Wer keine Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz hat, bekommt kein Bauland gewidmet. Kurios: Taxenbach hat mit den neuen Öffi-Linien auch externe Ortsteile angebunden – gewidmet wird hier trotzdem nicht.
Eschenau in Taxenbach. Rund 400 Einwohner leben in dem entlegenen Ortsteil der Salzachtalgemeinde. Ringsherum die Bergwelt der Hohen Tauern. Ein Idyll – aber abgeschottet. Wer hier lebt, kann ohne Auto oder Moped kaum zum Arzt, einkaufen, zur Schule oder zu Freunden außerhalb. Umso besser wird hier das neue Mikro-Öffi-System angenommen.
Kurz erklärt: Kleinbusse fahren neu errichtete Haltestellen an und bringen die Bewohner entweder zu den nächstgrößeren Öffi-Anbindungen oder ins Taxenbacher Ortszentrum. Seit Dezember ist es in Betrieb, angenommen wird es bestens, erklärt Johann Gassner, ÖVP-Ortschef: „Ich habe ausschließlich positive Rückmeldungen, die neuen Busse werden super angenommen.“
Ohne Widmung ist keine Erweiterung möglich
Jetzt wird es aber knifflig. Denn obwohl Eschenau und die anderen entlegenen Ortsteile von Taxenbach die neuen Öffi-Anbindungen haben, sind diese Mikrosysteme nicht für Widmungen relevant.
Das bringt Gassner auf die Palme: „Wir haben das eingerichtet, wir nehmen Geld in die Hand. Wir schauen, dass die Gemeinde erschlossen ist. Und dann kriegen Familien, die für ihre Kinder bauen wollen, damit sie hier bleiben, keine Widmung? Das verstehe ich nicht.“
Tatsächlich sind Mikro-Öffis in der Raumordnung nicht als Öffi-Anbindung erfasst. Kurz zur Erklärung: Wer Grünland in Bauland verwandeln will, muss diverse Kriterien erfüllen. Am Land zählt hier, dass innerhalb von 500 Metern Entfernung ein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung stehen soll. Gassner versteht die Welt nicht mehr: „So sterben ländliche Gebiete auf alle Fälle weiterhin aus.“
Politisch ist die Raumordnung bei FPÖ-Landesrat Martin Zauner angesiedelt. Zauner sagt im „Krone“-Gespräch: „Wir richten uns bei Widmungen in solchen Gebieten nach den Beurteilungen der Verkehrsplaner. Zudem ist jede Widmung im Endeffekt einzelfallbezogen. Da muss man sich eben jeden Anlassfall genau anschauen.“
Man kenne mehrere solcher Fälle im Land: „Ein Problem ist, dass bei Mikro-Öffis die Zukunftsperspektive fehlt, weil die Finanzierung vorerst nur für drei Jahre gesichert ist.“ Zauner sagt, dass man das Thema bei der Überarbeitung des Entwicklungsplans berücksichtigen werde.
Fünf solcher Mikro-Öffi-Linien wurden in den vergangenen drei Jahren im Pinzgau, Pongau, Tennengau und im Lungau von Landesrat Stefan Schnöll (ÖVP) umgesetzt. Bis Ende 2026 soll Flachgau Nord erschlossen werden. Gewidmet werden kann aber weiterhin nur schwer.
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.