Die Gesetzesnovelle zur Schulassistenz wird im Februar-Landtag beschlossen. Was es damit auf sich hat und warum sie nötig ist, erläutert Bildungs-LR Cornelia Hagele im Interview mit der „Tiroler Krone“.
„Tiroler Krone“: Reformen bringen immer auch ein stückweit Sorgen und Verunsicherung. Was sagen Sie betroffenen Eltern und Familien?
LR Hagele: Ich weiß, dass es bei diesem Thema um viel geht – um Vertrauen, um Sicherheit und um den Bildungsweg unserer Kinder. Genau deshalb setzen wir auf ein transparentes System mit weniger Bürokratie, mehr Fairness und mehr Flexibilität. Unser Anspruch ist klar: Unterstützung soll schneller, gezielter und ohne Stigmatisierung bei den Kindern ankommen – und gleichzeitig Gemeinden und Schulen entlasten.
Was ist der Kern dieser Reform, die im Februar-Landtag beschlossen werden soll?
Der Kern der Reform ist schnellere Hilfe, weniger Bürokratie und mehr Flexibilität. Ab dem Schuljahr 2026/27 können Schulerhalter Zuschüsse zu den Lohnkosten für Schulassistenzen im Bildungsbereich beantragen. Und haben somit nur mehr eine zuständige Stelle. Das schafft Planungssicherheit für Gemeinden und Schulen – und vor allem kommt die Hilfe schneller bei den Kindern an. Wir übernehmen als Land Verantwortung und sorgen für eine einheitliche, transparente Abwicklung.
Künftig können wir besser auf Behinderungsbilder und Anforderungen vor Ort eingehen. Das Ziel bleibt beste Unterstützung für unsere Kinder.
Gesundheits-LR Cornelia Hagele (VP)
Teilhabe verbessern Bildungschancen
Kritische Stimmen befürchten, dass Kinder durch die neue Regelung Unterstützung verlieren könnten. Können Sie ihre Sorgen nachvollziehen?
Diese Sorgen nehme ich natürlich sehr ernst. Mir ist wichtig zu betonen: Wir werden niemandem etwas wegnehmen. Im Gegenteil – wir wollen ein gerechteres und bedarfsorientiertes System. Das bisherige Modell war stark an formale Kriterien geknüpft und hat einen Automatismus erzeugt, der vom tatsächlichen Bedarf teils entkoppelt war.
Welche Rolle spielt die Schulassistenz im Schulalltag – und warum ist sie für viele Kinder so entscheidend?
Schulassistenz unterstützt Kinder und Jugendliche mit Behinderung dort, wo sie im Schulalltag Hilfe brauchen. Ziel ist es, den Kindern die Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen und ihre Bildungschancen zu verbessern. Gleichzeitig geht es um soziale Teilhabe: Schulassistenz hilft dabei, dass Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen. Sie stärkt Selbstständigkeit, Miteinander und Vertrauen in eigene Fähigkeiten.
Personalsuche immer schwieriger
Welche Probleme wurden erkannt, die nun durch die Gesetzesnovelle behoben werden können?
Der Bedarf an Schulassistenz ist in den letzten Jahren stark gestiegen – und das ist grundsätzlich ein positives Zeichen, weil mehr Kinder mit Unterstützungsbedarf im Regelschulsystem ankommen. Gleichzeitig wird es aber immer schwieriger, ausreichend qualifiziertes Personal zu finden. Hinzu kommt: Das bisherige System war sehr starr. Und stellenweise hat es dazu geführt, dass drei oder sogar vier Schulassistentinnen bzw. Schulassistenten gleichzeitig in einer Klasse waren. Das ist organisatorisch schwierig, teuer und nicht immer im Sinne der Kinder.
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