Ortschef kritisiert

„So sterben ländliche Gebiete auf alle Fälle aus“

Salzburg
15.02.2026 12:00

Wer keine Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz hat, bekommt kein Bauland gewidmet. Kurios: Taxenbach hat mit den neuen Öffi-Linien auch externe Ortsteile angebunden – gewidmet wird hier trotzdem nicht.

Eschenau in Taxenbach. Rund 400 Einwohner leben in dem entlegenen Ortsteil der Salzachtalgemeinde. Ringsherum die Bergwelt der Hohen Tauern. Ein Idyll – aber abgeschottet. Wer hier lebt, kann ohne Auto oder Moped kaum zum Arzt, einkaufen, zur Schule oder zu Freunden außerhalb. Umso besser wird hier das neue Mikro-Öffi-System angenommen.

Kurz erklärt: Kleinbusse fahren neu errichtete Haltestellen an und bringen die Bewohner entweder zu den nächstgrößeren Öffi-Anbindungen oder ins Taxenbacher Ortszentrum. Seit Dezember ist es in Betrieb, angenommen wird es bestens, erklärt Johann Gassner, ÖVP-Ortschef: „Ich habe ausschließlich positive Rückmeldungen, die neuen Busse werden super angenommen.“

Ohne Widmung ist keine Erweiterung möglich
Jetzt wird es aber knifflig. Denn obwohl Eschenau und die anderen entlegenen Ortsteile von Taxenbach die neuen Öffi-Anbindungen haben, sind diese Mikrosysteme nicht für Widmungen relevant.

Der Taxenbacher Ortsteil Eschenau.
Der Taxenbacher Ortsteil Eschenau.(Bild: Kerstin Jönsson)

Das bringt Gassner auf die Palme: „Wir haben das eingerichtet, wir nehmen Geld in die Hand. Wir schauen, dass die Gemeinde erschlossen ist. Und dann kriegen Familien, die für ihre Kinder bauen wollen, damit sie hier bleiben, keine Widmung? Das verstehe ich nicht.“  

Tatsächlich sind Mikro-Öffis in der Raumordnung nicht als Öffi-Anbindung erfasst. Kurz zur Erklärung: Wer Grünland in Bauland verwandeln will, muss diverse Kriterien erfüllen. Am Land zählt hier, dass innerhalb von 500 Metern Entfernung ein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung stehen soll. Gassner versteht die Welt nicht mehr: „So sterben ländliche Gebiete auf alle Fälle weiterhin aus.“ 

Landesrat Martin Zauner nimmt sich des Themas an.
Landesrat Martin Zauner nimmt sich des Themas an.(Bild: Andreas Tröster)

Politisch ist die Raumordnung bei FPÖ-Landesrat Martin Zauner angesiedelt. Zauner sagt im „Krone“-Gespräch: „Wir richten uns bei Widmungen in solchen Gebieten nach den Beurteilungen der Verkehrsplaner. Zudem ist jede Widmung im Endeffekt einzelfallbezogen. Da muss man sich eben jeden Anlassfall genau anschauen.“

Man kenne mehrere solcher Fälle im Land: „Ein Problem ist, dass bei Mikro-Öffis die Zukunftsperspektive fehlt, weil die Finanzierung vorerst nur für drei Jahre gesichert ist.“ Zauner sagt, dass man das Thema bei der Überarbeitung des Entwicklungsplans berücksichtigen werde.

Fünf solcher Mikro-Öffi-Linien wurden in den vergangenen drei Jahren im Pinzgau, Pongau, Tennengau und im Lungau von Landesrat Stefan Schnöll (ÖVP) umgesetzt. Bis Ende 2026 soll Flachgau Nord erschlossen werden. Gewidmet werden kann aber weiterhin nur schwer.

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