Fr, 21. September 2018

Nach langer Debatte

19.12.2012 13:57

EU präsentiert verschärfte Tabak-Richtlinie

Nachdem bereits in der Vorwoche erste Details an die Öffentlichkeit gesickert waren, hat am Mittwoch die EU-Kommission ihren lange erwarteten Vorschlag zur Verschärfung der Tabakrichtlinie vorgestellt. Wie die EU-Behörde in Brüssel bekannt gab, müssen künftig alle Zigarettenpackungen einen kombinierten textlichen und bildlichen Warnhinweis tragen, der 75 Prozent der Vorder- und der Rückseite der Packung einnimmt. Verpflichtende Einheitspackungen wie in Australien werde es nicht geben - einzelne EU-Länder dürfen jedoch auf freiwilliger Basis völlig neutrale Einheitspackungen einführen.

"Tabak tötet die Hälfte seiner Konsumenten und ist in hohem Maße suchterzeugend", begründete EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg (Bild) die Kommissionspläne. "Da 70 Prozent der Raucher vor dem 18. Lebensjahr anfangen zu rauchen, wird mit dem heutigen Vorschlag angestrebt, Tabakerzeugnisse und das Rauchen weniger attraktiv zu machen, um junge Menschen davon abzuhalten, mit dem Rauchen zu beginnen."

"Wir müssen die Menschen informieren, dass es eine Verbindung zwischen Lungenkrebs und Rauchen gibt", sagte Borg. Viele Menschen spielen die Gefahren des Rauchens nach wie vor herunter, so wie es Leute gebe, die den Klimawandel leugnen. Ziel des Vorschlages sei es, den Anteil der Raucher in Europa in den nächsten fünf Jahren um zwei Prozent zu reduzieren, sagte Borg, der sich selbst als "toleranten Ex-Raucher" bezeichnete.

75 Prozent der Packung für Warnhinweise reserviert
Der Vorschlag, über den nun die EU-Gesundheitsminister und das EU-Parlament zu entscheiden haben, sieht unter anderem Folgendes vor: Auf den Packungen darf keine Werbung aufscheinen. Die derzeitigen Informationen über Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid sind nach Ansicht der EU-Kommission irreführend und sollen durch eine seitlich auf der Packung angebrachte Botschaft ersetzt werden, wonach Tabakrauch über 70 krebserregende Stoffe enthält.

Warnhinweise und erschreckende Fotos von möglichen Gesundheitsschäden sollen 75 Prozent der Packungsfläche einnehmen. Der restliche Platz auf den Packungen entfalle damit auf Steuerbanderole und den Markennamen. Der Gesundheitskommissar erläuterte, dass nur Bilder aus einer europaweit festgelegten Datenbank aufgedruckt werden sollen.

In einigen EU-Mitgliedstaaten gibt es bereits die erschreckenden Fotos auf Zigarettenpackungen, diese werden mit der EU-weiten Vereinheitlichung nun auch österreichische Raucher in den Händen halten. Eventuell wird es sich dabei auch um völlig neutrale Einheitspackungen handeln, denn die EU-Kommission will den Mitgliedstaaten diese Möglichkeit überlassen.

Aus für Menthol- und Slim-Zigaretten
Aromastoffe wie Menthol werden dem Entwurf nach verboten. Hier stehen vor allem junge Menschen im Fokus. So gebe es etwa Beweise dafür, dass Aroma-Zusatzstoffe Jugendliche besonders zum Rauchen verführen würden.

Alle Inhaltsstoffe der Glimmstängel müssen künftig in einem elektronischen Meldeformat verzeichnet werden. Die neuen Vorschriften zu Warnhinweisen und Aromastoffen sollen für Tabak zum Selbstdrehen ebenfalls gelten.

Auch der Durchmesser der Glimmstängel wird beschränkt - so dürfe dieser 7,5 Millimeter nicht mehr unterschreiten. Damit sollen Slim-Zigaretten auch nicht mehr im Handel erhältlich sein.

Ausnahme für schwedischen Kautabak
Das Verbot des schwedischen Kautabaks "Snus" werde - mit Ausnahme von Schweden - aufrechterhalten. Nikotinhaltige elektronische Zigaretten dürfen auf den Markt kommen, müssen aber gesundheitsbezogene Warnhinweise tragen. Produkte, deren Nikotingehalt oberhalb einer Schwelle liegt, sind nur zulässig, wenn sie als Arzneimittel etwa für Nikotinersatz zugelassen sind.

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