Vor bald sieben Jahren stürzte in Kanada ein Wasserflugzeug ab. Ein überlebender Mann aus Traiskirchen (NÖ) schreibt sich in seinem Buch die extrem traumatischen Bilder von der Seele.
Zwei Jahre hat Martin Schotte auf diesen Moment gewartet. Das Flugzeug ist klein, nur neun Passagiere legen am 26. Juli 2019 ihren Gurt an. Das Ziel: der Hakai Pass im Westen Kanadas. Ein Paradies für Angler, und „Naturburschen“. Schotte, der von Deutschland nach Traiskirchen im Bezirk Baden gezogen war, wollte gemeinsam mit seinem besten Freund Harald E. Lachse angeln. Die beiden Männer hatten bereits drei Jahre zuvor Angelerfahrungen in Kanada gesammelt.
Als sie diesmal in Vancouver abhoben, herrschte über nahezu unberührter Natur echtes Postkarten-Wetter. „Rechts aus dem Fenster waren schneebedeckte Berge und Gletscher zu sehen, links der blaue Himmel“, schildert Schotte. Hunderte kleine Inseln ragen aus dem Meer. Außentemperatur unten am Wasser: 10 Grad.
Wetter schlug plötzlich um
Noch ahnte niemand der neun Passagiere, dass der Flug einen tiefen Einschnitt in ihr Leben bedeuten würde. Wenige Minuten vor der geplanten Landung geriet das Flugzeug ins Trudeln. Schotte: „Schlagartig war das Wetter schlechter geworden.“ Martin Schotte saß ganz hinten rechts und spürte wie alle anderen das Rumpeln in den immer dichter werdenden Wolken. Er blickte zu seinem Freund Harald, der weiter vorn saß. „Plötzlich konnte ich Baumspitzen direkt vor dem Fenster erkennen.“ Mit voller Wucht durchschlugen die Stämme den Flugzeugrumpf. Die Truppe stürzte auf der Insel Addenbroke Island ab.
Fischerboote fanden Überlebende
„Es war völlig ruhig, ganz anders als man das in den Filmen sieht“, erinnert sich Schotte an den Moment, als er wieder zu sich kam. Für seinen Freund, auch noch bei Bewusstsein, und die anderen Verletzten wollte er so schnell wie möglich Hilfe holen. „Ich war jener Passagier, der am wenigsten abbekommen hatte. Also marschierte ich zur Küste der Insel.“ Handyempfang gab es nicht. Doch kleine Fischerboote kamen zur Rettung. Kurze Zeit später die traurige Gewissheit: Martin Schottes Freund Harald hatte das Unglück nicht überlebt. Er hatte Schotte einst als Koch ausgebildet.
Die Bilder verschwanden nicht. Immer wieder sah ich vor dem Einschlafen die Baumwipfel auf mich zukommen.

Martin Schotte, Autor von „Mein langer Weg zurück nach Addenbroke Island“
Bild: Attila Molnar
In Traiskirchen führt Schotte gemeinsam mit seiner Frau Dagmar das Generationen-Gasthaus Holzinger. Wenige Tage nach dem Absturz kam er zuhause an, und schottete sich vor den Erinnerungen mit Arbeit ab – trotz gebrochener Rippen. Die Knochenbrüche heilten. „Doch die Bilder verschwanden nicht. Immer wieder sah ich vor dem Einschlafen die Baumwipfel auf mich zukommen“, beschreibt Schotte die Zeit nach den tragischen Ereignissen. Auch den stechenden Geruch vom Kerosin hatte er noch in der Nase.
Die Covid-Pandemie machte vorerst eine Rückkehr zur Absturzstelle zur Aufarbeitung des Erlebten unmöglich. Erst 2022 steckte Der Wirt ein Holzkreuz in den Wald auf Addenbroke Island , wo einst das Flugzeug-Wrack zum Liegen und sein Freund ums Leben gekommen war. Eine Therapie half, das Trauma zu überwinden. Eines Tages begann Martin Schotte, seine Gedanken zu Papier zu bringen. Zuerst nur für sich selbst. Daraus wurde dann das Buch „Mein langer Weg zurück nach Addenbroke Island“, in dem er auch festhält: „Ich bin dankbar, dass ich mein Leben weiterleben darf.“
Nicht nur im Buch spricht Martin Schotte über das Trauma, auch im Podcast „Nach dem Absturz“ spricht er gemeinsam mit Therapeuten und weiteren Beteiligten über das, was passiert ist.
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