03.07.2013 15:40 |

Leinwand-Debüt

"Confession": Pete Doherty zwischen Wollust und Liebe

Wenn Pete Doherty am Anfang von "Confession" (Kinostart: 5. Juli) mit verwuscheltem Haar und traurigen, verlorenen Augen herumirrt, von der Geliebten betrogen, beim Duell verletzt und von Alkohol- und Sexexzessen betäubt, dann sieht man in dieser Figur zu allererst Pete Doherty. Der Musiker, der mit seiner Beziehung zu Supermodel Kate Moss, Drogenskandalen und Gefängnisaufenthalten vor allem in der Vergangenheit immer wieder für Aufsehen sorgte.

Etwas hölzern spielt Doherty an der Seite der großartigen Charlotte Gainsbourg den romantischen Helden Octave in Sylvie Verheydes Verfilmung des autobiografischen Romans "Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen" von Alfred de Musset (1810-1857). Schauspielerisch mag Doherty darin nicht brillieren, und doch scheint ihm die Rolle auf den Leib geschrieben.

Verheydes bildgewaltiges Epos erzählt von der schmerzhaften Beziehung von Octave (respektive de Musset) zu der um ein paar Jahre älteren Witwe Brigitte (Gainsbourg). Diese hieß im wahren Leben George Sand, die Schriftstellerin, mit der de Musset jahrelang eine leidenschaftliche Beziehung führte.

Octave ist ein verlorenes Kind seiner Zeit: keine Geldsorgen, keine richtige Arbeit, dafür rauschende Feste und flüchtige Liebschaften. Doch nachdem er sich von seiner Geliebten Elise (Lily Cole) betrogen fühlt, kann er nicht mehr an die Liebe glauben. Zum Sterbebett seines Vaters aufs Land gerufen, lernt er dort Brigitte kennen. Nach anfänglichem Zögern finden sich die beiden und wissen doch, dass auch diese Liebe nicht halten wird. Und so ist "Confession" vor allem die Erzählung nicht nur einer quälenden Liebe, sondern auch einer sich ankündigenden schmerzvollen Trennung. Octave kann nicht mehr an die Liebe glauben, sein zynischer, dandyhafter Freund Desgenais (August Diehl) schon gar nicht.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Regisseurin Verheyde bleibt nahe an der literarischen Vorlage und fängt dabei sehr gut die Ambivalenz der desillusionierten Jugend ein. Zudem fasziniert die kultivierte Eleganz der Dialoge noch heute. Der britische Barde Pete Doherty taucht spielerisch in die zwischen Wollust und Melancholie oszillierende Dichterfigur ein und steuert am Ende den herzzermörsernden Song "Birdcage" bei.

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