Im „Krone“-Gespräch:

Bundespräsident: Pröll sagt, ob er kandidiert

Niederösterreich
23.11.2025 12:00

Im Gespräch mit der „Krone“ ziehen Landeshauptmann außer Dienst Erwin Pröll und Landesvize Stephan Pernkopf Bilanz über das 40-jährige Bestehen der Dorf- und Stadterneuerung in Niederösterreich und liefern Vorschläge zur Ortskernbelebung und das künftige Leben am Land. Und: Pröll gewährt Einblicke in seine eigene politische Zukunftsplanung.

Es ist ein Mittwochvormittag in der beschaulichen 581-Seelen-Gemeinde Artstetten im Bezirk Melk. Im Vereinsheim der Gemeinde brennt schon Licht. Ungewöhnlich ist das aber nicht. Denn im alten, aber neu hergerichteten Bauernhaus ist immer etwas los. Etwas ungewöhnlich waren aber an diesem Mittwoch zumindest die Gäste. Erwin Pröll, Landeshauptmann außer Dienst, und Landesvize Stephan Pernkopf luden die „Krone“ zum Gespräch anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums von Erwin Prölls Initiative Dorf- und Stadterneuerung.

„Es gibt keinen besseren Ort für das Interview. Hier wird Gemeinschaft gelebt“, betonen die beiden Politiker. Und hier wurde durch den ehrenamtlichen Arbeitseinsatz vieler Helfer eben auch das Haus der Gemeinde renoviert, um es für Vereine nutzbar zu machen. Und genau darum geht es laut Pröll und Pernkopf auch in Zukunft. 

Ohne Musik kein Geld
Als in den 70er-Jahren notwendigerweise Gemeinden fusioniert werden mussten, machte Pröll damals Betroffene zu Beteiligten. „Damals gab es den Slogan: ,Ohne Geld keine Musik’. Wir haben das umgedreht und: ,Ohne Musik kein Geld’ daraus gemacht“, erinnert sich Pröll zurück. Mit Blick auf den Fakt, dass rund 70 Prozent aller Gemeinden Österreichs mittlerweile als sogenannte Sanierungsgemeinden gelten, brauche es Ähnliches auch aktuell. Und hier könne die Dorf- und Stadterneuerung aus Niederösterreich als Beispiel für die anderen Länder Schule machen. „Bei unseren Dorferneuerungs-Stammtischen in den Regionen kommen jedes Mal mehr Leute als ursprünglich vorgesehen“, ist Pernkopf zufrieden.

„Wir schützen, was wir lieben und wir gestalten, was wir brauchen, aus Liebe zum Land und zu den ...
„Wir schützen, was wir lieben und wir gestalten, was wir brauchen, aus Liebe zum Land und zu den Leuten“, erklärt Pernkopf.(Bild: Imre Antal)
Die Versorgung mit Bargeld ist für Pröll ein „Grundbedürfnis“.
Die Versorgung mit Bargeld ist für Pröll ein „Grundbedürfnis“.(Bild: Imre Antal)

Das zeige, dass es Redebedarf – aber eben auch den Wunsch nach aktiver Mitgestaltung gebe. „Man kann sich nicht alles kaufen, aber mit Motivation und mit intelligenter Zusammenarbeit kann man vieles bewältigen. Wir werden die weltpolitische Situation nicht ändern können. Aber wir können den Menschen in unseren Dörfern, Gemeinden und Städten Heimat und Sicherheit geben“, erklärt der Landesvize mit Verweis auf die Bilanz der Initiative. In den 40 Jahren des Programms wurden mehr als 15.000 Projekte umgesetzt, die wiederum eine Wertschöpfung von 600 Millionen Euro zur Folge hatten. Für ihn ist die Dorferneuerung daher „Mutmacher und Heimatmacher. Wir schützen, was wir lieben und wir gestalten, was wir brauchen, aus Liebe zum Land und zu den Leuten.“

Bargeld als „Grundbedürfnis“
Um die Ortskerne wiederzubeleben und das Leben am Land wieder attraktiver zu machen, braucht es aber wohl auch konkretere politische Maßnahmen, als die vom Land NÖ initiierte Wirtshausprämie, die im ersten Jahr 33 Lokale in Anspruch nahmen. Die von Gemeindebundpräsident Johannes Pressl angedachte Fusionierung von Gemeindeverbänden sei daher ein „begrüßenswerter Schritt“, die (auch oft von der SPÖ prolongierte) Forderung nach einer besseren Bargeld-Versorgung im ländlichen Raum legitim – „das ist ein Grundbedürfnis“, meinte Pröll. 

Es geht darum, mit- statt gegeneinander Politik zu machen, erklären Pernkopf und Pröll.
Es geht darum, mit- statt gegeneinander Politik zu machen, erklären Pernkopf und Pröll.(Bild: Imre Antal)

„Es darf keine Denkverbote geben. Und da brauchen wir mehr Hausverstand, als wir glauben. Und zwar parteiübergreifend. Ich sage es immer wieder: Die Menschen haben die Nase voll vom parteipolitischen Hickhack. Die wollen, dass zusammengearbeitet wird. Und das passiert hier in den Dörfern, Städten und Gemeinden. Eine gute Idee ist eine gute Idee, egal von wem sie kommt. Es gibt nur eine Richtschnur. Sie muss gut für Land und Leute sein“, erklärt Pernkopf.

Pröll steht nicht zur Verfügung
Gut abgeschnitten hat Pröll bekanntlich auch bei einer Befragung der „Krone“ zu Kandidaten für die mögliche Bundespräsidentschaft im Jahr 2028. „Ist das ein Thema?“, wollte die „Krone“ wissen. „Ja, eines zum Schmunzeln“, meinte Pröll gewohnt locker. „Wenn ich meine politische Karriere hätte fortsetzen wollen, dann hätte ich nicht mit 70 als Landeshauptmann zurücktreten müssen“, ergänzt er. Mit Sorge sieht Pröll die zunehmende Entfremdung und Polarisierung, da bräuchte es wohl auch eine „moralische Dorferneuerung, also Respekt voreinander, das Verhältnis zueinander, das Gestalten miteinander“.

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