen im Land noch mehr als eine Generation lang beschäftigen."

Papst gedachte der Opfer
In Rom gedachte Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz am Mittwoch der Opfer von Tschernobyl. Der Papst betonte, er bete für die Opfer, deren Körper gezeichnet seien, und bitte, dass der Herr die Verantwortlichen für das Schicksal der Menschheit erleuchten möge. Rund 50.000 Pilger aus aller Welt waren auf dem Petersplatz versammelt, um die Ansprache des Papstes zu hören.

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