Chocolatière Eveline Wild hat aus Zucker, Kakao und Kreativität ein erfolgreiches Geschäftsmodell gemacht. Dank Social-Media-Profis erreicht sie ein Millionenpublikum.
Wenn Eveline Wild in ihrer Schokoladenküche werkt, dann verfolgen mehrere Kameras das Schaffen der TV-Köchin, bekannt aus „Frisch gekocht“ oder „Kulinarium“. Die 45-Jährige muss jedoch auch dort sichtbar sein, wo noch mehr Aufmerksamkeit ist – im digitalen Schaufenster.
Schokoglasuren in Zeitlupe
Dabei setzt die Unternehmerin auf kreative Social-Media-Köpfe aus dem Bezirk Weiz: „Ich habe gar nicht die Zeit und das Wissen, um mich professionell und werbewirksam auf den Social-Media-Kanälen zu präsentieren.“ Das überlässt sie Philipp Reisinger (24) und Fabian Ederer (23), die mit der Konditorin neue Wege in der Vermarktung gehen. Fotos werden inszeniert wie kleine Kunstwerke, Videos zeigen glänzende Schokoladenglasuren in Zeitlupe, vom telegenen Profi kommen Tipps und Anleitungen zum Selbermachen. Hinter jedem Posting und kreativen Video steckt eine klare Strategie. Es geht nicht nur ums Backen – es geht um Markenbildung.
„Mit dem Gespür fürs Wesentliche wollen wir kreativ verspielt größtmögliches Interesse wecken“, spricht der gelernte Metalltechniker Philipp, der sich gemeinsam mit Freund Fabian als Social-Media-Agentur selbstständig gemacht hat und mittlerweile ein Dutzend Unternehmen ins digitale Schaufenster hievt.
Mit Salzstangerln die Millionenmarke gesprengt
Binnen kurzer Zeit hat sich die Anzahl der Follower beim „Wilden Eder“ in St. Kathrein am Offenegg verdreifacht. Der „süße Valentinsgruß“ von Eveline Eder wurde 135.000-mal vernascht. „Die mit Maurerspachteln zubereiteten Salzstangerl haben sogar die Millionenmarke gesprengt“, freut sich Philipp Reisinger.
„Auf Social Media kann man nicht mehr verzichten“, wirbt der Werbeprofi für das junge Medium, das täglich mit neuem Content beliefert wird. Von TikTok hält der 24-Jährige wenig, der lieber dort schaltet, wo sich die „Älteren“ tummeln. „Nur auf Facebook lassen sich Geschäfte machen, da findet sich eher ein zahlungskräftiges Publikum, das in meinem Online-Shop stöbert“, spricht Eveline Wild aus ihrer Internet-Pralinenwelt.
Und genau hier wird es spannend. Denn während Wild ihre Desserts online perfekt in Szene setzt, stellt sie gleichzeitig eine Frage, die gerade in der Fastenzeit viele beschäftigt: Wie viel Süßes braucht der Mensch eigentlich? Die klassische Fastenzeit bedeutet Verzicht. Doch in einer Welt voller Food-Posts und Dessert-Trends wird dieser Verzicht zunehmend zur Herausforderung. Wer täglich durch perfekt inszenierte Torten und leckere Bäckereien scrollt, fastet nicht nur mit dem Gaumen, sondern auch mit den Augen. „Schon die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Menschen in der Fastenzeit auf Süßes verzichten. Zwischen Valentin und Ostern geht der Verkauf an süßen Leckereien markant zurück“, liest Eveline Wild ohne Groll aus den Verkaufszahlen. „Während Menschen in dieser Zeit die Lust auf Süßes einschränken, bereite ich mich schon auf Ostern vor.“
Wie man im digitalen Zeitalter fasten kann
Interessant ist, dass sich das Fasten selbst verändert hat. Neben dem Verzicht auf Lebensmittel gewinnt der bewusste Umgang mit Medien an Bedeutung. „In meinem Bekanntenkreis wird heuer auffällig oft beim Handy gefastet“, bestätigt Philipp Reisinger den erfreulichen Trend, der eventuell von der Diskussion um ein Social-Media-Verbot für Kinder befeuert wird. „Ich bin dafür und hoffe, dass sich auch die Regierung dazu durchringen kann, damit es noch meine jüngste Tochter (5) erlebt“, hofft die Köchin, die sich selbst in ihrer Social-Media-Nutzung reglementiert und „Handyverbot“ als Erziehungsmittel bei Sohn Kilian (13) einsetzt.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.