Hinter den 77 Bergen, bei den 77 Zwergen: Elena Kats-Chernin und Susanne Felicitas Wolf interpretieren in der Grazer Oper den Märchenklassiker „Schneewittchen“ neu.
Dieses Schneewittchen ist keine klassische Märchenprinzessin (Corina Koller): Frech, frei und punkig lehnt sie sich gegen die Regeln des Hofes auf. Als ein weißes Kaninchen (Michael Großschädl) auf der Flucht vor dem Koch, in ihrem Zimmer auftaucht, versteckt sie es und bildet sofort eine Freundschaft mit dem als Sonntagsbraten für die Königin gedachten Tier. Und es ist wohl mehr Schneewittchens Herzlichkeit als ihre Schönheit, die ihrer bösen Schwiegermutter (Leah Bedenko) so sauer aufstößt. Und so kommt es nach mehreren Befragungen des magischen Spiegels (Nikita Ivasechko) wie es kommen muss: Die Königin beauftragt den Jäger (Will Frost), das Duo zu töten – und sie flüchten.
Anders als im Klassiker sind es in der Version von Librettistin Susanne Felicitas Wolf 77 Berge, die sie überwinden müssen. Dafür sind es auch 77 Zwerge, bei denen sie Unterschlupf finden – wunderbar auf die Bühne gebracht von der Singschul’ der Oper Graz (Leitung: Andrea Fournier). Dort nimmt das Schicksal seinen tragischen Lauf – bis mit Maximilian Gutefried Gartenfried (Ted Black) ein unerwarteter Prinz an Schneewittchens gläsernen Sargdeckel stolpert.
Durchaus charmant wurde dieses „Schneewittchen“ modernisiert (Inszenierung: Nicole Claudia Weber), dessen Uraufführung Intendant Ulrich Lenz 2015 an der Komischen Oper in Berlin schon begleitet hat und die er nun nach Graz holt. Irgendwo zwischen Filmmusik, Musical, Kinderoper und Mambo-Fieber ist das Werk der Oscar-nominierten Komponistin Elena Kats-Chernin einzuordnen (Musikalische Leitung: Stefan Birnhuber). Friedrich Eggert hat für Graz eine grandiose Bühne geschaffen, Alfred Mayerhofer humorvoll-glamouröse Kostüme, und Jerôme Knols hat mit der Singschul’ herzige Choreografien erarbeitet.
Das Resultat: Gut gemachte, aber letztlich auch harmlose Unterhaltung für Menschen ab 6 Jahren.
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