13.02.2006 19:24 |

Prügel-Video

Irakische Buben verprügelt: Brite verhaftet

Nach der Veröffentlichung eines Videos mit prügelnden britischen Soldaten im Irak hat es die erste Festnahme gegeben. Das Verteidigungsministerium in London wollte sich am Montag nicht dazu äußern, ob es sich bei dem festgenommenen Mann um einen der uniformierten Schläger handelte. Die Militärpolizei geht aber davon aus, dass die am Wochenende bekannt gewordenen Aufnahmen echt sind. Sie sollen bereits vor zwei Jahren gemacht worden sein. Der Irak forderte eine umfassende und schnelle Aufklärung.

Auf dem "Prügel-Video" ist eine Gruppe von britischen Soldaten zu sehen, die heftig auf irakische Jugendliche einschlagen und sie mehrfach mit Füßen treten. Zur Identität des festgenommenen Mannes wollte sich das Verteidigungsministerium nicht äußern. Offen blieb zunächst auch, wo der Verdächtige in Gewahrsam genommen wurde. Die Ermittlungen stünden noch ganz am Anfang, hieß es. Premierminister Tony Blair sagte eine gründliche Untersuchung zu.

Intensive Ermittlungen
Nach einem Bericht der Tageszeitung "The Guardian" sind die Ermittler intensiv um die Identifizierung der Soldaten bemüht. Dabei führe eine Spur auch nach Deutschland. Die Täter könnten zur 20. Panzerbrigade gehören, die in der Nähe von Paderborn stationiert ist. Angehörige dieser Einheit seien bis April 2004 in der südirakischen Stadt Basra stationiert gewesen, wo das Video im März desselben Jahres aufgenommen worden sei. Eine Sprecherin der britischen Streitkräfte in Deutschland sagte in Mönchengladbach, sie könne nicht bestätigen, dass die Einheit des Festgenommenen in Deutschland stationiert war.

(Noch) keine Ausschreitungen
Der Bürgermeister von Basra, Mohammed el-Abadi forderte eine rasche Aufklärung. Die Menschen im Irak müssten eine Zusicherung bekommen, dass sie nicht "weiterhin gedemütigt werden". Das "Prügel-Video" wurde auch von Fernsehanstalten im Nahen Osten ausgestrahlt. Die befürchteten Ausschreitungen blieben jedoch aus.

Premierminister Blair verteidigte am Montag in einem Interview erneut die Teilnahme Großbritanniens an der von den USA angeführten Invasion Iraks. Auch mit dem Kenntnisstand von heute hätte er "die Entscheidung gefällt, Saddam zu stürzen, denn die Alternative wäre, dass er trotz Verletzung von UN-Resolutionen mit all den Ambitionen, die er hatte, an der Macht geblieben wäre".