Wenn in einem Tunnel ein Feuer ausbricht, muss jeder Handgriff sitzen!„Krone“-Redakteurin Nicole Greiderer begleitete Feuerwehrleute bei einer Übung an der Tiroler Landes-Feuerwehrschule in Telfs und holte sich Tipps, wie man im Ernstfall reagieren sollte.
Ich sehe nur weiß. Dichter (künstlicher) Rauch wirft den Schein meiner Lampe zurück. Nur die Leuchtstreifen auf den Feuerwehrjacken und der Schein der brennenden Fahrzeuge geben Orientierung. „An der Wand oder an Autos entlangtasten“, hat mir Ausbildungsleiter Gerhard Schöpf geraten. Die Sicht reicht kaum auf den Boden. Ich hoffe einfach, dass ich nicht stolpere. Jetzt hat sich der Schlauch irgendwo verhakt.
Unter seiner Atemschutzmaske verstehe ich meinen Teampartner Daniel kaum. Also gibt er mir mit den Armen zu verstehen, was ich tun soll. Jeder andere um mich weiß das von alleine.
Ein Brand im Tunnel ist kein normaler Einsatz
Die zweitägigen Tunnelschulungen an der Landes-Feuerwehrschule in Telfs sind für jene, die Ruhe bewahren müssen, wenn andere panisch werden. Hier werden Brände in Straßen- und Bahntunneln simuliert und Führungskräfte ausgebildet. „Wir sind Österreichs Tunnelkompetenzzentrum“, berichtet Gerhard Schöpf nicht ohne Stolz. Aus der ganzen Republik eignen sich Feuerwehr-Verantwortliche hier Wissen an und tragen es in ihre Gemeinden.
Denn ein einheitliches Vorgehen ist bei einem Tunnelbrand das A und O: „Wir haben ja auch solche, die verschiedene Bundesländer miteinander verbinden“, erklärt Schöpf. Und: „Ein Tunnel ist kein Haus. Es gibt nur zwei Eingänge und entsprechend lange Wege.“
Wie bringt man also Einsatzkräfte rein und gerettete Personen raus? Wo gibt es Anschlussstellen, wie legt man Schläuche, damit sie nicht zu Stolperfallen werden? Mögliche Lkw mit Gefahrgut an Bord und enorme Hitzeentwicklung sind weitere Risikoquellen. Vor allem, weil die Zahl der Betroffenen bei einem Tunnelbrand sehr groß sein kann – und oft völlig unklar.
Nicht umsonst lernen die Feuerwehrleute auch, wie man einen Bus evakuiert. Geübt wird nicht nur Technisches, sondern auch der Umgang mit purer Menschlichkeit: der Vater, der sich nicht von seinen Kindern trennen will, die Passagierin, die alle anderen in Panik versetzt – „es gibt nichts, was es nicht gibt“.
„Wird die Decke zu heiß, fällt sie uns auf den Kopf“
Ich lerne indes, wie man löscht. Eigentlich geht es um einen brennenden Kastenwagen, doch Daniel zielt immer wieder auf die Tunneldecke: „Wenn der Beton zu heiß wird, bricht sie runter!“
Den Schlauch gegen den Rückstoß zu halten und zu steuern, ist gar nicht so einfach. Die Hitze des Feuers spüre ich nicht. Auch nicht das Wasser, das von der Decke tropft. Dafür rinnt mir unter meiner Atemmaske der Schweiß übers Gesicht.
„Mit der ganzen Ausrüstung bist du 30 Kilo schwerer“, hat mir Schöpf dazu erklärt. So bewege ich mich auch: gefühlt in Zeitlupe. Als ich mich nach der Trage bücke, mit der ich einen Dummy „evakuieren“ soll, bin ich überrascht, dass ich nicht nach hinten kippe.
Im Ernstfall geht es um Menschenleben
Als ich meine Atemmaske endlich abnehme, bin ich ziemlich erledigt und heimlich auch ein bisschen froh, dass es für mich damit vorbei ist. Für die Feuerwehrleute – viele verwenden für diese Schulung Urlaubstage – geht es am Nachmittag weiter: „Da verschärfen wir die Übungsszenarien. Mit Lautsprecherdurchsagen, Feuer, Personenbergung – das volle Programm“, verspricht Schöpf. Er weiß: „Wenn sie abspeichern, wie sie handeln müssen, können sie das auch im Einsatz abrufen.“ Damit sie im Ernstfall Leben retten können.
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