Sex mit Melkhelferin

Prügel-Prozess: Ärzte belegen Blessuren des Bauers

Niederösterreich
31.05.2024 21:42

Der Fall sorgte im ganzen Land für Staunen: Eine niederösterreichische Landwirtin soll ihren Mann arg verprügelt haben, weil sie ihn in flagranti mit einer jungen Melkhelferin erwischt hatte. Jetzt stellte ein Gutachten fest: Der Fremdgänger erlitt „leichte“ Verletzungen, von ihm behauptete mehrmonatige Beschwerden seien aber nicht nachvollziehbar.

Im Gerichtsverfahren gegen eine 40-jährige niederösterreichische Landwirtin aus dem Bezirk Baden liegt nun das unfallchirurgische Gutachten vor. Es bestätigt, dass der 44-Jährige eine Schädelprellung mit Blutergussbildung, Prellungen am Rücken mit streifenförmigen Blutunterlaufungen und eine Prellung der Schulter erlitten hat.

Der Sachverständige geht von „stumpfkantiger Gewalteinwirkung“ aus, wie es in der Expertise heißt: „Unter Bedachtnahme auf die Aktenlage können die gegenständlichen Verletzungen als Folge zumindest dreier Schläge unter Zuhilfenahme eines länglichen Gegenstandes (Stiel des Gummischrappers o. ä.) gegen den Rücken und eines weiteren Schlages (ob mit Faust, Kübel oder Schrapper kann aus unfallchirurgischer Sicht nicht differenziert werden) aufgefasst werden.“

Ehemann wurde „leicht“ verletzt
Die Verletzungen stuft der Sachverständige als „leicht“ ein, die vom Ehemann behaupteten mehrmonatigen Beschwerden seien „aus unfallchirurgischer Sicht nicht nachvollziehbar“. Zur Frage einer möglichen Selbstzufügung merkt der Gutachter an, ein „absichtliches Anschlagen des Hinterkopfes gegen ein feststehendes Hindernis“ könne „natürlich selbst durchgeführt werden“.

Die Verletzungen am Rücken bedürften dagegen schon einer aufwendigeren Technik beziehungsweise eines entsprechend biegsamen Werkzeuges oder eines mit einem Gelenk versehenen Schlagwerkzeuges.

Frau wegen Körperverletzung vor Gericht
Die Ehefrau des 44-Jährigen muss sich seit Mitte Februar wegen Körperverletzung am Bezirksgericht Baden verantworten. Sie hatte sich beim Prozessauftakt „nicht schuldig“ bekannt. Ihr Verteidiger Lukas Kollmann gab sich damals überzeugt, dass der zum Zeitpunkt der angeblichen Schläge wieder komplett angezogene Ehemann zu viele Kleidungsschichten getragen hätte, um durch den Schrubber sichtbare Verletzungen davonzutragen.

Michael Dohr (li.) und Amir Ahmed, die beiden Rechtsvertreter des 43-Jährigen. In der Hand: die mutmaßliche Tatwaffe. (Bild: APA/STEFAN SOMWEBER)
Michael Dohr (li.) und Amir Ahmed, die beiden Rechtsvertreter des 43-Jährigen. In der Hand: die mutmaßliche Tatwaffe.

Die mutmaßliche Prügel-Attacke hatte sich am 24. April 2022 auf dem Gehöft des Ehepaares im Bezirk Baden zugetragen. Sie habe am Abend ihrem Mann beim Füttern der Kälber helfen wollen. Nach dem Öffnen der Stalltür sei sie „wie angewurzelt stehen geblieben. Ich hab‘ ihn in flagranti erwischt. Es war, als ob jemandem der Boden unter den Füßen weggezogen wird“, schilderte die 40-Jährige am ersten Verhandlungstag der Bezirksrichterin.

Sie habe den Mann „zur Rede stellen“ wollen. Zu einem Werkzeug habe sie in diesem Zusammenhang aber nicht gegriffen und damit auch nicht zugeschlagen, versicherte die Angeklagte. Sie habe lediglich einen Kübel mit Wasser gefüllt und diesen auf ihren Mann geschüttet, worauf dieser ihr mit einem Schlauch Wasser in die Augen gespritzt hätte.

Verfahren geht in finale Runde
„Das Gutachten des Sachverständigen hat die Aussagen des Opfers und seiner Melkhilfe über die Geschehnisse im Kuhstall bestätigt. Der Tathergang sowie die Verletzungsfolgen sind mit deren Schilderungen in Einklang zu bringen. Eine wie immer geartete Selbstverletzung konnte nicht festgestellt werden. Sowohl das Scheidungs- als auch das Strafverfahren gehen jetzt in die finale Runde“, meinte Michael Dohr, der Rechtsvertreter des Mannes. Wann die unfallchirurgische Expertise bei Gericht erörtert wird, ist noch offen. Einen Termin für die nächste Verhandlung gibt es noch nicht.

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