Die HTI-Gruppe, zu der unter anderem der Seilbahnenbauer Leitner, Poma, Bartholet sowie Prinoth und Demaclenko, der Südtiroler Wasserkraftexperte Troyer oder Leitwind gehören, hat 5000 Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Euro. Die „Krone“ traf Vorstandschef Anton Seeber vor dem Kitz-Rennwochenende.
„Krone“: Herr Seeber, dieses Wochenende gehen die Weltcuprennen in Kitzbühel über die Bühne. Sie stehen einem Unternehmen vor, das praktisch in allen Skigebieten der Welt vertreten ist. Wie wichtig ist die Skiindustrie für die HTI-Gruppe?
Anton Seeber: Der Wintersport stand ganz am Anfang unserer Firmengeschichte und bleibt natürlich ein integraler und ganz wichtiger Bestandteil unseres Portfolios. Da gibt es viele Partnerschaften, die über Jahrzehnte gewachsen sind und die auch maßgeblich zu unserem Erfolg beitragen. Wintersport und alpiner Tourismus tragen maßgeblich zur Lebensqualität in zahlreichen Regionen im Alpenbogen bei. Deswegen ist er auch für uns von großer Bedeutung. Auch mit Kitzbühel verbindet uns eine vertrauensvolle und langjährige Beziehung.
2024 hat die HTI-Gruppe 1,4 Milliarden Euro umgesetzt. Wie ist das Jahr 2025 für die Gruppe gelaufen?
Nun – wir schließen unser Geschäftsjahr zwar erst Ende Jänner ab, aber wir werden wohl den Vorjahresumsatz steigern und werden die 1,5 Milliarden Euro übertreffen. Wir haben letztes Jahr ganz viele prominente Projekte abgeschlossen: die dritte urbane Seilbahn im kolumbianischen Manizales, die Apfelseilbahn in Nonstal, eine Stadtseilbahn auf Korsika in Ajaccio, aber auch die Lieferung seitens Prinoth von zehn Panther XL in die Antarktis. Besonders erfreulich war die Entwicklung im Beschneiungssegment. Demaclenko konnte 2025 so viele Projekte wie nie zuvor und eine Rekordanzahl von Schneeerzeugern umsetzen. Und wir haben mit dem nordamerikanischen Beschneiungshersteller HKD sowie der „Garage Europa“ in Sterzing auch zwei neue Unternehmen integriert.
Sie setzen auf maximale Eigenständigkeit Ihrer Firmen in der HTI-Gruppe – wie kann das funktionieren?
In den letzten Jahrzehnten konnten wir neue Geschäftsfelder erschließen und auch in Zukunftstechnologien einsteigen. Das ist enorm wichtig, wenn wir die Zukunft meistern und den Bestand des Unternehmens bestmöglich sicherstellen wollen. Dort, wo es Sinn macht, werden Gruppen-Standards eingezogen. Aber auf den Märkten und im Kontakt mit unseren Kunden ist es wichtig, wenn die Unternehmen der Gruppe so autonom wie möglich auftreten. Ich lasse das nicht nur zu, ich fordere es ein. Denn Verantwortung schafft Motivation.
Was steht 2026 an spannenden, internationalen Projekten an?
Wir werden heuer den größten Einzelauftrag unserer Firmengeschichte am Matterhornmassiv in Cervinia starten, wo zwei 3-S-Bahnen die Fahrzeit von Cervinia auf den Testa-Grigia von 50 auf 17 Minuten reduzieren werden. In Mexiko haben wir gerade mit Cablebus 4 und Cablebus 6 den Auftrag für zwei neue Bahnen mit mehr als 500 Kabinen und 23 Kilometern Länge erhalten und zwei weitere urbane Seilbahnen werden heuer noch ebenfalls in Mexiko fertiggestellt. Damit werden in Mexiko unsere urbanen Anlagen auf insgesamt mehr als 60 Kilometern in Betrieb sein. In Varanasi wird die erste urbane Seilbahn Indiens – realisiert von Bartholet – in Betrieb gehen. Zudem haben wir in Vietnam vor Kurzem ein umfangreiches Projekt gestartet. Hier realisieren wir eine 3-S-Bahn, die zwei Inseln verbindet und Ende 2027 in Betrieb gehen wird. Ganz besonders stolz sind wir darauf, in Queenstown (Neuseeland) die erste Stadtseilbahn Ozeaniens zu errichten. Die Vorarbeiten laufen, Baubeginn soll Anfang 2027 sein. Die Arbeiten im norwegischen Narvik, Austragungsort der Ski-WM 2029, wo wir Seilbahnen, Pistenfahrzeuge und Beschneiung liefern dürfen, sind ebenfalls im Plan.
In Ländern wie Österreich und Deutschland wird die industrielle Produktion immer schwieriger. Auch, weil das Wort Leistung hier schon fast ein Schimpfwort ist.

HTI-Vorstandschef Anton Seeber
Bild: KhZ
Und in Tirol?
In Tirol dürfen wir 2026 in Serfaus eine 8er-Sesselbahn, in Tulfes einen 6er-Sessellift, in Hochfügen eine 10er-Umlaufbahn und in Zams den Generalumbau der Venetbahn umsetzen.
Wie treffen Ihre Unternehmensgruppe die aktuellen Verwerfungen auf den internationalen Märkten und die Trump-Zölle?
Wir produzieren weltweit in 22 Produktionsstätten und auch direkt in den USA. Damit treffen uns die Zölle nicht essenziell. Das heißt, wir haben eine durchaus hohe Wertschöpfungstiefe in den verschiedenen lokalen Märkten und auch am US-Markt. Schwierig ist es heute in Ländern wie Österreich und Deutschland, eine industrielle Produktion zu tätigen. Das hat einerseits mit den exorbitant hohen Lohnstückkosten zu tun und andererseits mit gesellschaftspolitischen Trends, in denen Leistung fast zu einem Schimpfwort geworden ist.
Ihre Unternehmensgruppe umfasst auch Exoten wie den Vegetations-Experten Jarraff oder Materialseilbahnen von Agudio. Wie performen diese Firmen?
Bei Jarraff in Minnesota sind die Auftragsbücher voll, und Agudio realisiert in Indien einen Flyingbelt, also ein Förderband, das auf sechs Tragseilen aufgehängt ist – und zwar für die Adani-Gruppe und das Eisenerzbergwerk Taldih auf 2,8 Kilometern Länge. Auch hier gilt: Diversifikation und maximale Eigenverantwortung schaffen Motivation, Nähe zu den potenziellen Partnern und ermöglichen es uns, bestmögliche Lösungen mit unseren Kunden zu verwirklichen.
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