Vor 100 Jahren wurde die Caritas Steiermark ins Leben gerufen und kämpft seitdem gegen die Armut an. Dieses Jubiläum nimmt man zum Anlass, um in einer Ausstellung im Grazer Museum für Geschichte die Lebensrealitäten von Menschen in Armutssituationen zu beleuchten. Zu sehen bis 18. August.
Der Prunkraum des Museums für Geschichte in Graz strahlt den Glanz der Vergangenheit aus. Doch auch die Armut ist Teil der steirischen Geschichte. Seit mittlerweile 100 Jahren kämpft die Caritas Steiermark gegen die Armut an: „Und der Kampf wird nicht kleiner“, sagt Caritas-Direktorin Nora Tödtling-Musenbichler. „Im vergangenen Jahr war die Zahl unserer Erstberatungen deutlich höher als im Vorjahr. Viele Menschen, die noch vor einigen Jahren Spender waren, brauchen jetzt selbst unsere Hilfe“, sagt sie.
Ein gutes Leben für alle – ist das möglich?
Und so macht es nur Sinn, zum 100-Jahre-Jubiläum der Caritas Steiermark mit der Ausstellung „Ein gutes Leben für alle“ einen kritischen Blick auf das Thema zu werfen. „Armut ist ein beständiger Kampf um Würde“, sagt Ausstellungskuratorin Astrid Kury. „Die Betroffenen leiden ja nicht nur an einem Mangel an Geld, sondern auch an einem Mangel an Chancen und einem Mangel an Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilnahme.“ Meist haben sie in der Gesellschaft schlicht keine Stimme – und das möchte diese Schau ändern.
Unzählige Stimmen sind demnach in dieser Schau zu hören – von Vertretern von Hilfseinrichtungen bis hin zu Armuts-Forschern, aber vor allem auch von Betroffenen: „Es ist ein wichtiger Schritt, dass in den vergangenen Jahren viele Betroffene auch zu Aktivisten geworden sind, und begonnen haben, über ihre Erfahrungen mit Armut zu erzählen“, sagt Kury. Denn immer noch seien Diskussionen über Armut von falschen Klischees bestimmt. So werfe man ihnen etwa vor, faul und würdelos zu sein: „Dabei sind es nicht die armen Menschen, die ihre Würde verloren haben. Vielmehr verliert die Gesellschaft ihre Würde, wenn sie Armut zulässt“, sagt Kury.
Bis 18. August ist die Schau zu sehen, die die Besucher nicht nur mit bitteren Realitäten konfrontiert, sondern auch wichtige Fragen zu möglichen Verbesserungen aufwirft: Jeder kann helfen, dass wir einem guten Leben für alle, einen Schritt näher kommen.
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