Tirols Vize-Landesumweltanwalt Walter Tschon steht zur Wasserkraft, gegen das Fluten des Platzertales (Großprojekt Versetz, Kaunertal) listet er aber etliche Argumente auf – nicht nur in Hinblick auf den Schutz eines bisher unberührten Hochtales.
Die Debatte um das Tiwag-Megaprojekt Kaunertal mit dem Speicher im Platzertal reißt nicht ab. Wie berichtet, hatte der Landesenergieversorger eine Studie präsentiert, die eine Wertschöpfung von fast 1 Milliarde Euro sieht. Abgesehen davon, dass sich der Energieverbrauch Tirols bis 2040 verdopple.
„Stehe grundsätzlich zu Wasserkraft“
Dazu meldete sich der stv. Landesumweltanwalt Walter Tschon zu Wort, der kein Verhinderer sein will, mantraartig betont: „Ich stehe grundsätzlich zu sauberer und umweltverträglicher Wasserkraft“, ein Austausch mit der Tiwag abseits von Schwarz-Weiß-Denken finde regelmäßig statt.
Dem Landschaftsverbrauch im Platzertal steht kein entsprechender Beitrag zur Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit gegenüber.

Stv. Landesumweltanwalt Walter Tschon
Bild: Christof Birbaumer
Prinzipiell sinnvoll, aber solche Täler seien tabu
Tschon ist aber überzeugt: „Dem Landschaftsverbrauch im Platzertal steht kein entsprechender Beitrag zur Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit gegenüber.“ Man habe klar und frühzeitig – „schon vor etwa einem Jahrzehnt“ – gegenüber den jeweils Verantwortlichen der Tiwag angemerkt, dass das in dieser Form projektierte Kraftwerk im Kaunertal unter Heranziehung des Platzertals nicht die Zustimmung der Landesumweltanwaltschaft findet. Dies sei auch in den bisherigen Verfahrensschritten jeweils schriftlich gegenüber der Bewilligungsbehörde festgehalten worden.
Wo und wie es die Vorarlberger besser machten
Große Pumpspeicherkraftwerke sollten weiter möglich sein – aber nur, wenn sie ökologisch vertretbar seien. Als Vorbild sieht er das Kraftwerk Kops II in Vorarlberg, wo eine umfangreiche Einbindung von Gemeinden, Bürgern und Umweltorganisationen gelang und man bewusst auf einen neuen Speicher in einem weiteren Hochtal verzichtete. „Gewusst wo und wie“, ist für Tschon entscheidend – immerhin seien seit 2012 mehr als 80 kleinere und mittlere Wasserkraftwerke genehmigt worden.
Urzustand für 10.000 Jahre nicht mehr erreichbar
Das Platzertal auf 2300 Meter Seehöhe sieht er als „einzigartigen Lebensraum“ – mit Mooren, Trockenbiotopen und gewundenen Bächen. Das Aufstauen hätte massive ökologische Folgen. „Solche besonderen Lebensräume sind derart bedeutend für den Alpenraum, dass sie zudem unter besonderem rechtlichem Schutz, auch der EU, stehen. Es würde mindestens 10.000 Jahre dauern, bis das Tal wieder so aussehen würde wie jetzt.“
Tschon schlägt den Ausbau und Erhalt bestehender Speicherkraftwerke zu Pumpspeichern vor – dies sei „unendlich nachhaltiger und zukunftsfähiger“. Darüber hinaus sei die völlige Energieautonomie Tirols in Zeiten der europäischen Netze kein absolutes Muss.
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