Weil er sich über das Internet die Anleitung zum Bau einer Bombe schicken ließ und unzählige Propaganda-Videos des Islamischen Staats (IS) weiterleitete, musste ein gerade erst 18 Jahre alt gewordener Syrer in Innsbruck auf der Anklagebank Platz nehmen. Er wurde verurteilt, verließ das Gericht aber als freier Mann.
Als der Bürgerkrieg in seiner Heimat begonnen hatte, war er vier Jahre alt. Ein Jahr später wurde sein Vater bei einem Bombenangriff getötet. Und mit 14 kam der heute 18-jährige Syrer dann über die Balkanroute nach Österreich.
FBI entdeckte Telegram-Account
Im August 2023 entdeckte das FBI dann den Telegram-Account des mittlerweile in einem Tiroler Flüchtlingsheim untergebrachten jungen Mannes. Über die Social-Media-Plattform ließ er sich nämlich Anleitungen zum Bau einer Bombe schicken. Außerdem fand die Polizei auf seinem Handy mehr als 20.000 Videos unter anderem mit Hinrichtungen des IS.
Ich habe geschrieben, dass ich ein Polizeiauto in die Luft sprengen möchte, aber ich habe es nicht ernst gemeint.
Der Angeklagte beim Prozess
„Es war ein Fehler“, zeigte sich der Angeklagte teilweise geständig. „Ich habe geschrieben, dass ich ein Polizeiauto in die Luft sprengen möchte, aber ich habe es nicht ernst gemeint.“ Man habe, obwohl bei der Verhaftung bereits sieben Monate verstrichen waren, keine Materialien für einen Bombenbau gefunden.
Die Erklärung des Anwalts
Warum der vermeintliche IS-Fanatiker die Propaganda-Videos hortete, teilweise sogar mit Musik untermalte und weiterschickte, konnte oder wollte der 18-Jährige nicht beantworten. „Mein Mandant ist kein Terrorist, sondern ein blöder Bub“, meinte der Verteidiger.
Syrer verließ Gericht als freier Mann
Der Schöffensenat verhängte am Ende für das Weiterleiten der Videos sechs Monate Haft. Dass er tatsächlich eine Bombe bauen wollte und dass er Mitglied des IS ist, konnte das Gericht dem jungen Syrer aber nicht nachweisen. Die Strafe saß er bereits in der U-Haft ab, dennoch meldete sein Verteidiger Berufung an.
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