Ehre für Barkeeperin

„Statt Soda Zitron nun alkoholfreie Cocktails“

Tirol
18.01.2026 12:00

Der „Falstaff Barguide 2026“ ist vor allem aus Tiroler Sicht sehr erfreulich: Denn die gebürtige Innsbruckerin Berit Glaser (38) wurde zur „Barfrau des Jahres“ gekürt. Mit der „Krone“ spricht sie unter anderem darüber, ob sich die Teuerung auf das Bestellverhalten auswirkt, wie der perfekte Cocktail aussieht und welche Kreationen derzeit voll im Trend liegen.

Mehr als 2300 Cocktailbars und rund 700 Weinbars aus dem deutschsprachigen Raum standen für die Bewertung zur Wahl. Jene 1000 Cocktailbars und 500 Weinbars mit den meisten Punkten haben es schlussendlich in den Guide geschafft.

Bewertet hat die Falstaff-Community. Zudem gab es eine Fachjury aus Insidern: Vor allem Personen, die hauptberuflich mit Bars, Weinbars und Trinken zu tun haben. In mehreren Kategorien wurden Auszeichnungen verliehen – so auch die „Barfrau des Jahres 2026“.

Diesen Titel sicherte sich die Tirolerin Berit Glaser. Sie ist Teil der Vogelfrei Gastronomie OG, die die Bars „Miranda“ und „Olinda“ in Wien führen.

Vor acht Jahren lernte Berit Glaser dieses Handwerk. Davor war sie in der Filmbranche tätig.
Vor acht Jahren lernte Berit Glaser dieses Handwerk. Davor war sie in der Filmbranche tätig.(Bild: Clara Maria Fickl)
In der Bar „Miranda“ ist die Tirolerin als Barkeeperin tätig.
In der Bar „Miranda“ ist die Tirolerin als Barkeeperin tätig.(Bild: Atelier Olschinsky)
Sie befindet sich in der Bundeshauptstadt.
Sie befindet sich in der Bundeshauptstadt.(Bild: Atelier Olschinsky)

„Krone“: Wie hat es sich angefühlt, als Sie von dieser Auszeichnung erfahren haben?
Berit Glaser: Ich war überrascht. Dieser Titel ist natürlich eine große Wertschätzung und Extra-Aufmerksamkeit, über die ich mich samt dem ganzen Team freue. Fast noch mehr begeistern mich die Reaktionen aus der Branche. Menschen freuen sich ehrlich für mich und mit mir – das tut sehr gut. Und das ist auch der Grund, warum ich mich im ,Miranda’ dermaßen wohlfühle. Es ist alles total freundschaftlich, Ellbogen werden keine ausgefahren. Ich komme aus der Filmbranche und weiß, dass es auch anders gehen kann.

Wann haben Sie das Handwerk hinter der Bar gelernt?
Vor acht Jahren. Ich bin in das ,Miranda’ gekommen, das war mein erster Gastrojob. Ich wollte gut versichert sein und möglichst wenig arbeiten, um mich um meine Kunst kümmern zu können. Dass ich mich so in die Bar, den Job und die Menschen verliebe – ich kann das gar nicht genug unterstreichen, wie nah mir meine Mitinhaber, Angestellten und Ex-Mitarbeiterenden stehen -, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich bin nach wie vor Barkeeperin im ,Miranda’. Wir legen ein Augenmerk auf gute Drinks, tauschen uns mit anderen Barbetreibern aus und bleiben am Ball. Zudem schaffen wir eine Art Wohlfühloase. Wir haben die gesamte Bar gut im Blick und die Situation am Schirm, das wird geschätzt. So sitzen auch Frauen gerne alleine entspannt an unserer Bar. Die Gäste bleiben uns treu, wir dürfen uns über viel Stammpublikum freuen.

Klarheit zeichnen die Kreationen von Berit Glaser aus.
Klarheit zeichnen die Kreationen von Berit Glaser aus.(Bild: Clara Maria Fickl)
Alles, was nichts mit dem Drink zu tun hat, muss weggelassen werden.
Alles, was nichts mit dem Drink zu tun hat, muss weggelassen werden.(Bild: Clara Maria Fickl)
Die Ästhetik spielt für die 38-Jährige eine große Rolle.
Die Ästhetik spielt für die 38-Jährige eine große Rolle.(Bild: Clara Maria Fickl)

Welche Eigenschaften zeichnen Sie als Barfrau aus?
In erster Linie das Gastgebertum sowie mein Schmäh. Ich spreche auch mit den Gästen über ihre Bestellung und kläre sie über die Inhalte auf. Denn manche bestellen einen Cocktail nur deshalb, weil sie den Namen cool finden – ohne die richtige Vorstellung davon zu haben, was sie bei der Zusammensetzung der Zutaten geschmacklich erwartet. Und dann versuche ich auch immer wieder, aus klassischen Spirituosen wie Gin oder Wodka etwas zu kreieren, das Spaß macht.

Wie sieht in Ihren Augen der perfekte Cocktail aus?
Hier schließe ich mich Antoine de Saint-Exupery an, der sinngemäß sagte: ,Ein Cocktail ist dann perfekt, wenn man keine Zutat weggeben kann!’ Das heißt im Umkehrschluss: All das, was nichts mit dem Drink zu tun hat, gehört weg – vor allem all das, was nicht essbar und nicht nachhaltig ist.

Haben sich die Getränke im Laufe der vergangenen Jahre verändert oder bleiben Klassiker immer bestehen?
Es gibt gewisse Wellen für Cocktails. Den Espresso Martini etwa gibt es schon seit geraumer Zeit, vor wenigen Jahren poppte er wieder total auf. Gut bewährte Getränke bleiben, Klassiker sind nicht umsonst Klassiker. In schwierigen Zeiten wollen nicht alle auch noch komplizierte Getränke.

Berit Glaser ist mit voller Leidenschaft bei der Sache.
Berit Glaser ist mit voller Leidenschaft bei der Sache.(Bild: Jan Tiam Dorfer/ Falstaff)
Sie wählt auch die perfekten Gläser für die Cocktails aus.
Sie wählt auch die perfekten Gläser für die Cocktails aus.(Bild: Jan Tiam Dorfer/ Falstaff)
Die Falstaff-Jury hat die gebürtige Tirolerin mit ihrern Kreationen überzeugt.
Die Falstaff-Jury hat die gebürtige Tirolerin mit ihrern Kreationen überzeugt.(Bild: Clara Maria Fickl)

Macht sich die Teuerung beim Bestellverhalten Ihrer Gäste bemerkbar?
Insgesamt merkt man schon, dass alles irre teuer geworden ist und den Menschen weniger Geld bleibt. Wir sehen aber auch, dass Gäste ihr Geld derzeit lieber für schnelleren Luxus ausgeben. Was mich immer wieder überrascht: Lassen sich Gäste etwas empfehlen und wir schlagen ihnen zwei Drinks vor – den einen um 13 und den anderen um 17 Euro -, dann hat der Großteil vor ein paar Jahren noch die günstigere Variante gewählt. Derzeit habe ich eher das Gefühl, dass die Gäste – wenn sie den Weg zu uns finden – nicht mehr so auf das Geld achten und bereit sind, für das Geschmackserlebnis zu bezahlen.

Im Trend liegen auch alkoholfreie Cocktails, wie das?
Ja, das kann ich bestätigen. Hier fällt ebenfalls eines klar auf: Trinken die Gäste zwar – aus welchen Gründen auch immer – keinen Alkohol, sind sie derzeit dennoch bereit, sich einen hochwertigen Drink zu leisten. Vor ein paar Jahren trank man ein Soda Zitron. Mittlerweile greifen viele zu Cocktails – etwa mit alkoholfreiem Gin. Dieser ist in der Herstellung nicht wirklich günstiger, was zugleich den teureren Preis erklärt.

Und was ist Ihr persönlicher Lieblingscocktail?
Das hängt bei mir ganz von der Stimmung ab. Aber tendenziell bin ich schon eher bei den starken Drinks, so wie etwa der Vesper. Das ist eine Variante des Martinis. Cheers!

Die Kreationen von Berit Glaser gibt’s in der Bar „Miranda“, Esterhazygasse 12, in Wien; www.mirandabar.com; +43/1/9528794; info@mirandabar.com

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